Ostern 2016

Kinder vom NikolaushausIch bin erstanden und bin immer bei dir, Halleluja. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja.
Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja. Ps 119,18.5-6


Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses,

Herzliche Ostergrüße aus dem Nikolaushaus!

Das neue Jahr begann für uns mit einer sehr guten Nachricht: Nach fünf Jahren des Sichbemühens haben wir endlich eine Lizenz für das Nikolaushaus als Kinderheim bekommen. Warum wird ein Antrag schon nach fünf Jahren bewilligt? Verschiedene Faktoren haben uns in den letzten Monaten geholfen. Zum einen fanden im Oktober 2015 Wahlen in Tansania statt. Der neue Präsident Mr. Magufuli macht seitdem im positiven Sinne von sich reden. Sein Wahlslogan „Hapa Kazi Tu!” (Hier ist nur Arbeit!) und der Spruch„What would Magufuli do?” (Was würde Magufuli tun?) sind geflügelte Ausdrücke geworden. Der neue Präsident scheint seine Wahlversprechen einlösen zu wollen. Für 2016 hat er die Schulgebühren und sämtliche anderen Pflichtbeiträge an staatlichen Grund- und Sekundarschulen erlassen. Den zahlreichen Privatschulen im Land hat er untersagt, die Schulgebühren zu erhöhen. Unnötige Staatsausgaben werden gestrichen, um Geld zu sparen. Korrupte Beamte in Tansania verlieren ihre Arbeit, Magufuli treibt Steuern ein… Er will wirklich sein Land aufräumen und ich bin gespannt, was die nächsten Jahre bringen werden. Nur leider haben sich für uns Ausländer die Kosten für Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung vervierfacht. Wer mehr dazu lesen will, sei auf den Zeitungsartikel im Anhang hingewiesen.

Nikolaushaus SafuraP1080785Im Zuge des neuen politischen Windes im Land bekamen wir einen Tag vor Heilig Abend Besuch von einem Beamten aus Bukoba, in seinem Gefolge die lokale Fernsehstation, die den Besuch später im Fernsehen zeigte. Werbewirksam bekamen wir die üblichen Geschenke, die man als Kinderheim in Tansania bekommt: Eine Ziege, einen Sack Zucker und einen Sack Reis. Als ich gefragt wurde, was wir noch bräuchten, erwähnte ich die Lizenz. Vor laufender Kamera versprach der Beamte, dass wir sie noch vor dem 1.1.2016 bekommen würden. Es wurde der 6.1. daraus, aber nach fünf Jahren Wartezeit fällt die eine Woche nicht ins Gewicht…   

Insgesamt hat sich das Land Tansania in den letzten Jahren sehr entwickelt. Inzwischen haben sehr viele Leute Stromanschluss. Es gibt viele geteerte Straßen, was Reisen, Transport und Handel erleichtert. Es gibt Internet, Handys und Smartphones für Guthaben-Tarife von 25 Cent, was sich die Leute leisten können und was Kommunikation und Handel im Land wesentlich verbessert. Doch im Gesundheitswesen und dem Bildungssektor mangelt es immer noch sehr an Qualität. Menschen sterben weiterhin an behandelbaren Krankheiten, weil nicht diagnostiziert und entsprechend nicht richtig behandelt wird. Die staatliche Schulbildung ist kostenlos aber auch wertlos, wenn 70-100 Kinder in einer Klasse sitzen, die Lehrerin den Unterrichtsstoff der Stunde an die Tafel schreibt und den Rest der Stunde einen Tee im Lehrerzimmer trinkt. Sogar Lehrer, inkl. Schulleiter, die selbst an staatlichen Schulen unterrichten, investieren ihr Gehalt dafür, ihre eigenen Kinder auf teure Privatschulen zu schicken. Niemand scheint zu merken, wie paradox das ist. Dieser Kultur ist es fremd, zu protestieren und zu demonstrieren. Die Leute scheinen sich nicht bewusst zu sein, dass sie Rechte haben, dass sie selbst Dinge ändern können und dass man Autoritäten hinterfragen kann.

Letztes Jahr haben sich verschiedene Organisationen rund um den Victoriasee, die sich für Menschen mit Behinderungen engagieren, zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Das „Tanzania Disability Rehabilitation Consortium” (TDRC) hat das Ziel, dass die Organisationen besser zusammenarbeiten und gemeinsam die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Tansania zu stärken. Das Nikolaushaus ist Gründungsmitglied dieses neuen Netzwerks, das sich hoffentlich auf das ganze Land ausweiten wird!

Waisenkinder in AfrikaFür unsere Älteste Maria (19 Jahre) suche ich nun aktiv nach einer passenden Folgeeinrichtung für erwachsene Menschen mit Behinderungen. In diesem Zuge war ich in Rulenge, einem Ort 6 Stunden Fahrzeit von uns entfernt direkt an der burundischen und ruandischen Grenze gelegen. Die Schwestern der Mutter Teresa haben dort ein Heim für Säuglinge und für alte Leute. Sie versorgen auch drei Frauen mit Behinderungen, doch leider haben sie die Aufnahme unserer Maria abgelehnt. So geht meine Suche weiter. Während meines Besuches dort bekamen die Schwestern einen Anruf. Vier ihrer Mitschwestern sind am Freitag, den 4.3. im Jemen von Terroristen der IS erschossen worden. Es starben noch elf weitere Menschen, die in der Einrichtung der Schwestern waren.

Mitte Januar zogen die Franziskanerschwestern, die im Nikolaushaus arbeiten, in ihr neues Haus. Es arbeiten nun zwei Schwestern bei uns im Haus als Betreuerinnen, zwei Schwestern kochen, eine Schwester ist Lehrerin an einer benachbarten Grundschule und die sechste Schwester ist Kindergärtnerin in dem neuen Kindergarten in unserer Gemeinde.
     
21.1.2016 Schulkinder 2016 St. NicholausIn diesem Rundbrief habe viel von der Entwicklung des Landes, aber kaum von der unserer Kinder gesprochen. Seit Januar gehen 18 von 27 Kindern in externe Kindergärten und Schulen, 7 Kinder besuchen unseren hausinternen Förderkindergarten und die beiden Kleinsten üben sich im Laufen und Sprechen. So ist es vormittags angenehm ruhig im Haus. Nachmittags und abends sitzen die Kinder dann an ihren Hausaufgaben oder toben und schreien sich vom vielen Stillsitzen in der Schule aus. Am Wochenende finden Aktivitäten wie Messdienertreffen, Chorprobe und franziskanische Kinder- und Jugendgruppe in der Kirche statt oder unsere Großen machen einen Pfadfinderausflug. Katholischer Kindergarten
Eine kaputte Waschmaschine würzt unseren Alltag dann noch ein bisschen nach. Sie war erst ein Jahr alt und meinte wegen Überbeanspruchung in Frührente gehen zu dürfen. Einen Reparaturdienst für Waschmaschinen gibt es nicht vor Ort, aber unser Elektriker und ein Besucher haben ihr Bestes gegeben, besonders als nach einer Woche Handwäsche meine Mitarbeiterinnen streikten. Inzwischen haben wir eine neue Waschmaschine und die alte dreht sich immerhin, auch wenn sie das Schleudern und sämtliche Waschprogramme aufgegeben hat.
In den Osterferien werden unsere fünf großen Mädchen (16, 12, 10 und 2×8 Jahre alt) einen zweiwöchigen Selbstverteidigungskurs besuchen. In dem Tempo, in dem sich unsere Großen gerade in Teenager verwandeln, ist dies ein wichtiges Thema. Mir ist es ein Anliegen, unsere Mädchen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Sie sollen lernen, laut und bestimmt „NEIN” zu sagen, wenn jemand übergriffig wird. An einem Samstag waren wir bereits zum Kennenlernen dort. Auf der 90-minütigen Rückfahrt haben die Mädchen „Hapana!” (nein) geschrien und waren begeistert. Sie freuen sich schon sehr auf den Kurs. Zumindest haben wir das Glück, dass ein solcher Kurs in unserer Umgebung angeboten wird, was nicht selbstverständlich ist. Die großen Jungen werden in dieser Zeit auf eine franziskanische Jugendwoche gehen.

Agatha mit Mwolkozi und DavidJetzt zu Ostern ist auch Agatha mit ihren beiden Kindern Mwolokozi (12) und David (1) eingezogen. Von Agatha hatte ich in früheren Rundbriefen berichtet. Agatha hat eine Halbseitenlähmung (Zerebralparese) und ihr älterer Sohn ebenfalls. Beide Kinder hat sie durch Vergewaltigungen bekommen und entsprechend haben die Kinder keine Väter. Wir kennen Agatha schon seit vier Jahren und helfen ihr, ihren Alltag als alleinerziehende Mutter zu meistern. U.a. für sie haben wir auf unserem Gelände ein Gästehaus mit drei Schlafzimmern gebaut, um behinderten Frauen in Krisensituationen helfen zu können. Agatha hat zwar im Moment keine akute Krise, aber ein Mutter-Kind Urlaub von zwei Wochen im Nikolaushaus tut der kleinen Familie gut.

Im Juni werde ich mit meinen beiden Töchtern wieder nach Deutschland (Essen) kommen. Falls Sie Interesse daran haben, dass ich in Wort und Bild in Kirchengemeinden oder Schulen vom Nikolaushaus erzähle, dann kontaktieren Sie mich bitte frühzeitig über diese E-Mail-Adresse.

Ihnen allen wünschen wir ein frohes Osterfest,
Stefanie Köster und die Kinder und Mitarbeiterinnen des Nikolaushausesimagje1

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemondo
Top