Marie Dugdale

„Karibu Tanzania“- Willkommen in Tansania
Seit zwei Monaten bin ich nun in Tansania, doch es fühlt sich so an, als sei es schon ewig her, dass ich am Flughafen Köln/Bonn zusammen mit Viona, meiner Mitfreiwilligen, ins Flugzeug gestiegen bin und nach einem langen Flug endlich in Dar Es Salaam, der Verwaltungshauptstadt von Tansania, angekommen bin. Den ersten Monat haben wir in einer Sprachschule in Morogoro, das ca. vier Stunden Busfahrt von Dar Es Salaam entfernt liegt, Kiswahili gelernt. Kiswahili ist die am weitesten verbreitete Sprache in Tansania. Wir haben direkt neben der Schule gewohnt und hatten jeden Tag fünf Stunden Unterricht. Als Erstes haben wir erklärt bekommen, wie man sich in Tansania richtig begrüßt. Das ist gar nicht so einfach und es gibt gefühlt hundert verschiedene Varianten, dabei ist auch das Alter der Personen wichtig. Hier nur ein Beispiel: Shikamoo. (Jüngere zu Älteren); Antwort: Marahaba (Ältere zu Jüngeren)
Die Wochenenden in der Sprachschule habe ich außerdem dazu genutzt, um die Natur und Kultur in Tansania besser kennenzulernen. Gleich zu Beginn waren wir in der Nähe von Morogoro wandern und ich habe gemerkt, dass sich das Klima sehr vom deutschen Klima unterscheidet. In der Mittagshitze sind wir bis zu einem Aussichtspunkt gelaufen und mussten dann erst einmal eine Pause machen.
In der zweiten Woche hatte ich die Möglichkeit, an einer Safari im Mikumi- Nationalpark teilzunehmen. Ganz früh morgens sind wir von der Sprachschule aus zum Park gefahren, um möglichst viele Tiere zu sehen. Bereits auf der Fahrt zum Park haben wir Giraffen, Affen und Elefanten gesehen. Im Park selber konnten wir noch viele weitere Tiere und sogar eine Löwin beobachten.

Am Wochenende danach wurde in der Familie eines Sprachlehrers unserer Schule, der ein Massai ist, die Aufnahme eines Enkels zu den Kriegern gefeiert und die Sprachschüler wurden dazu eingeladen. Nachdem wir von der Hauptstraße abgebogen und mit dem Bus eine halbe Stunde über einen Wanderweg gefahren waren, kamen wir endlich an und wurden auch sofort freundlich begrüßt. Als Gäste bekamen wir ein großes Stück Fleisch von einem der Rinder, die anlässlich der Feier geschlachtet worden waren. Danach haben wir uns die Tänze angeschaut und Gesänge angehört. Die Männer stehen dabei im Halbkreis und einige springen im Kreis auf der Stelle in die Luft.
Nach einem Monat in der Sprachschule, in dem wir die Grundlagen der Grammatik und viele nützliche Vokabeln gelernt haben, sind Viona und ich Anfang September zum Nikolaushaus in Kemondo aufgebrochen, wo wir ein Jahr lang leben und arbeiten werden. Zunächst mussten wir wieder nach Dar Es Salaam, um von dort aus nach Bukoba fliegen zu können, was die nächstgrößere Stadt ist. Nach einer langen Reise war ich froh, endlich anzukommen und wurde sehr herzlich von Stefanie Köster, der Leiterin des Hauses, und den Kindern empfangen.
Im Nikolaushaus leben momentan 30 Kinder von zwei bis 17 Jahren und tagsüber ist es hier nie leise. Der Tag beginnt morgens um 5:45 Uhr damit, dass für alle Kinder Toast mit Marmelade oder Erdnussbutter geschmiert werden müssen. Danach gehen die älteren Kinder in die Schule und die jüngeren und schwer behinderten Kinder in die Outpatient Clinic. Die Outpatient Clinic befindet sich auf dem Gelände des Nikolaushauses und ist wochentags mit einem Kindergarten vergleichbar. Die Kinder singen, tanzen und spielen zusammen und werden dabei auf die Schule vorbereitet oder erhalten aufgrund ihrer Behinderung spezielle Förderung. Ab 12 Uhr gibt es Mittagessen und die Schulkinder kommen zurück. Nachmittags geht ein Teil der Kinder wieder in die Outpatient Clinic. Außerdem müssen noch die Hausaufgaben gemacht und kontrolliert werden. Ab fünf Uhr beginnen wir mit dem Waschen der kleineren Kinder. Danach gibt es Abendessen und um sieben Uhr beten alle zusammen. Die kleineren Kinder gehen dann ins Bett und mit den größeren, die erst um neun Uhr ins Bett gehen müssen, spielen wir oft noch Kartenspiele.
Samstags ist die Outpatient Clinic für behinderte Kinder und ihre Mütter aus der Umgebung geöffnet. Die Kinder können dort spielen und werden von einem Physiotherapeuten betreut und ihr Gesundheitszustand und ihre Entwicklung überprüft. Die Mütter erhalten außerdem Medikamente und werden über die Pflege der Kinder informiert.
Sonntags gehen wir alle zusammen in die Kirche und danach werden oft Ausflüge gemacht. Am letzten Sonntag sind wir mit den älteren Kindern zu einem Strand, der ca. eine Stunde entfernt ist, gefahren und waren dort schwimmen.
Viona und ich sind an fünf Tagen der Woche acht Stunden entweder morgens, mittags oder tagsüber eingeteilt und helfen beim Essen, Waschen, Hausaufgaben machen, in der Outpatient Clinic…
Die Arbeit und das Spielen mit den Kindern machen mir viel Spaß und jeden Tag lerne ich etwas Neues dazu. Obwohl ich erst seit einem Monat im Nikolaushaus bin, fühle ich mich hier schon sehr wohl und freue mich auf die kommende Zeit! Neues aus Tansania gibt es dann in meinem nächsten Rundbrief.

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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