Weihnachten und Fünf Jahre Nikolaushaus 2016

1.Advent 2016

Mache dich auf und werde licht,
denn dein Licht kommt.  Jesaja 60, 1

Unsere Kinder freuen sich jedes Jahr auf die Adventszeit – wegen des Adventskranzes, der dann bei unserem Abendgebet auf dem Tisch steht und ganz besonders wegen des Adventskalenders, der mit 30 Bonbons pro Tag bestückt ist. Am 2. Dezember wird der letzte Schultag sein, bevor es am 9.1.2017 mit dem neuen Schuljahr wieder losgeht. Dazwischen liegen das Nikolausfest, Ferienbesuche bei den Herkunftsfamilien für die Kinder, die noch Angehörige haben oder auch Besuche bei Gastfamilien oder kleine Ausflüge für die Kinder, die niemanden besuchen können. Pünktlich zu Weihnachten werden alle Kinder wieder im Nikolaushaus sein.
Im neuen Jahr werden die meisten Kinder eine Klasse aufrücken, zwei Kinder werden in den Kindergarten kommen, drei Kinder fangen die erste Klasse an und bei einigen Kindern steht ein Schulwechsel an. Bei 27 Kindern mit besonderen Bedürfnissen haben wir die gesamte Bandbreite von Freude und Verzweiflung über schulische Leistungen.
Dieses Jahr möchte ich den Jahresrückblick 2016 in Bildern mit Ihnen teilen:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies war nur ein kleiner Rückblick von unserem Leben in 2016. Wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihre treue Unterstützung, ohne die unser Nikolaushaus nicht möglich wäre!
Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes und von Frieden erfülltes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr 2017,
Stefanie Köster und die Kinder und Mitarbeiterinnen


18. September 2016

p1150079Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses!

Eigentlich wollte ich in diesem Rundbrief nur von all den schönen Ereignissen im Nikolaushaus berichten  – von der 5-Jahres Feier, der Firmung unserer Jugendlichen, von unseren beiden neuen Kindern – , doch nun fängt dieser Brief gleich mit einer schlechten Nachricht an:

Am Samstag, den 10.9. um 15.27 Uhr hatten wir ein Erdbeben der Stärke 5,7 auf der Richter-Skala. Die Kinder hatten schulfrei und waren Zuhause. Die meisten befanden sich draußen bzw. liefen schnell aus dem Haus. Niemandem von uns ist etwas passiert, auch unser Haus steht noch. Doch waren wir alle im wahrsten Sinne des Wortes „erschüttert”. Im ersten Moment begriffen viele Leute nicht, was vor sich ging. Für die meisten Menschen war es das erste Erdbeben, das sie erlebt haben. Wir sind keine Erdbebenregion. Einen Zusammenhang zwischen dem Atomtest in Nordkorea am 9.9. und unserem Erdbeben einen Tag später wird es wohl nicht geben, da die beiden Länder ja weit auseinander liegen, aber ungewöhnlich war dieses relativ starke Erdbeben bei uns schon.  Wir liegen etwas abseits des Ostafrikanischen Grabenbruchs und dort haben sich die Erdplatten verschoben. Am 11.9. gegen 22 Uhr hatten wir dann noch ein leichtes Nachbeben. Darauf reagierten die Menschen schon viel panischer. Die Nerven sind angespannt, auch bei unseren Kindern und Mitarbeiterinnen im Haus. Das Epizentrum lag einige Kilometer außerhalb der Stadt Bukoba. In der Stadt selbst kam es zu großen Schäden. In der Region sind 16 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 250 Leute sind verletzt. Das Beben war bis in unsere Nachbarländer Uganda, Ruanda, Burundi, Kenia und dem Kongo zu spüren. Der Vizepräsident kam nach Bukoba geflogen zu einer Gedenkfeier. Aufgrund der schlechten Bausubstanz sind mehr als 800 Häuser eingestürzt, mehr als 1000 Häuser – auch unser Nikolaushaus (!) – haben Risse im Mauerwerk. Das gesamte Ausmaß der Schäden ist noch nicht evaluiert und die Hilfe für die Erdbebenopfer läuft erst langsam an. In den hiesigen Krankenhäusern gibt es keine Notfallambulanzen und Intensivstationen. Entsprechend schlecht kann man auf Katastrohen reagieren. Aber das Rote Kreuz leistete Soforthilfe. Insgesamt hat Gott uns sehr beschützt, denn es hätte sehr viel schlimmer kommen können. Für weitere Informationen verweise ich auf die Internetartikel im Anhang.
Doch nun zu den Ereignissen, von denen ich eigentlich berichten wollte:

p1140918Das Nikolaushaus ist 5 Jahre alt geworden!
Am 17.9.2011 waren wir mit den ersten 10 Kindern eingezogen. Dieses Ereignis wollten wir mit einem Dankgottesdienst feiern und nur einige Gäste einladen: die Familienangehörigen der Kinder, unsere Nachbarn, Leute aus der Gemeinde, Priester und Ordenschwestern, Leute, die uns auf vielfältige Weise unterstützen… und schon war die Gästeliste auf über 50 Personen gewachsen. Dazu unsere knapp 30 Kinder und mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also mehr als 100 Personen. In Afrika gibt es keine Feier im kleinen Kreise, denn Afrikas größter Reichtum sind seine Menschen.
Es war ein schöner Tag: Bischof Method Kilaini kam sowie unser Gemeindepfarrer Father Justus Kahwa und zwei weitere Priester aus Nachbargemeinden. Es regnete nicht (!), wir hatten Strom und Musik und gutes Essen, unsere Kinder haben gesungen und getanzt. Alle waren bester Stimmung. Es war ein Fest für all die Familien mit behinderten und kranken Kindern.
 
Jubiläumszeitung NikolaushausAnlässlich unseres 5-jährigen Jubiläums haben wir eine Zeitung zusammengestellt. Wer die Zeitung nicht bekommen haben sollte und eine haben möchte, schreibt mir am besten eine kurze E-Mail.

PDF zum Download: jubiläumszeitung-nikolaushaus-afrika

Im August haben wir zum ersten Mal zwei Kinder entlassen. Maria (19) und Steven (13) gehörten damals zu den ersten Kindern, die ins Nikolaushaus einzogen. Zuvor hatte ich die Kinder schon aus der Familie genommen, weil die Eltern nicht für die beiden schwer geistig und körperlich behinderten Kinder sorgen konnten. Steven kenne ich seit seiner Geburt. Er war zunächst zwei Jahre in einem Babywaisenhaus und wuchs danach im Krankenhaus auf, weil es keine passende Einrichtung oder Pflegefamilie für ihn gab, bis er schließlich ins Nikolaushaus zog.
Maria kenne ich seit 2001. Damals war sie 4,5 Jahre alt. 2005 verließ die Mutter die Familie und ließ Maria und ihre drei jüngeren Geschwister beim Vater. Ende 2006 war Marias Zustand aufgrund von Verwahrlosung lebensbedrohlich schlecht geworden und ich suchte damals nach einer Pflegemutter für Maria. Acht Jahre lang war Helswida, heute eine unserer Mitarbeiterinnen, ihre Pflegemutter. Helswida, mir und allen, die Maria und Steven kennen, fiel der Abschied sehr schwer. Doch sind wir eine Einrichtung für Kinder und von ihrem Alter her, ist Maria kein Kind mehr. Lange musste ich suchen, bis ich eine andere Institution fand, denn in unserer Gegend in Bukoba gibt es keine Einrichtung für erwachsene Menschen mit Behinderungen.
p1130934Father Biseko vom Charity Home Kigera in Musoma bot an, beide Geschwister gemeinsam zu nehmen, um sie nicht trennen zu müssen. Leider ist Musoma weit weg von uns. Von Haustür zu Haustür sind es exakt 650 km. Zum Glück sind inzwischen fast alle Hauptverkehrsstraßen in Tansania geteert, aber es sind keine Autobahnen. Links und rechts am Straßenrand laufen Kinder, Leute, Kühe, Ziegen, Radfahrer. Bürgersteige gibt es nicht. Ich bin für jeden unfallfreien Kilometer dankbar, denn so viele Leute sterben hier durch Verkehrsunfälle. Für die Fahrt von 650 km um den halben Viktoriasee haben wir 13 Stunden gebraucht – pro Weg mit jeweils einer Übernachtung. Dabei liegt Musoma genau gegenüber von Bukoba auf der anderen Seite des Viktoriasees. Doch es gibt kein Schiff, das von Bukoba nach Musoma fährt. Die Gemeinschaft der Franziskanerschwestern, die bei uns im Nikolaushaus arbeiten, arbeiten auch in Musoma und so erfahre ich über die Schwestern und über Father Biseko zumindest wie es Maria und Steven geht. Im November möchte ich die beiden auch persönlich besuchen. Wäre der Weg nicht so weit, dann wären wir schon längst zu Besuch da gewesen!

Atugonza und Hadija

Atugonza und Hadija

Im August und September haben wir zwei neue Mädchen bekommen: Beide sind blind und beide sind von ihren Müttern ausgesetzt worden, doch sind die Kinder nicht mit einander verwandt. Hadija ist 7 Jahre alt. Wir hatten sie 2012 schon einmal kennen gelernt. Damals kam ihre Mutter zu uns und bat um Rat und Hilfe. Wir schickten die Mutter mit Hadija zu einem Augenarzt. Hadija war eine Frühgeburt, ihre Augen waren noch nicht ausgereift. An der Schädigung kann man nichts mehr tun. Jetzt im August – also nach 4 Jahren – kam die Mutter mit Hadija zurück. Sie wollte mich sprechen, doch ich war in diesem Moment nicht im Haus. Daraufhin ging die Mutter mit Hadija zu einem anderen Kinderheim, traf dort ebenfalls niemanden an und ließ Hadija einfach dort stehen. Der Nachtwächter wurde abends auf Hadija aufmerksam. Die Frau des Leiters dieses Kinderheims brachte Hadija am nächsten Morgen zu uns. Mir kam das Kind bekannt vor und anhand der Erstregistrierung von Hadija in unserer Ambulanz konnten wir Namen und Aufenthaltsort der Mutter ermitteln und so die Mutter finden. Wir suchten und fanden die Frau und zeigten sie bei der Polizei in Kemondo an, die uns rieten, die Frau nach Bukoba Stadt zu bringen. Dort würde sie ins Gefängnis und vor Gericht kommen. Hadijas Mutter hatte noch ihre 3-jährige kleine Tochter dabei. Ich zögerte, die Mutter wirklich zur Polizei in die Stadt zu bringen. Stattdessen redeten wir mehrfach mit ihr. Schließlich erzählte sie uns, dass sie HIV / AIDS habe. Ich vermute, dass die Mutter Depressionen hat und sich mit den Kindern überfordert fühlte, weil sie so krank ist. Ihre älteste Tochter hatte sie bereits bei Familienangehörigen abgegeben. Mehrere Tage lang versuchte ich das Jugendamt von Bukoba einzuschalten, um mir Rat zu holen, aber die Sozialarbeiterin legte auf, weil sie keine Zeit hatte und rief auch nicht zurück. Schließlich haben wir Hadija bei uns aufgenommen. Im Januar, wenn hier das neue Schuljahr anfängt, soll sie auf eine Internatsschule für blinde Kinder gehen. Die Situation mit der Mutter hat sich entspannt. Sie ruft häufig an und hat Hadija auch schon besucht. Auch Hadija ist inzwischen innerlich bei uns angekommen. Sie ist liebenswert, fröhlich und intelligent. Sie kann sich sehr gut nach ihrem Gehör orientieren.
Atugonza kam im September. Auch sie ist blind. Ihre Mutter hat sie ausgesetzt. Leute fanden sie und brachten sie zum Jugendamt. Das war im März. Das Jugendamt brachte daraufhin Atugonza in einem Waisenhaus für Babys unter. Wir wissen nicht genau, wie alt Atugonza ist. Auch den Namen haben die Mitarbeiterinnen des anderen Kinderheims ihr gegeben. Größe und Entwicklungsstand nach zu urteilen, ist sie ungefähr 3 Jahre alt. Sie läuft und spricht. Sie hat auffälliges Verhalten, wenn sie andere kneift und beißt und uns nicht antwortet, sondern nur die Worte, die wir zu ihr sagen, wiederholt. Doch wissen wir nicht, wie es Atugonza bis März 2016 ergangen ist. Im Moment gewöhnt sie sich noch bei uns ein. Das Jugendamt konnte ihre Mutter finden. Diese ist nun für ein Jahr im Gefängnis. Hadija und Atugonza brauchen noch Paten!

Dieser Rundbrief ist sehr lang geworden, dabei habe ich noch gar nicht alles erzählt! Bei uns jagt ein Ereignis das nächste und Alltag ist das, was dazwischen stattfindet!  Alles Weitere nur noch in Kürze:
Im Juli hatten wir Firmung in unserer Gemeinde von 96 Jugendlichen, 7 davon von uns aus dem Nikolaushaus.
Im Juli, August und September sind nach und nach vier neue Praktikantinnen gekommen und ein Jahrespraktikant hat sich verabschiedet. Die Praktikantinnen spielen mit den Kindern, machen mit ihnen Hausaufgen und geben Mathe-Nachhilfe. Sie sind uns eine große Hilfe.
Für meine drei Jungen Christoph, Ashraf und Mtagwaba, die im Rollstuhl sind, habe ich nun einen männlichen Betreuer eingestellt. Die Pflege der Kinder – besonders das Heben – ist für meine Mitarbeiterinnen zu schwer geworden. Wir sind froh, in Eladius einen körperlich starken Helfer und ein männliches Vorbild für unsere Jungen gefunden zu haben.
p1140739Und schließlich warten wir sehnsüchtig auf die Regenzeit! Nach 4 Monaten ohne Regen dürstet das Land. Jede Fläche, die nicht täglich abgewischt oder geputzt wird, ist mit einer dicken Staubschicht überzogen. Die Luft ist staubig, man atmet den Staub ein, hat ihn in den Ohren und in der Nase. Dank unseres neuen Brunnens von 50 m Tiefe haben wir bis jetzt immer genügend Wasser gehabt. Da ist es verständlich, dass uns unsere Nachbarn heimlich das Wasser aus dem Tank stehlen. Es ist Zeit, zu säen, aber bis jetzt bleibt der Regen aus.

Vielen Dank für Ihre treue Unterstützung des Nikolaushauses. Ohne Sie könnten wir den Kindern nicht helfen!

Wenn Sie diesen Newsletter zukünftig per Mail erhalten wollen, dann schreiben Sie mir einfach eine Mail.

Viele Grüße von uns allen,
Stefanie Köster mit allen Kindern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

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Firmung im Nikolaushaus

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Unsere neuen Praktikantinnen

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Fünf Jahre Nikolaushaus

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemondo
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