Viona Faßbender

„Wasungu“
„Wasungu“ (Weiße) hören Marie, meine Mitfreiwillige, und ich regelmäßig, wenn wir in der Stadt unterwegs sind. Aber fangen wir doch mal von vorne an. Wie ihr wisst bin ich am 08.08.2017 zusammen mit Marie vom Köln-Bonner Flughafen Richtung Tansania geflogen. Wir sind zunächst in Istanbul gelandet und haben dort 5 Stunden auf unseren Anschlussflug gewartet. In Istanbul haben wir eine weitere MaZlerin, Iris getroffen, mit der wir weiter nach Tansania geflogen sind. Nach 7 Stunden Flug sind wir morgens um halb 3 endlich in Dar es Salaam gelandet. Vom Flughafen haben wir ein Taxi genommen, das uns zu dem Missionshaus der Salvatorianern, Iris Entsendeorganisation, gebracht hat. Die Pater dort sind sehr nett und haben uns freundlich aufgenommen. Nachdem wir uns ein paar Stunden ausruhen konnten, etwas zu Essen bekommen haben und wir unser Geld gewechselt haben, hat uns einer der Pater zum Bus gebracht, mit dem wir nach Morogoro gefahren sind. In Morogoro angekommen ging unser erstes Abenteuer los.

Zertifikat Sprachschule

Dort waren wir für vier Wochen in einer Sprachschule, um Kiswahili zu lernen. Wir hatten zu dritt, Iris, Marie und ich insgesamt vier Lehrer. Vormittags hatten wir in einem Klassenraum zusammen Unterricht, den ein Lehrer geleitet hat. Am Nachmittag hatten wir dann Einzelunterricht, wo wir das gelernte wiederholt und angewendet haben. Wir hatten 5 Tage die Woche à 5 Stunden Unterricht. Wenn wir keinen Unterricht hatten haben wir uns mit den anderen Sprachschülern unterhalten oder Karten gespielt. Dadurch, dass wir auf dem Gelände der Sprachschule mit den anderen Sprachschülern zusammen gewohnt haben, hat man viele nette Leute aus der ganzen Welt kennengelernt, was auch oft zu interessanten Gesprächen führte. Jeden Samstag hat die Sprachschule einen Ausflug organisiert. An unserem ersten Samstag sind wir wandern gegangen, was in der Mittagshitze echt anstrengend war. Eine Woche später haben wir eine Safari gemacht. Wir sind zunächst mit einem Dala Dala (das sind die Busse hier) zwei Stunden zu dem Mikumi National Park gefahren, wo wir dann mit einem Geländewagen und einem Guide durch den Park gefahren sind. Das war wirklich eine schöne Erfahrung! All die Tiere, die man sonst nur aus dem Zoo kennt, in freier Wildnis zu sehen. Mich haben die Tiere echt beeindruckt, vor allem die Elefanten, die nur zwei Meter neben unserem Auto standen. Wir haben so gut wie jedes Tier gesehen, Elefanten, Zebras, Giraffen, Affen, jede menge Antilopen, Krokodile, Nilpferde, Wasserbüffel und sogar einen Löwen. Die Safari war eine Erfahrung, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Nach zwei Wochen Sprachschule haben wir auch mehr Kontakt zu unseren Lehrern bekommen und konnten so viel über die Kultur erfahren. Drei unserer Lehrer sind Masai, eine Völkergruppe hier in Tansania. Am dritten Wochenende hatte die Familie eines Masai Lehrers eine Zeremonie, bei der wir eingeladen waren. Also machten wir uns in einem Bus voll mit Sprachschülern und Lehrern auf, in das Dorf des Lehrers. Dieses Dorf befindet sich mitten im Busch und weit und breit ist nur die Wildnis. Die Zeremonie war sehr interessant für uns alle und eine ganz neue Erfahrung. Die Männer und Frauen haben an unterschiedlichen Orten, getrennt von einander getanzt und gesungen. Alle waren total freundlich und es war überhaupt kein Problem, dass wir dort waren. Wir wurden sogar eingeladen mit zu tanzen. Nachdem wir uns das alles angeguckt haben, haben wir ein Stück der 14ten geschlachteten Kuh vom Vortag bekommen. Zwei unsere Masai Lehrer haben dann mit ihrem Masai Messer das große Stück in viele kleine geschnitten, sodass wir davon essen konnten. Natürlich wird nichts von dem Fleisch weggeschmissen, also wurde alles gegessen, sogar das pure Fett. Ich fand die Kuh war ein bisschen zäh und für mich schwer zu kauen, aber sehr lecker. Durch die vielen Erlebnisse und Erfahrung, die wir gesammelt haben, gingen die vier Wochen sehr schnell vorbei. Dann hieß es langsam Abschied nehmen von neugewonnen Freunden, sowohl von Deutschen, als auch von Tansanen. Schließlich machten Marie und ich uns wieder auf und sind zunächst zurück nach Dar es Salaam gefahren, wo wir zwei Tage bei den Salvatorianern verbracht haben. Um ein bisschen der Großstadt zu entkommen haben wir einen Tag am Kipepeo Beach in Dar es Salaam verbracht. Der Kipepeo Beach ist wunderschön und der beliebtestes Strand in Dar es Salaam. Der Tag war sehr schön, wir konnten ein bisschen entspannen und haben die Ruhe genossen. Am nächsten Morgen, den 09.09.2017, haben wir uns dann auf unsere nächstes Reise begeben und sind nach Bukoba geflogen. Dort wurden wir von der Leiterin des Kinderheims, Stefanie Köster, abgeholt und sind zusammen nach Kemondo gefahren.

In Kemondo ist das Nikolaushaus, was für 30 Kinder und schließlich auch für uns für ein Jahr ein zu Hause bietet. Dort wurden wir von den Kindern sehr herzlich begrüßt und ich habe mich direkt wohlgefühlt. Ein Tag im Nikolaushaus ist sehr aufregend. In der Schulzeit beginnt der Tag um 5:45 Uhr mit der Zubereitung des Frühstücks. Dabei muss man min. 40 Toast mit Erdnussbutter und Marmelade schmieren. Wenn alle gegessen und sich fertig gemacht haben geht es auf zur Schule. Da hier auch Kinder leben, die nicht zur Schule gehen, weil sie eine Behinderung haben gibt es auf dem Gelände eine Outpatient Clinic. Dort verbringen die Kinder, die nicht zur Schule gehen ihren Vormittag. Neben Bewegungstraining wird gesungen, getanzt und gespielt. Um 12 Uhr gibt es dann Mittagessen. Zu der Zeit kommen auch die kleineren Kinder aus der Schule wieder. Beim Mittagessen sowie beim Abendessen helfen wir dabei, ein paar der Kinder zu füttern. Um zwei Uhr geht es dann weiter in der Outpatient Clinic, wo die Schulkinder ihre Hausaufgaben erledigen müssen. So gegen drei Uhr trudeln dann langsam die älteren Schulkinder ein.

Am Nachmittag spielen wir mit den Kindern auf dem Spielplatz, hier auf dem Gelände oder malen mit ihnen. Jeden Tag um 17 Uhr müssen sich die Kinder duschen. Dabei helfen wir den behinderten Kindern, da sie das alleine nicht können. Um 18 Uhr gibt es dann Abendessen für die Kleinen und anschließend wird gebetet. Nach dem beten, was immer sehr schön ist, bringen wir die Kleinen ins Bett. Anschließend essen wir mit den größeren und den Mamas (den Mitarbeiterinnen) zusammen zu Abend. Danach spielen wir noch oft Karten oder andere Spiele. Nach zwei Tagen hier im Haus stand direkt eine große Geburtstagsfeier an. Da 30 Geburtstage im Jahr zu feiern ein bisschen viel ist, werde die Geburtstage „gesammelt“, sodass wir am vergangenen Sonntag 7 Geburtstage gefeiert haben. Das war ein sehr schönes Erlebnis. Jeder hat einen eigenen Kuchen bekommen, die Marie und ich zuvor verziert haben. Natürlich dürfen auch Genschenke nicht fehlen. Jeder hat eine Kleinigkeit bekommen, wie Spielzeugautos, Musikboxen oder Anziehsachen. Nach einer Woche hier im Haus habe ich mich schon gut eingelebt und der Alltag klappt auch gut. Die Beziehung zu den Kindern wird immer vertrauter und ich kann mir mittlerweile sogar alle Namen merken. Durch den Sprachkurs kommen wir auch mit der Sprache ganz gut zurecht. Natürlich können wir noch nicht fließend Kiswahili sprechen, aber die grobe Verständigung klappt. Ich bin sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten den Sprachkurs zu machen, denn wir haben in den vier Wochen echt eine Menge gelernt! Nun habt ihr einen ersten Eindruck bekommen, was ich bisher hier in Tansania schon alles erlebt habe. Über Rückmeldungen oder Fragen freue ich mich sehr und versuche alles so zeitnah wie möglich zu beantworten.
Ich danke allen, die mich in jeglicher Art und Weise unterstützen, die an mich denken und für mich beten!
Kwa heri, Viona


Karibu sana

Hallo ihr Lieben, jetzt bin ich schon seit über drei Monaten in Tansania und lebe seit zwei Monaten hier im Nikolaushaus. In der Zeit, seit meiner letzte Rundmail ist natürlich viel passiert.

Nachdem wir uns erst einmal richtig eingelebt und die Kinder immer besser kennengelernt haben, bekamen wir noch zwei weiter Aufgaben dazu. Eine Aufgabe ist, mit den kleineren Schulkindern Hausaufgaben zu machen und ihnen dabei zu helfen. Mathe und Englisch Hausaufgaben sind für mich überhaupt kein Problem, 17 + 3 zu rechnen bekomme noch hin, aber wenn die Kinder Kisuaheli (die Landessprache hier) Hausaufgaben aufhaben komme ich manchmal an meine Grenzen. Dann finde ich es besonders schön wenn einer der älteren Kinder gerade in der Nähe ist und mir und dem Hausaufgaben Kind hilft.

Die zweite Aufgabe die neu dazu kam ist die deutsche Fernschule. Die deutsche Fernschule ist ein Programm der deutschen Bundesregierung und bietet Kinder, die im Ausland leben die Möglichkeit, trotzdem die deutsche Schulbildung zu genießen und somit auch besser deutsch zu leeren. Das Programm bietet alle Fächer an, aber wir machen nur das Fach Deutsch. Ich als Lernhilfe mache 5 mal die Woche mit Anita (eine der beiden Adoptivtöchter von Stefanie Köster) Fernschule. Marie macht mit Aisha, die andere Adoptivtochter. Da alles vorgegeben ist, muss ich mich vorher nicht großartig auf die Stunde vorbereiten und es ist einfach die Lektion des Tages mit Anita durch zu arbeiten. Die Fernschule macht mir echt viel Spaß und ich freue mich, mein Wissen weiter geben zu können.

Am Wochenende, wenn alle Kinder den ganzen Tag zuhause sind, wird einem nicht so schnell Langweilig. Damit es aber auch für die Kinder nicht langweilig wird machen wir Sonntags Nachmittags oft Ausflüge. Zu nächst geht es Sonntags morgens aber erst einmal in die Kirche. Dazu werden die feinsten Klamotten aus dem Schrank geholt und es wird sich schick gemacht. Marie und ich haben uns vergangenen Monat auch unser erstes Kirchenkleid schneidern lassen. Nach der ersten Messe Sonntags soll um halb 9 die Kindermesse anfangen, zu der wir immer gehen. Meistens, nein eigentlich immer ist die erste Messe noch nicht vorbei, wenn wir mit unsere 30 Kindern an der Kirche ankommen. So warten wir vor der Kirche zwischen einer halben Stunde und Zwei Stunden, bis unsere Messe endlich anfängt. Die Dauer der Messe ist auch sehr unterschiedlich und hängt meistens vom Priester ab, der die Messe hält. So kann es sein, dass die Messe schon nach ein einhalb Stunden zu Ende ist, oder eben auch manchmal erst nach 3 Stunden. Daran gewöhnt man sich aber auch sehr schnell. Die Sonntagnachmittage haben wir schon auf die verschiedensten Arten verbracht. Zwei mal waren wir mit den Kindern im Viktoria See schwimmen. Da wir nicht mit allen gleichzeitig schwimmen gehen können, sind wir an einem Sonntag erst mit allen großen Kindern schwimmen gegangenen und danach die Woche mit den kleinen Kindern. Ein anderes mal sind wir spazieren gegangen, auf einem nahgelegenen Berg, von dem aus man eine tolle Aussicht auf den Viktoria See hat.

An einem Sonntag sind wir Pilgern gefahren. Es hat in strömen geregnet, als wir morgens mit den großen Kindern zu einer Pilgerstätte, 50 km von hier entfernt gefahren sind. Einmal im Jahr findet dort eine Messe statt an der wir teil nehmen wollten. Als wir angekommen sind hat es zum Glück aufgehört zu regnen, aber die Wege waren trotzdem voller Matsch. Auf dem Weg zur Pilgerstätte und zum der Messe ist man an vielen Ständen langgegangen, die Rosenkränze und anders verkauft haben. Man kam sich vor, als sei man auf einem riesigen Jahrmarkt. Das Gefühl nahm dann ein wenig ab, als wir auf dem Platz ankamen auf dem die Messe gefeiert werden sollte. Wie pünktlich die Messen hier anfangen habe ich ja schon erwähnt. Die Messe war für 10 Uhr angesetzt, doch um 10 Uhr fingen alle gemeinsam erst einmal an den Rosenkranz zu beten, anschließend wurde jede noch so kleine Gemeinde vorgestellt und begrüßt. Die Kinder fragten uns ständig wie lange wir denn noch hier bleiben und ob wir nicht wieder zurück fahren können. Als es gegen 12 Uhr wieder anfing zu regnen und die Messe immer noch nicht begonnen hat haben wir beschlossen wieder  zurück zu fahren. Auch wenn wir den Messe nicht erlebt haben fand ich es einen sehr interessanten Tag.

Am 31.10. ist ja bekannter weise Halloween. Auch wenn ich es zu Hause nie gefeiert habe haben Marie und ich eine kleine Halloween Feier organisiert. Am Samstag Abend haben wir eine kleine Erlebnis Nachtwanderung mit den kleineren Kindern gemacht. Dabei musste sie einmal ums Haus laufen und auf dem Spielplatz verschiedene Aufgaben lösen. Anschließend sind wir von Tür zu Tür gegangen und alle haben ein Bonbon gekommen, was hier übrigens übersetzt „Pipi“ heißt, daran muss man sich auch erst einmal gewöhnen. Nachdem die kleinen dann im Bett waren haben wir mit den großen ein Lagerfeuer gemacht und Stockbrot gegessen. Das Lagerfeuer ist ein bisschen größer geworden, als wir uns das vorgestellt haben, aber es war wirklich sehr schön. Am Sonntag Nachmittag haben wir dann passend zu Halloween Kinderschminken gemacht. Am Ende hatten wir ganz viele Löwen, Prinzessinnen, Spiderman`s und Schmetterlinge. Natürlich mussten wir auch angemalt werden, darauf haben die Kinder bestanden. Also wurde ich auch angemalt von den Kindern und war am Ende auch ein kleiner Löwe.

Am 11.11. fängt normalerweise für mich die 5te Jahreszeit an und ich feiere Karneval. Dieses Jahr war das ein bisschen anders. Hier haben wir am 11.11. Mtakatifu Martin gefeiert. Nachmittags haben wir mit den Kindern Laternen aus Klopapier Rollen gebastelt. Als es anfing dunkel zu werden haben wir uns alle draußen versammelt und ein paar der Kinder habe die Martinsgeschichte nachgespielt, die wir Vormittags einstudiert haben. Anschließend haben wir einen kleinen St. Martins Umzug übers Gelände gemacht, wo die Keiner ihre gebastelten Laternen mitgenommen haben. Der Umzug endete schließlich beim St. Martins Feuer, wo es traditionelle Martins Brezeln gab, die die Kinder unter sich teilen mussten, damit sie selber, wie St. Martin handeln.

Vergangen Woche sind Marie und ich nach Kigoma gefahren. Kigoma liegt am Tanganyikasee, im Westen Tansanias und ist eine 12 Stündige Busreise von Bukoba entfernt. Dort gibt es viele historiche Sachen zu sehen, aber auch eine riesen Auswahl von schönen Stoffen, die sowohl aus Tansania als auch aus der anliegenden Demokratischen Republik Kongo stammen. Marie und ich konnten uns das natürlich nicht entgehen lassen und haben uns mit Stoffen eingedeckt, um uns daraus Kleider, Röcke und anders nähen zu lassen.

Natürlich haben wir uns auch die historische Seite Kigomas nicht entgehen lassen. Zunächst haben wir uns die Bahnstation angeschaut, von wo aus früher die Slave Trains in andere Städte Tansanias gefahren sind. Anschließend haben wir das Schiff Liemba besichtigt, dass 1913 als Dampfschiff in Deutschland gebaut wurde. Es ist ein kombiniertes Passagier- und Frachtschiff und hat platz für 600 Passagiere der ersten, zweiten und dritten Klasse. die Führung, die wir bekommen haben war sehr interessant und wir durften uns alles ansehe, sogar die Maschinen. Zum Schluss waren wir noch in einem Museum, das Dr. Livingstone Museum. David Livingstone war der erste britische Missionar und wurde, nachdem er als vermisst erklärt wurde in Ujiji, Kigoma unter einem Mangobaum wiedergefunden. Er hat viele Jahre seines Lebens in Afrika verbracht und  dort geforscht. Uns, als Missionare auf Zeit, hat das Museum sehr interessiert und gefallen.

Auch wenn mir der kurze Ausflug nach Kigoma sehr gut gefallen hat war ich doch auch froh, wieder nach Hause zu kommen, wo die Kinder uns schon entgegengelaufen kamen und sich genau so sehr wie ich mich gefreut haben, dass wir wieder da sind. Am vergangenen Sonntag hatten wir Kinderkommunion, wo 8 von unseren Kinder mitgegangen sind. Die Vorbereitung ist hier, anders als in Deutschland ein Jahr lang, fünf mal die Woche ca. 3 Stunden. Dabei lernen die Kinder unter anderem, wie man sämtliche Gebete der Kirche richtig betet und müssen diese natürlich auch auswendig lernen. Die Messe ging zwar 3 ein halb Stunden, was gar nicht so schlecht war, da es draußen in strömen regnete, aber war sehr sehr schön. Die 130 Kinder mussten zunächst ihre Gaben nach vorne bringen , die sie mitgebracht haben. So wurden Eier, Tomaten, Seife und sogar ganze Bananenstauden nach vorne zum Altar getragen. Anschließend stellten sie sich in zweier Reihen auf, links die Mädchen und rechts die Jungs, und haben ihre erste heilige Kommunion empfangen. Nach der Messe wurden erst einmal zahlreiche Fotos gemacht und anschließend gab es ein Fest für die Kinder und ihre Familien. Anfangs tanzten die Kommunionkinder und danach gab es Essen für alle. Als wir wieder zurück zu Hause waren haben wir natürlich auch noch ein bisschen gefeiert. Es gab Kuchen und die Kommunionkinder haben jeder einen Rosenkranz geschenkt bekommen.

Nun beginnt für uns die Adventszeit und nicht nur das, sondern mit der Adventszeit auch die Schulferien. Am 1.12. beginnt für die Kinder auch schon Weihnachten, da sie einen Adventskalender bekommen und jedes Kind jeden Tag ein Bonbon bekommt, das sind insgesamt 720 Bonbons. Ich bin voller Vorfreude auf die Advents- und Weihnachtszeit und bin gespannt, wie es ist Weihnachten mit 30 Kindern, bei 25 Grad zu feiern.

Über Fragen, Rückmeldungen oder Anregungen freue ich mich sehr und versuche alles zeitgerecht zu beantworten.
Ich danke allen, die mich weiterhin Unterstützen, an mich denken und für mich beten und wünsche euch allen eine gesegnete und vor allem stressfreie Adventszeit. Liebe Grüße, aus dem sonnigen Tansania, Viona


„Wann ist endlich Weihnachten?“ fragten mich die Kinder fast jeden Tag in der Adventszeit. Ich sagte dann immer das dauert noch, aber dann stellte ich fest, dass es ja so lange auch nicht mehr war. Seit meinem letzten Rundbrief ist schon wieder jede Menge passiert, was ich gerne mit euch teilen möchte.

Am 1.12.17 haben für die meisten unserer Kinder die Schulferien angefangen. Magdalena hat dieses Jahr die Primary School beendet und ihre Abschlussklasse wurde am 1.12. feierlich verabschiedet. Die Feier ähnelte einem Sommerfest, in meiner Schulzeit. Alle bekamen etwas zu essen und zu trinken und als alle satt waren begann das Programm. Jede Klasse hat einen Tanz oder ein Lied vorgetragen und anschließend haben die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse ihre Zeugnisse bekommen. Zuletzt wurden noch die besten Schüler der einzelnen Jahrgänge geehrt und haben eine Kleinigkeit von der Schule geschenkt bekommen. Ich fand diese Schulfeier wirklich sehr schön und habe mich für Magdalena gefreut, dass sie die Primary School erfolgreich abgeschlossen hat.

Da wir hier im Nikolaushaus wohnen haben wir am 6.12.17 den heiligen Nikolaus natürlich besonders groß gefeiert. Am Abend vorher mussten alle Kinder ihre Schuhe putzen und vor ihre Zimmertür stellen. In der Nacht kam dann tatsächlich der Nikolaus vorbei und hat in den Schuhen Süßigkeiten für die Kinder hinterlassen. Marie und ich haben aus Lutschern kleine Nikoläuse für die Kinder gebastelt, die sie am nächsten morgen beim Frühstück von uns bekommen haben. Die Freude war natürlich sehr groß, so viele Süßigkeiten auf einmal. Bei vielen hat es nicht lange gedauert und die Tüte war schon leer. Mittags kam dann der Priester aus unserer Gemeinde zu Besuch und hat eine wirklich schöne Messe für uns gehalten. Anschließend haben wir mit den Kinder noch Stutenkerle gebacken, die wir abends verzehrt haben. Nachmittags haben sich die Kinder alle rote Kleidchen angezogen und wir haben  viele Nikolaus Bilder gemacht. Und dann war der Tag des Mtakatifu Nicholausi auch schon wieder vorbei.
 
Dadurch dass Ferien sind, sind einige unserer Kinder zu Verwandten gefahren, um dort ein paar Nächte zu bleiben. Die großen Mädchen sind zu Schwestern hier in der Nähe gefahren und haben dort zwei Wochen verbracht. Man würde meinen, das Haus würde dadurch leerer werden, aber erstmal wurde das Haus voller, da wir neue Kinder aufgenommen haben. Zunächst kamen die Geschwister von Anna Joyce zu uns. Anna Joyce hat Spina Bifida (offenen Rücken) und lebt daher schon seit einigen Jahren hier im Haus. Ihre Geschwister sind bei ihrer Oma aufgewachsen, nachdem die Mutter verstorben ist. Leider ist kurz vor unsere Ankunft hier in Tansania die Oma der Kinder gestorben und so hat Steffi die Geschwister von Anna Joyce nun aufgenommen. Der Jüngste, Menard, ist erst acht Jahre alt und wird deshalb hier wohnen bleiben, während die beiden älteren Geschwister, Adventina und Kaijage ab dem neuen Schuljahr im Januar ins Internat gehen werden und nur in der Ferien zu uns kommen werden.

Eine Woche vor Weihnachten bekamen wir dann noch ein Kind, Rosi. Sie ist ein Findelkind und ist körperlich behindert, vermutlich ist sie auch blind. Wir schätzen, dass sie noch kein Jahr alt ist. Seit sie hier lebt geht es ihr schon deutlich besser und die Kinder sind alle total begeistert von der kleinen süßen Rosi. Anfang Januar haben wir noch drei Kinder bekommen. Die Mutter dieser Kinder ist vor ein paar Monaten gestorben und deshalb lebten sie bei ihrer Oma. Diese ist aber auch schon älter und gesundheitlich nicht besonders gut dran, sodass die drei Kinder hier bei uns im Haus eingezogen sind.

Außerdem bekamen wir ebenfalls Anfang Januar noch vier weitere Kinder. Drei davon sind Jungs im Alter von 14-15. Sie lebten bis jetzt in einem Staatlichen Heim, wo aber hauptsächlich ältere Menschen wohnen. Einer von ihnen wird ebenfalls ins Internat gehen, die anderen beiden bleiben hier im Haus wohnen. Das vierte neue Kind kam am selben Tag wie die drei Jungs. Er ist ebenfalls ein Junge, heißt Georg und ist erst 2 Jahre alt. Für den kleinen Kerl ist das Nikolaustags natürlich erstmal eine große Umstellung, aber er schlägt sich ganz tapfer und lebt sich nach und nach hier ein.

Man könnte sich vorstellen, dass der Platz bei uns langsam knapp wird, aber dadurch, dass uns 10 Kinder Anfang Januar verlassen haben, um ins Internat zu gehen und somit nur in den Ferien hier sind konnten die neuen Kinder hier einziehen.
Nun fragt ihr euch sicher, wie ich dieses Jahr Weihnachten verbracht habe. Es war definitiv ganz anders als ich es all die Jahre gewöhnt war. Zunächst war es die ganze Adventszeit schwer vorstellbar für mich, dass bald Weihnachten sein sollte. Eine Weihnachtsstimmung war die ganze Zeit über nicht vorhanden, woran das Wetter sicher auch ein bisschen dran Schuld ist, denn normalerweise ist es nicht 25 Grad an Weihnachten. Selbst am 3. Advent, als wir Plastiktannenbäume im Haus verteilten und schmückten, kam für mich noch keine Weihnachtsstimmung auf. Dann kam ganz plötzlich der 24.12. und ich musste mir eingestehen, dass wir Heilig Abend haben. Da Heilig Abend auf einen Sonntag fiel, verlief der Tag auch zunächst wie ein ganz normaler Sonntag. Gegen 17 Uhr haben wir dann alle zusammen zu Abend gegessen, normalerweise essen die Großen später als die Kleinen, aber am Heiligen Abend aßen wir alle zusammen. Als alles aufgegessen war, leider sind nicht alle satt geworden, und auch alles wieder sauber war setzten wir uns alle zusammen ins Wohnzimmer und die Kinder waren schon ganz aufgeregt. Als wir gerade anfangen wollten kamen die Schwestern, die nebenan wohnen vorbei und haben einen Kuchen gebracht. Alle Kinder freuten sich die Schwestern zu sehen und wir haben gemeinsam gebetet. Als sie wieder weg waren fing dann endlich die Bescherung an. Wir beteten nochmals und die Weihnachtsgeschichte wurde vorlesen.

Anschließend halfen Marie und ich die ganzen Geschenke reinzutragen. Mit jeder weitern Tüte, die wir reintrugen gingen die Augen weiter und weiter auf. Anschließend verteilten wir diese Geschenk, die Marie und ich in der Adventszeit rausgesucht und eingepackt haben und das große Auspacken begann. Bald war alles ausgepackt und die Geschenke lagen überall verteilt rum. Es gab auch schnell erste Tränen, da schon einzelne Sachen wegkamen. Zum Glück hat sich nachher alles wieder gefunden, sodass alle wieder glücklich waren. Besonders schön fand ich den Geschwistern von Anna Joyce ihre Geschenke zu geben, da diese das von zu Hause nicht gewöhnt waren so viele Geschenke zu bekommen und man das Leuchten in ihren Augen deutlich sah und wusste, dass sie sich ganz besonders über die vielen Sachen gefreut haben. Das leuchten würde von Geschenk zu Geschenk immer größer und man sah, dass sie es kaum glauben konnten, dass das alles für sie sein sollte.

Nach der Bescherung sind wir mit den Großen Kindern in die Christmette gegangen. Besonders schön fand ich, dass ich die Melodie von deutschen Weihnachtsliedern wiedererkannt habe.

Am ersten Weihnachtstag sind wir nach der Messe in die Stadt gefahren mit alle Mann und haben dort am Strand in einem Restaurant vom Buffet gegessen. Nach dem alle satt waren durften die Kinder am Strand noch spielen. Später haben sie noch jeder ein Eis bekommen und waren damit glücklich und zufrieden. So verbrachten wir den restlichen Tag am Strand.Am zweiten Weihnachtstag sind wir morgens natürlich wieder in die Kirche gegangen und haben dort festgestellt, dass in der Messe 23 Kinder getauft wurden. Es war auf jeden Fall interessant so eine Massentaufe einmal mitzuerleben. Nachmittags kamen die Schwestern nochmal vorbei und Seminaristen, denen wir unsere Krippenspiel vorgespielt haben, welches wir vor Weihnachten einstudiert haben. Nach dem Krippenspiel haben wir wieder einen Sammelgeburtstag gefeiert. Auch Marie hat mitgefeiert, obwohl sie erst am 11.01. Geburtstag hat, aber das ist hier nicht so schlimm seinen Geburtstag vorzufeiern. Von allen Sammelgeburtstagen, die ich hier schon miterlebt habe fand ich diesen bis jetzt am schönsten. Der Ablauf war natürlich der Gleiche, erst Kuchen dann Saft und zum Schluss Geschenke. Dieses mal jedoch, anders als bei den letzten Geburtstagen, haben alle danach noch getanzt und gesungen. Durch die Musik und das Tanzen wurde es zu einer richtig schönen Feier, die bis zum frühen Abend ging.

Insgesamt fand ich den ersten und zweiten Feiertag unglaublich schön und ich bin froh, dass ich ihn mit einer so großen und tollen Familie verbringe durfte. Eine Woche später haben wir dann Silvester gefeiert. Abends haben wir mit den Großen ein Lagerfeuer gemacht und Stockbrot gegessen. Um die Zeit bis 12 Uhr rum zu bekommen haben wir anschließend noch einen Film geschaut, bei dem jedoch viele Kinder und auch ich schon eingeschlafen sind. Als wir uns alle wieder aufraffen konnten hatten wir auch schon kurz vor Mitternacht und wir sind nach draußen gegangen. Wir haben den Countdown runter gezählt, alle haben gejubelt, wir haben Wunderkerzen angezündet und Sekt getrunken, die Kinder natürlich alkoholfreien Sekt. Anschließend gab es kein Feuerwerk sondern ein Trommelwerk. So laut habe ich die Trommeln hier bis jetzt noch nicht gehört, aber an Silvester wurde ordentlich zugeschlagen. Die Mittarbeiter und Kinder haben noch ein bisschen zu den Trommeln getanzt und gegen 1 Uhr war die „Party“ auch schon wieder vorbei. Marie und ich haben zusammen mit den Kinder in dem Art Kindergarten hier auf dem Gelände übernachtet, was für die Kinder natürlich auch nochmal was Besonderes war. An Neujahr sind wir dann alle übermüdet in die Neujahrsmesse gegangen, die glücklicherweise nicht allzu lange ging.

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr, viel Gesundheit und Glück. Ich bedanke mich nochmals bei allen, die mich unterstützen und auch in diesem Jahr weiter für mich beten. Liebe Grüße aus Tanzania, Viona

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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