Nikolaushaus Ostern 2017

Ostern 2017

Der Herr ist vom Tod auferstanden, wie er gesagt hat. Freut euch und frohlockt, denn er herrscht in Ewigkeit. Halleluja.

Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses,
Herzliche Ostergrüße aus dem Nikolaushaus!
Zwischen dem letzten Rundbrief zu Weihnachten und diesem Osterbrief liegen 140 Tage, die, wie könnte es anders sein, wenn so viele Menschen zusammenleben, gefüllt sind mit viel Alltag und Schule, der Ankunft neuer Kinder und Mitarbeiterinnen, Besuchern, Feiern, Sonne und Regen, Stromausfällen und einigem mehr.

EröffnungsfeierZwischen Weihnachten und Neujahr hatten wir die offizielle Eröffnungsfeier unser Franziskusgemeinde in Kemondo. Der Bischof hatte uns schon vor einem Jahr zu einer eigenständigen Gemeinde ernannt, aber wir mussten noch einige Auflagen erfüllen, bis wir dies auch feiern durften. Die Feier war afrikanisch groß und bunt mit vielen, vielen Leuten, die sangen und tanzten.

Direkt Anfang Januar sind wir dann mit elf Kindern und sieben Erwachsenen nach Kigoma an den Tanganyikasee gefahren. Wir waren jeden Tag schwimmen, die Zebras kamen bis zu unserem Gästehaus und um auch für die Bildung der Kinder zu sorgen, waren wir im Museum! Ferien
Zebras
Für die Kinder (und auch für die Erwachsenen) waren es wunderschöne, entspannte und erholsame Ferien. Es war schön zu sehen, wie glücklich und unbeschwert die Kinder waren, bevor es dann am 9. Januar mit dem neuen Schuljahr losging.
In Tansania fängt das Schuljahr im Januar an und endet Anfang Dezember. Dieses Jahr besuchen 8 Kinder den Kindergarten, 3 Kinder die erste Klasse und 12 Kinder die übrigen Klassen. So bleiben nur 6 Kinder Zuhause, weil sie entweder noch zu jung sind für den Kindergarten, oder weil es in unserer Umgebung keine Schule gibt, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht wird.
Schulkinder
Schule in Tansania, SchulbildungMagdalena und Joseph sind ins Internat umgezogen. Die Schule besteht darauf, dass alle Kinder in der Abschlussklasse ins Internat gehen, damit die Kinder von morgens 5 Uhr bis 22 Uhr für ihre Abschlussprüfungen lernen können. Hadija ist ebenfalls ins Internat gegangen – sie hat die erste Klasse einer Förderschule für blinde Kinder begonnen. Die ersten Wochen waren für die Kinder sehr schwer und auch wir vermissen die Drei sehr. Desto größer dann die Freude, dass die Kinder nun in den Osterferien bei uns Zuhause sind.
Seit Januar nehmen nun acht Kinder aus dem Nikolaushaus am Kommunionunterricht teil. Bisher bedeutete dies, dass wir ein ganzes Jahr lang fünfmal pro Woche die Kinder zum Unterricht zur Kirche fahren mussten. Doch wir lernen aus Erfahrung! Dieses Jahr habe ich den Pastor und die Katechetin gebeten, doch den Kommunionunterricht auf dem Gelände des Nikolaushauses zu halten. Das erspart uns viel Zeit und Fahrerei und kommt auch den Kindern aus der Nachbarschaft zugute, die sonst täglich 3 km zur Kirche laufen müssten. Die Kommunionfeier wird im November sein.
neues Kind
 
Im Dezember ist Flavia zu uns gekommen. Sie ist fünf Jahre alt und kommt aus schwierigen Familienverhältnissen. Gemeinsam mit Kalokola geht sie nun in die Vorschulklasse. Da sie uns bereits öfter besucht hatte im Nikolaushaus, fiel ihr das Eingewöhnen nicht schwer.

Unser jüngster Zuwachs ist die kleine Editha. Sie ist 6 Jahre alt. Sie hat einen Mikrocephalus (zu kleinen Kopf), Epilepsie, Zerebralparese und eine geistige Behinderung. 2012 brachten ihre Eltern sie zum ersten Mal zu unserer ambulanten „Outpatient Clinic“ am Samstag. Die Familie lebt in jüngster Zuwachs im Nikolaushausunserer Nachbarschaft. 2013 beging der Vater Selbstmord. Seitdem ist die Mutter alleinerziehend mit vier Kindern. Irgendwann kam die Mutter nicht mehr mit Editha zu uns, sondern schickte die zwei Jahre ältere Schwester. In den vergangenen 5 Jahren musste ich beobachten, dass unsere externe Unterstützung nicht mehr ausreichte. Die Mutter hatte Editha regelrecht aufgegeben und reagierte nicht auf unsere Appelle. So haben wir Editha nun im Februar bei uns aufgenommen. Sie wog nur noch 7 kg! In den ersten beiden Nächten weinte sie mehrere Stunden, was uns sehr erstaunt hat. Zeigt es doch, dass sie viel mehr von ihrer Umgebung mitbekommt, als wir angenommen hatten.

Inzwischen fühlt sich Editha sehr wohl bei uns. Mit offenen Augen und Ohren beobachtet sie alles, was um sie herum geschieht und bei jeder Ansprache lacht sie uns an und quietscht vor Freude. Sie hat bereits 2 kg zugenommen und trotz ihrer schweren Behinderung hat sie eine robuste Gesundheit. Es ist so schön zu sehen, wie sich aus einem kleinen Bündel, das wir bekommen, ein lachendes Kind entwickelt. Sie ist der 29. Sonnenschein in unserem Haus!

 Außer zwei neuen Kindern haben wir auch drei neue Mitarbeiterinnen bekommen. Zwischen Juli 2016 und Ostern 2017 durften wir sieben Praktikantinnen und 18 Besucher aus Deutschland, der Schweiz und den USA in unserem Haus willkommen heißen. Das bringt viel Freude und Trubel mit sich, doch der Alltag geht trotz allem weiter.

Wir hatten dieses Jahr eine besondere Fastenzeit: Tanesco, die tansanische Stromgesellschaft bescherte uns etliche Stromausfälle. Einmal von fünf Tagen, später noch mal von neun Tagen in Folge. Das Leben geht in Tansania auch ohne Strom weiter, aber es hemmt schon viele Bereiche des (Arbeits-)Lebens. In der westlichen Welt wäre der Notstand ausgerufen worden! Stromausfälle von jeweils ein bis zwei Tagen sind wir gewöhnt und sind daher nicht weiter erwähnenswert. Positiv gesehen kann man auch sagen, dass Tansania mit dem Stromsparen ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz setzt. Bei uns wird nicht nur für eine Stunde medienwirksam das Licht ausgeschaltet! Doch haben wir seit Kurzem Solarlicht im Nikolaushaus, damit wir uns morgens und abends nicht im Schein einer Handytaschenlampe durchs Haus tasten müssen. Auch haben wir einen Generator, der die Waschmaschine antreiben kann. Boniface, unser Jüngster (2 Jahre) hat gelernt „Generator“ zu sagen!  Gleichzeitig mit den Stromausfällen kam noch der Segen einer kräftigen Regenzeit, für die wir sehr dankbar sind, dafür aber auch ein Haus voller erkälteter Kinder und Mitarbeiterinnen. Doch früher oder später scheint in Tansania wieder die Sonne, der Strom kommt wieder und die Rotznasen trocknen. In diesem Sinne freuen wir uns jetzt auch auf die Osterferien und das Osterfest!

In der Woche vor Ostern sind wir mit den großen Kindern, zwei Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen nach Musoma gefahren, um Maria und Steven zu besuchen, die dort seit August leben. Es war schön, die beiden wieder zusehen. Auf dem Rückweg gab es noch einen Höhepunkt für die Kinder: Wir sind einen Tag durch die Serengeti gefahren und durften Tansanias reiche Tierwelt einmal mit eigenen Augen sehen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet nur einen Dollar pro Kind und doch waren wir noch nie da, weil die Fahrt dorthin so lang ist. Maria und Steven

TansaniaTansania ist ein sehr großes weites Land. Wir waren insgesamt fünf Tage unterwegs.
Doch bevor ich den Brief schließe, noch eine für mich persönlich und für viele Menschen in Kemondo und im Bistum Bukoba sehr traurige Nachricht: Die San Damiano Mission in Kemondo, die Schwester Anne und ich 1999 gegründet und aufgebaut haben, wird nun Mitte Mai nach 18 Jahren geschlossen werden. SchwesternSchwester Anne wird in die USA zurückkehren, ihre drei indischen Mitschwestern nach Indien. Das Haus der Schwestern wird dem Bistum Bukoba übergeben werden. Ob jemand und falls ja, wer die Arbeit der Schwestern weiterführen wird, ist noch nicht klar. Der Abschied steht in wenigen Wochen an. Viele Menschen sind traurig und betroffen.

Vom 27.5. bis zum 4.7. werde ich mit meinen beiden Töchtern wieder nach Deutschland (Essen) kommen. Falls Sie Interesse daran haben, dass ich in Wort und Bild in Kirchengemeinden, Schulen oder anderen Gruppen vom Nikolaushaus erzähle, dann kontaktieren Sie mich bitte frühzeitig über diese E-Mail-Adresse.

Ihnen allen wünschen wir ein frohes Fest der Auferstehung,
Stefanie Köster und die Kinder und Mitarbeiterinnen des Nikolaushauses

P.S.:
Bitte schicken Sie uns keine Pakete mehr zum Nikolaushaus! Es ist lieb gemeint, doch haben sich die tansanischen Gesetze verschärft. JEDES Paket wird vom Zollamt geöffnet. Wir zahlen 50 % des auf dem Paket angegebenen Warenwertes. Dazu müssen wir dreimal zur Post, dreimal zum Zollamt und einmal zur Bank, um die Zahlung zu tätigen, bevor uns das Paket schließlich ausgehändigt wird. Das ist ein zeitlicher Arbeitsaufwand von mindestens zwei Stunden und kostet uns leider auch noch viel Geld.
Bpost nach Afrika versendenLebensmittel, Medikamente und Kosmetika bedürfen einer gesonderten Genehmigung, die nur schwer erhältlich ist. Bitte diese Produkte niemals schicken. Aus diesen Erfahrungen heraus bitten wir Sie, uns keine Pakete mehr zu schicken.

Nur gefütterte Briefumschläge, in die man ein paar Kleinigkeiten legen kann und bei Warenwert „0 Euro / Donation” angibt, kommen noch problemlos bei uns an (s. Foto). Vielen Dank für Ihr Verständnis!

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemondo
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