4 Jahre Nikolaushaus 2015

Die Kinder vom Nikolaushaus

Wir sind das Nikolaushaus

Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat. Mk 9,37

Mwolokozi

Mwolokozi

 

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Mwolokozis Mutter

Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses!
Und wieder ist ein Jahr vergangen – das Vierte, seit wir mit 10 Kindern ins Nikolaushaus gezogen sind. Unsere Familie wächst stetig. Seit unserem Einzug damals haben wir 16 weitere Kinder bekommen. Wir haben diesen Tag am Samstag mit einem Dankgottesdienst im Nikolaushaus gefeiert.
Am 11.9. haben wir unser 26. Kind bekommen! Mwolokozi ist 2 Jahre alt. Er ist der kleine Bruder von Mwesiga (6) und Kalokola (4), die bereits seit anderthalb Jahren bei uns wohnen. Damals war die Mutter noch nicht bereit, den kleinen Mwolokozi abzugeben. Der Vater der drei Jungen starb 2013, die Mutter ist geistig behindert. Inzwischen ist die Mutter die dritte Ehefrau eines muslimischen Mannes geworden und hat im Juni ihr viertes Kind bekommen, ein kleines Mädchen. Ohne Zweifel liebt die Mutter ihre Kinder, schafft es aber nicht, für sie zu sorgen. Mwolokozi wiegt mit seinen 2 Jahren nur 6 kg. Er krabbelt, steht mit Festhalten und läuft unsicher an der Hand wie ein einjähriges Kind. Wie bei vielen unserer Kinder bei ihrer Ankunft bei uns waren seine Füße und Hände voller Sandflöhe. Sein Bauch ist aufgebläht und seit Tagen scheidet er dank der Medizin, die wir ihm geben, viele, viele Würmer aus. Er hat kaum Haare, nur einen blonden Flaum. Bei afrikanischen Kindern ist das ein deutliches Zeichen von Unter- und Mangelernährung. Trotz dieses schlechten Ernährungszustandes und seiner Entwicklungsverzögerung sind wir uns sicher, dass er sich in wenigen Monaten zu einem gesunden und fröhlichem Kind entwickeln wird. Er nimmt es sehr gelassen hin, plötzlich eine so große Familie zu haben! Am liebsten sitzt er am Esstisch vor einer vollen Schale Essen oder wird herumgetragen.

04 Annajoyce ist wieder Zuhause im Nikolaushaus - Annajoyce is back at home at St. Nicholaus

Annajoyce ist wieder Zuhause im Nikolaushaus

Am Sonntag, den 13.9. kam unsere Annajoyce zurück. Sie war im August und September für 6 Wochen in Deutschland zur medizinischen Behandlung. Annajoyce hat eine angeborene Fehlbildung des Rückenmarks. Als Folge dieser Schädigung ist sie inkontinent und läuft nur mit Schwierigkeiten. Zwei Praktikantinnen, die 2014 bei uns waren, hatten sich für Annajoyce stark gemacht.  Sie fanden einen Spezialisten der Kinderchirugie, der sich bereit erklärte, Annajoyce kostenlos zu behandeln. Zwei Krankenhäuser stellen sich zur Verfügung, alle nötigen medizinischen Maßnahmen unentgeltlich vorzunehmen.
Die beiden Studentinnen organisierten die Aktion „Gemeinsam für Annajoyce” und sammelten damit genug Spendengelder, um das Kind mit einer Begleitperson nach Deutschland zu bringen, um für den Aufenthalt in Deutschland alle Unkosten zu decken, sowie für ihre Nachsorge alle medizinischen Hilfsmittel zu besorgen. In Deutschland betreuten die beiden Annajoyce rund um die Uhr während ihrer Semesterferien. An der Behinderung selbst konnte nichts operiert oder korrigiert werden. Annajoyce hat spezielle orthopädische Schuhe bekommen, mit denen sie besser laufen kann. Schließlich wurde sie noch an der Blase operiert und hat gelernt, sich selbst zu katheterisieren. Ohne diese Maßnahme würden bei Annajoyce später schwere Nierenschäden entstehen. Dank der Katheter und täglichen Darmspülungen ist Annajoyce jetzt kontinent. Sie muss nun lernen, diese Maßnahmen selbstständig durchzuführen und sie in ihren Alltag bei uns im Haus und in der Schule zu integrieren. Das sind große Anforderungen an ein neunjähriges Kind, doch Annajoyce gibt sich große Mühe. Sie ist mit Freude und mit viel mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu uns zurückgekehrt.

Dank des neuen Brunnens, den wir im März gebohrt hatten, haben wir die lange Trockenzeit im Juli und August gut überstanden. Wir waren niemals ohne Wasser und selbst unsere Nachbarn konnten von unseren Vorräten nehmen.

Francisan Sisters House St. Nicholaus Kemondo 17.8.2015 Front View

Francisan Sisters House St. Nicholaus Front View

Das Haus für die Schwestern, die im Nikolaushaus arbeiten, ist fast fertig. Die Schwestern können nun in ihr eigenes Haus einziehen. Als neues Bauprojekt haben wir in diesem Monat mit dem Bau von drei einfachen Zimmern begonnen, wo wir behinderte Frauen in Notsituationen kurzfristig und vorübergehend aufnehmen können. Vor einem Jahr hatte ich von dem Schicksal einer behinderten Frau berichtet, die von einem Nachbarn vergewaltigt und geschwängert wurde. Während ihrer Schwangerschaft hatten wir die Frau sehr unterstützt und nach der Geburt des Kindes auch vorübergehend im Nikolaushaus aufgenommen, bis sich ihre Situation geklärt hatte. Mit 26 Kindern, Mitarbeiterinnen, Praktikantinnen und Gästen haben wir aber inzwischen chronischen Platzmangel im Nikolaushaus.

Die drei zusätzlichen Schlafzimmer auf unserem Gelände werden es uns ermöglichen, Menschen mit Behinderungen in Notsituationen zu helfen, bis eine neue Lösung gefunden ist

 Im August haben uns leider zwei liebe Praktikantinnen verlassen. Dafür sind zwei neue Freiwillige gekommen. Katharina und Philipp gewöhnen sich noch bei uns ein. Es gilt viel Neues zu lernen – all die Namen der Kinder und Mitarbeiterinnen, die Sprache, die Kultur, unser Tagesablauf…

Am 25.10. werden in Tansania Wahlen stattfinden. Die intensive Phase der Wahlkampagnen ist jetzt angelaufen. Überall sind Fahnen und Plakate der Regierungspartei und der Oppositionsparteien. Seit der Unabhängigkeit war bisher immer die gleiche Partei an der Regierung. Nun haben sich die Oppositionsparteien zusammengeschlossen und einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten gestellt. Es ist in Tansania vorgeschrieben, dass immer im Wechsel ein muslimischer Präsident und ein christlicher Vizepräsident von einem christlichen Präsidenten und einem muslimischen Vizepräsidenten abgelöst werden. Ziel davon ist, den religiös-politischen Frieden im Land zu erhalten und bisher hat das funktioniert. Der muslimische Präsident Kikwete wird daher auf jeden Fall von einem christlichen Präsidenten abgelöst werden. Es bleibt spannend zu sehen, wie die Wahlen ausgehen werden. An Tagen, wo der amtierende Präsident, der Altpräsident und die beiden neuen Kandidaten durchs Land fahren, sollte man jedoch lieber Zuhause bleiben, wenn man Ruhe schätzt. Zu Ausschreitungen ist es bisher noch nicht gekommen. Hoffentlich bleibt es so friedlich.
 
So viel zu den „Habari za St. Nikolausi” (den Neuigkeiten aus dem Nikolaushaus) seit meinem letzten Rundbrief zu Ostern und meinem Heimatbesuch im Juni.
Diejenigen von Ihnen, die Facebook benutzen, seien bitte darauf hingewiesen, dass auch das Nikolaushaus auf Facebook zu finden ist unter https://www.facebook.com/NikolaushausAfrika oder „Nikolaushaus” in die Suche eingeben.

Vielen Dank für Ihre treue Unterstützung des Nikolaushauses. Ohne Sie könnten wir den Kindern nicht helfen!
Viele Grüße von uns allen,
Stefanie Köster mit allen Kindern und Mitarbeiterinnen

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemondo
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