Praktikumsbericht Hannah Heidemeyer

Hannah berichtet über ihre freiwillige Arbeit im Nikolaushaus

September 2014

Hallo Ihr lieben,
Zum ersten Mal sende ich euch nun herzliche Grüße aus Kemondo in Tansania. Vor knapp einem Monat kamen Lea, Kathrin und ich (zwei Mitfreiwillige für drei Monate) nach einer langen, aber gut verlaufenen Reise am Nikolaushaus an. Wir wurden herzlich aufgenommen, sodass wir uns gleich recht wohl fühlten. In den nächsten Tagen hieß es dann erst einmal die Kinder, die Mitarbeiterinnen, die Umgebung und den Alltag des Nikolaushauses kennen lernen.

Wir wohnen nun mit drei Ordensschwestern der Franziskanerinnen, drei Festangestellten, Stefanie (meine Projektleiterin & Gründerin des Nikolaushauses) und mittlerweile 22 kleinen und großen Kindern hier zusammen. Jedes der Kinder ist total einzigartig und liebenswert, und ich freue mich, dass ich nach und nach alle besser kennen lernen kann! Mittlerweile haben wir auch schon einen Dienstplan bekommen und können mithelfen. Morgens heißt es erst einmal Frühstück vorbereiten und den kleinen Kids im Bad helfen, bevor es dann raus in den Sandkasten geht. Um neun Uhr beginnt für die behinderten Kinder die Outpatient Clinic. Hier wird unter der Leitung von Mama Tito und zweimal in der Woche mit der Unterstützung von der Heilpädagogin Barbara aus der Schweiz fleißig Musik gemacht, gespielt und jedes Kind, soweit es möglich ist nach seinen individuellen
Fähigkeiten gefördert. Dies ist vergleichbar mit Physio- bzw. Ergotherapie in Deutschland. Nachmittags mache ich dann mit den Kindern von Stefanie deutschen Fernschulunterricht. Mit Aisha bearbeite ich den Stoff der ersten Klasse und mit Anita den der zweiten. Danach wird weiter gespielt, gemalt oder was sonst gerade so angesagt ist.
Um fünf Uhr wird jedes Kind geduscht. Nach dem Abendessen heißt es dann schon gegen sieben Uhr für die kleinen ab ins Bett. Bis neun Uhr bleibt dann noch genug Zeit mit den Großen zu quatschen, zu nähen oder Gesellschaftsspiele zu spielen. Einmal in der Woche haben wir die Möglichkeit bei den Sisters in Kemondo mitzuhelfen. Sie haben einen Social Service gegründet, wo die Menschen aus Kemondo medizinische Hilfe, Lebensmittel oder auch finanzielle Unterstützung erhalten können. An einem anderen Tag bieten die Sisters den Kindern aus dem Dorf die Möglichkeit an, Nachhilfe in Englisch und Mathe zu bekommen, wo wir uns ebenfalls einbringen können. Die Sprache gestaltet sich jedoch noch etwas schwierig. Die wenigsten verstehen oder sprechen Englisch, sodass wir dringend Kiswahili lernen müssen. Dabei bekommen wir jedoch viel Hilfe von den großen Schulkindern und Stefanie. Aber auch mit Händen und Füßen klappt es dann doch meistens irgendwie und ein fröhliches Lachen ist ja zum Glück in jeder Sprache verständlich! 🙂 Sonntags gehen wir zusammen in die Kirche, die durch viele und schöne Lieder sehr lebendig ist.

Am Nachmittag wird dann die Zeit genutzt, um schöne Ausflüge zu unternehmen. Einmal waren wir zum Beispiel an einem Strandstück des Viktoriasees, an dem man auch schwimmen kann. Alle haben sich total gefreut und zusammen haben wir einen richtig schönen Tag dort verbracht. Ansonsten werden dann natürlich auch die Geburtstage der Kinder gefeiert oder sonstige nette Aktivitäten veranstaltet. Nicht nur zwei Geburtstage der Kinder standen an, sondern auch das drei-jährige Jubiläum vom Nikolaushaus! Dies feierten wir in Biharamulu im Konvent der Schwestern aus unserem Haus. Nach einer dreistündigen Fahrt wurden wir herzlich begrüßt und verbrachten den Nikolaushaus-Geburtstag mit Tanz, Spiel, gutem Essen, Kuchen und Soda! Hier konnte ich einen super Einblick in die afrikanische Gastfreundschaft bekommen, die mich wirklich sehr beeindruckt! 🙂
Zusammenfassend geht es mir hier echt gut und ich bin jetzt schon gespannt, was mein MaZ-Jahr in Tansania noch mit sich bringen wird!
Für Eure und Ihre Unterstützung bedanke ich mich sehr herzlich und es ist schön zu wissen, so einen Rückhalt in Deutschland zu haben.
Also, macht’s gut & bis bald! Hannah

 

Kemondo, Dezember 2014

Shikamoo!
Eine typische Begrüßungsformel in Kiswahili, die man gegenüber älteren Personen benutzt. So werde ich morgens von den Kindern begrüßt und verwende es selbst gegenüber den Mitarbeiterinnen und den Menschen, die mir auf der Straße begegnen. Danach wird noch ein freundliches „Habari?“ drangehängt, was so viel bedeutet wie „Wie sind die Neuigkeiten?“ Dies wird meistens dann noch spezialisiert: „Wie sind die Neuigkeiten am Morgen?“, „Wie sind die Neuigkeiten Zuhause?“ und, und, und. Ein Teil der tansanischen Kultur, der mir sehr gefällt: Begrüßungen und Höflichkeit ist hier wahnsinnig wichtig!

Seit meinem ersten Rundbrief ist viel Zeit vergangen, die hier einfach super schnell verfliegt, und in der ich natürlich viel erlebt habe. Drei Monate wohne ich nun schon mit der Nikolaushausfamilie in Kemondo und ich muss sagen, dass ich mich gut an den Alltag hier gewöhnt habe und mich immer noch sehr wohl fühle. Im Oktober hatten wir die Chance, einen Kiswahili-Sprachkurs zu besuchen. Hier wurden uns zumindest theoretisch die Grundbausteine der Grammatik gut beigebracht. Die praktische Umsetzung ist natürlich nach wie vor schwierig. Dennoch lassen sich kleine Fortschritte erkennen, da man im täglichen Leben mit den Kindern und Mitarbeiterinnen immer wieder neue Wörter lernt. 🙂 In der Zeit hat sich der Alltag unserer kleinen und behinderten Kinder ein wenig verändert. Die Outpatient Clinic wird jetzt durch einen gut durchstrukturierten Plan auch von   unseren sechs Jüngsten genutzt. Nach einem gemeinsamen Anfangskreis werden die Kinder dann in Kleingruppen aufgeteilt, in denen sie erste Zahlen und Buchstaben lernen und wo natürlich auch gespielt wird. Weiterhin wird fleißig musiziert, getanzt oder spazieren gegangen. Die Morgende in der Outpatient Clinic gefallen mir immer sehr.

Aber auch sonst ist hier im Nikolaushaus selbstverständlich immer etwas los. Im Oktober haben wir die Taufe von vier Kindern und im November dann die Kommunion von vier weiteren Kinder gefeiert. Es waren zwei wirklich schöne Feste, bei denen viel
getanzt wurde. In der Zwischenzeit wurden natürlich noch ein paar Geburtstage gefeiert und Ausflüge gemacht! Im November hieß es dann leider schon Abschied nehmen von Kathrin und Lea, die drei Monate hier verbracht haben und nun zurück nach Deutschland mussten. Zusammen haben wir hier viel erlebt, uns gegenseitig unterstützt und gelacht, was den Abschied nicht leicht machte. Im September bekamen wir aber noch Verstärkung von Lea, einer Studentin, die ihr Auslandssemester im  Nikolaushaus verbringt und bis März bleibt. Also sind wir anstatt zu viert jetzt nur noch zu zweit. Des Weiteren darf ich, nach bestandenem Aufnahmetest, bei der Nikolaushaus – Pfadfinder Gruppe mitmachen, die meine liebe Vorgängerin und Freundin Kathi mit den Kids hier gegründet hat. Ein Tippi wurde errichtet, was natürlich mit Saft und Kuchen gründlich eingeweiht wurde. Wir machten ein Picknick am See und einen schönen gemütlichen Abend mit Stockbrot und wenn wir Zeit haben, erweitern wir unser Tippi noch mit einigen nützlichen Dingen wie Tischen, einem eigenen Beet, einer Kochstelle usw. 🙂

Nicht nur Kuchen wurde hier in letzter Zeit viel gegessen. Die Heuschreckensaison hat angefangen. Diese werden überall in der Stadt in riesigen Säcken verkauft. Und auch hier ist das Zubereiten zu einer mehr oder weniger schönen Nachmittagsbeschäftigung geworden. Bevor eine Heuschrecke gegessen werden kann, müssen erst Flügel und Beinchen entfernt werden und am besten schmeckt’s wohl frittiert. Natürlich kam ich nicht um’s probieren herum, und ich muss zugeben, dass es gar nicht so schlecht geschmeckt hat wie ich es erwartet hatte…

Nun hat die Adventszeit begonnen, und Weihnachten steht schon wieder fast vor der Tür. Um uns darauf ein wenig vorzubereiten und alle in Weihnachtsstimmung zu bringen, was mir ehrlich gesagt schon allein wegen dem Wetter hier noch etwas schwer fällt, treffen wir uns jeden Abend für eine kurze Zeit mit allen zusammen im Wohnzimmer, wo wir dann gemeinsam beten und singen. Natürlich gibt es auch einen Adventskalender für unsere Kinder, der jeden Tag mit 22 Bonbons gefüllt ist und der nach dem Abendessen mit Begeisterung geöffnet wird 🙂

Mit der Adventszeit beginnen hier auch die großen Ferien für die Kinder. Dadurch wird es auch für einige Tage im Nikolaushaus etwas ruhiger. Die Kinder, die noch Verwandte haben, gehen für ein oder zwei Wochen zu ihnen zurück. Mit sechs unserer Kinder, die leider keine Familie mehr haben, sind wir für eine Woche an den Tanganjikasee nach Kigoma gefahren. Da im Auto nicht genug Platz für alle Passagiere und Gepäck war, sind Lea und ich mit zwei Kindern mit einem Reisebus gefahren. Nach einer langen und aufregenden Reise sind wir alle gut angekommen und nicht nur die Freude der Kids war riesengroß. 🙂 Dort hatten wir die Möglichkeit, an einer richtig schönen Bucht schwimmen zu gehen, die Gegend zu erkunden und auch mal in die Stadt zu fahren! Eine Zeit die mir viel Spaß gemacht hat, und unseren Kindern sowieso!

So, das erst mal bis hier hin. Wenn Jemanden etwas näher interessiert, freue ich mich immer über E-Mails 🙂
Ich wünsche Euch und Ihnen nun fröhliche besinnliche und gesegnete Weihnachtstage und dann natürlich einen guten Rutsch ins Jahr 2015!

Zum Schluss möchte ich mich auch noch einmal für die viele liebe Unterstützung aus Deutschland herzlich bedanken, über die ich mich immer sehr freue! Also, macht’s gut und bleibt gesund!
Hannah

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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