Maria Scherer

  Maria SchererHallo, Ich bin bereits einen Monat hier in Kemondo am Viktoriasee in Tansania! Es kommt mir vor, als wäre es schon viel länger her, dass ich am 24. August in Stuttgart in das Flugzeug gestiegen bin. Und seitdem ist so vieles passiert und ich habe so viel Neues erlebt, von dem ich euch in diesem Rundbrief gerne berichten möchte.

Am 24. ging große Reise für mich und meine Mit-MaZlerin Miriam in Stuttgart los. Wir hatten ein paar Stunden Aufenthalt in Amsterdam, dann ging es weiter nach Dar es Salaam mit fast 12 Stunden Flug. Dort verbrachten wir die Nacht am Flughafen und flogen früh morgens weiter nach Bukoba. Dort wurden wir schon von der Leiterin des Nikolaushauses (Stefanie Köster, ursprünglich aus Deutschland) erwartet und sie brachte uns zu unserem neuen Zuhause auf Zeit: Dem Nikolaushaus in Kemondo.

Wir wurden sehr nett von den Kindern und Janina (einer deutschen Praktikantin, die insgesamt 3 Monate hier verbringt) empfangen. In den ersten Tagen bekamen wir alles gezeigt, bezogen unsere Zimmer und erstellten zusammen mit Stefanie unsere Arbeitspläne.

Da wir mit den Kindern und den Mitarbeiterinnen hier im Nikolaushaus mitleben, ist ein Arbeitsplan sehr sinnvoll und regelt, wann wir Freizeit haben und wann wir arbeiten, da sich das sonst schnell vermischt.

Das Nikolaushaus ist ein Kinderheim für Kinder mit Behinderung, aber auch für gesunde Kinder, die entweder niemanden mehr haben, oder deren Familien nicht für sie sorgen können. Es leben hier insgesamt 28 Kinder, davon sind ca. die hälfte körperlich oder geistig behindert. Die Kinder sind zwischen 2 und 16 Jahre alt. Es arbeiten hier noch ca. 10 Mitarbeiterinnen, die von den Kindern Mamas genannt werden.

Bereits an unserem ersten Wochenende hier durften wir Stefanie und die großen Jungs bei einem Ausflug zu einem Wasserfall begleiten. Danach fuhren wir in nächst größere Stadt Bukoba (ca. eine halbe Stunde entfernt) und gingen dort essen.

Am nächsten Tag besuchten wir das erste Mal den Sonntagsgottesdienst mit allen Kindern, was immer wieder aufs Neue ein Erlebnis ist. Man kann den Gottesdienst nicht mit einem deutschen Gottesdienst vergleichen. Alle singen, klatschen und tanzen zur Musik, jeder zieht sein schönstes, buntestes und kitschigstes Kleid an und einfach JEDER ist da! Außerdem kommt es schon mal vor, dass man eine halbe Stunde auf den Pfarrer warten muss und die Messe dann insgesamt 3 Stunden dauert. Zusätzlich fällt oft der Strom aus und die Ventilatoren gehen nicht mehr und dann wird es eingequetscht und mit 2 Kindern auf dem Schoß seeeehr heiß! Doch den Pfarrer stört ein Stromausfall nicht, der liest einfach mit dem Megafon die Vermeldungen.

Sonntag mittags stand dann ein Ausflug an den Strand des Viktoriasees an. Blöderweise war die Batterie von dem großen Bus des Nikolaushauses leer, und wir mussten uns ganz afrikanisch zu 30st in den Geländewagen, der für 13 Personen vorgesehen ist, quetschen. Das war jedoch halb so schlimm, denn die Kinder sangen die komplette Fahrt und machten eine kleine Party daraus. Der Strand war traumhaft schön!

In den darauf folgenden Tagen lebten wir uns ein und lernten unsere Arbeit kennen. Wir unterstützen die Mamas beim Aufpassen und Waschen der Kinder und helfen den Kindern beim Essen. Außerdem versuchen wir auch die Freizeit der Kindern schön zu gestalten, lernen mit den Kindern und spielen mit ihnen (meine Arbeit ist unten beim Tagesablauf der Kinder nochmal näher beschrieben).

p1150070In unserer 2. Woche kam dann Katrina hier an (auch eine Praktikantin für 3 Monate). Nun sind wir 4 weiße Mädchen hier und es passiert oft, dass uns Wazungu („Weiße“) zugerufen wird oder wir angestarrt werden, als wären wir das 8. Weltwunder. Jedoch meinen die Menschen hier nicht böse. Es ist für sie nur ungewohnt „Weiße“ zu sehen, da hier kaum Touristen unterwegs sind und es hier sehr ländlich ist.

Am nächsten Wochenende, am 10. September erlebten wir hier ein Erdbeben mit. Die Menschen hier sind Erdbeben überhaupt nicht gewohnt, da wir uns hier in keiner Erdbebenregion befinden. Dennoch war das Erdbeben sehr stark zu spüren (Erdbebenstärke: 5,7) und hat alle sehr geschockt und vor allem die Kinder in Panik versetzt. Das Epizentrum war in Bukoba und es sind 13 Menschen gestorben und insgesamt gibt es 130 Verletzte! Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass es uns allen gut geht und bis auf ein paar kleine Risse im Haus auch nichts kaputt gegangen ist.

Ein großes Highlight in dem vergangenen Monat war der 5. Geburtstag des Nikolaushauses. Um diesen zu feiern, stieg am 17. September vor dem Haus ein großes Fest mit Gottesdienst. Nach dem Gottesdienst wurden ein paar Reden gehalten und danach sangen und tanzten die Kinder und irgendwann auch alle Gäste.

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Diese Woche fangen bei den Kindern die Ferien an! Da keines von den Kindern schwimmen kann, wir hier aber direkt am Viktoriasee wohnen, haben wir einen Schwimmkurs (erstmal nur für die großen Kinder) geplant. Miriam ist bei der DLRG und hat dort schon öfter Schwimmkurse geleitet.. Wir waren bereits 1 mal mit 3 Kindern schwimmen (im Pool eines Hotels, da es hier kein Schwimmbad gibt) und es hat ihnen und auch uns sehr großen Spaß gemacht.

Zum Tagesablauf hier im Nikolaushaus:

Die Kinder stehen um 6 Uhr auf, richten sich, frühstücken und gehen anschließend zur Schule. Für die Kinder, die noch nicht zur Schule gehen und auch für die behinderten Kinder gibt es hier auf dem Gelände des Nikolaushauses die sogenannte Outpatient Clinic. Unter der Woche wird dort, während die großen Kinder in der Schule sind, mit den Kindern musiziert, getanzt, und gespielt. Danach gibt es Mittagessen für die Kinder (wir füttern die Kinder, die Hilfe brauchen) und danach essen auch wir. Anschließend ist für die kleinen Kinder freie Zeit zum Spielen und die großen Kinder kommen nach und nach von der Schule heim. Nachmittags gehen wir dann mit den Schulkinder in die Outpatient Clinic und lernen und wiederholen mit ihnen. Um 5 Uhr duschen alle Kinder und um 6 Uhr gibt es für die kleinen Kinder Abendessen. Um 7 Uhr wird unter der Woche immer gemeinsam gebetet und danach werden die kleinen Kinder ins Bett gebracht. Nun essen die größeren Kinder und wir Freiwilligen. Nach dem essen werden gemeinsam Spiele gespielt. Zu dieser Zeit dürfen die Kinder am Wochenende einen Film schauen.1-nikolaushaus-afrika

Am Wochenende kommt ein Heilpädagoge in die Outpatient Clinic und kümmert sich vor allem um die körperlich behinderten Kinder. Samstag ist die Outpatient Clinic auch für Kinder, die nicht im Nikolaushaus wohnen, geöffnet und bietet so eine Anlaufstelle für Eltern, die alleine nicht mit der Behinderung ihres Kindes zurecht kommen oder selbst auch eine Behinderung haben oder sehr arm sind.

Allgemein gefällt es mir hier im Nikolaushaus sehr gut! Ich lebe mich von Tag zu Tag mehr ein! Natürlich vermisse ich meine Familie und Freunde in manchen Momenten sehr und manchmal auch den „europäischen Lebensstandard“ . Jedoch fühle ich mich hier sehr wohl! Große Probleme macht mir nur die Sprache (Kiswahili). Mit den großen Kindern kann ich mich sehr gut auf Englisch verständigen, da sie auf eine englischsprachige Schule gehen. Aber gerade mit den Mitarbeiterinnen und den kleinen Kindern ist es zum Teil sehr schwer zu kommunizieren, da sie entweder nicht merken, dass ich sie nicht verstehe oder kein Englisch sprechen. Aber ich bin zuversichtlich, dass es mit der Zeit besser wird und sich somit auch viele Probleme, die mit der Kommunikation zusammenhängen, lösen.

Ich DANKE euch sehr für eurer Interesse und eure Spenden! Natürlich danke ich euch auch für eure Unterstützung im Gebet! Es ist schön, von euch zu hören und zu wissen, dass es in meiner Heimat viele gibt, die an mich denken!

Ich sende euch viele sonnige Grüße aus Tansania

Eure Maria


 

Mein Freiwilligendienst in Tansania – 2. Rundbrief

Mein zweiter Monat hier im Nikolaushaus in Tansania begann mit den Schulferien der Kinder.Und wie ich schon in meinem letzten Rundbrief erwähnt habe, nutzten wir diese, um einen kleinen Schwimmkurs für die größeren Kinder zu geben. Die Kinder hatten großen Spaß dabei und machten auch Fortschritte. Und auch wir genossen die Abkühlung und das Urlaubsfeeling an dem Hotelpool mit Aussicht über Bukoba.

Für das erste Wochenende der Ferien hatten wir 4 Freiwilligen (Miriam, Janina, Katrina und ich) eine Sportralley mit verschiedenen Gruppenspielen und Challenges für die körperlich fitten Kinder geplant. Die Sportralley war für uns alle mit viel Spaß verbunden und die Kinder waren sehr stolz und jeder hatte ein fettes Grinsen im Gesicht, als sie nachher ihre Urkunden in den Händen hielten.

In den Ferien war es aber auch unsere Aufgabe, regelmäßig mit den großen Kindern die sogenannten Homework-Packages zu machen und mit ihnen zu lernen. Denn das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und für einige Kinder des Nikolaushauses sind die letzten Klassenarbeiten für ihre Versetzung entscheidend. Doch als Belohnung für das viele Lernen und auch damit die Kinder mal in den Urlaub fahren können und aus ihrem Alltag herauskommen, hatte Stefanie (die Leiterin des Nikolaushauses) für die Ferien noch eine Überraschung geplant. Wir waren natürlich eingeweiht, doch die Kinder (die 10 großen Kinder des Nikolaushauses) wussten nicht wohin es ging, als wir am Morgen des 29. Septembers in den großen Bus stiegen und losfuhren. Um so größer war die Begeisterung als sie dann erfuhren wohin unsere Fahrt ging. Wir machten uns auf den Weg nach Rubondo Island. Das ist ein künstlich angelegter Nationalpark, der sich auf einer kleinen Insel des Viktoriasees befindet. Mit einem kleinen Boot wurden wir zur Insel gebracht und dort wurden wir schon von 2 Jeeps erwartet und unsere kleine Safari begann. Wir wohnten in Lodges mit Blick auf den Viktoriasee, es gab unglaublich gutes Essen, einen Pool, warme Duschen und freies WLAN! Was will man mehr? Innerhalb der 2 Tage, die wir auf Rubondo Island verbrachten, durften wir einen Game Drive (Safari im Jeep) machen und sahen Giraffen, Affen, Antilopen, Krokodile, Nilpferde und sogar Elefanten! Ein bisschen traurig darüber, dass unser kleiner Urlaub schon wieder vorbei war verließen wir das kleine Paradies wieder und kehrten ins Nikolaushaus zurück, wo die kleinen Kinder uns herzlich empfingen.

Am Wochenende fand dann ein kleines Abschiedsfest statt. Denn Janina, eine Praktikantin, die 3 Monate hier im Nikolaushaus war, machte sich wieder auf den Weg zurück nach Deutschland. An solchen Feiern ist es üblich, dass der Kuchen und die Geschenke mit Gesang und Tanz gebracht werden und die Hauptpersonen des Festes sich anschließend gegenseitig mit Kuchen füttern.

In den folgenden Wochen kehrte der Alltag hier im Nikolaushaus ein. Am Wochenende fand hin und wieder mal ein Scout-Meeting von der Pfadfindergruppe der Nikolauskinder statt. Und wir feierten die Geburtstage von einigen Kindern. Für Miriam und mich kam innerhalb des vergangenen Monats noch die Aufgabe hinzu, mit den 2 Adoptivkindern von Stefanie Deutsch zu lernen. Ich bearbeite nun mit Anita zusammen die 4. Klasse der Deutschen Fernschule.

Mein Highlight der Woche ist definitiv unser wöchentlicher Ausflug nach Bukoba. Es tut gut, auch mal aus dem Nikolaushaus rauszukommen und auch andere Dinge zu sehen, wie das Stadtleben, dass hier einfach komplett anders ist als in Deutschland. Alles ist bunt, überall sind Leute, es wird gehandelt und es gibt nichts, was man auf dem Markt nicht bekommen würde. Außerdem gehen wir immer zum einzigen Café im Umkreis, dass eine echte Kaffeemaschine besitzt, und bringen dort unseren Koffeinhaushalt wieder ins Gleichgewicht. Und im Anschluss gönnen wir uns noch was anderes zum Essen als Reis, Bohnen oder Kochbananen, worauf ich mich immer schon die ganze Woche freue.

Als krönenden Abschluss des Monats und als Beweis dafür, dass ich auch wirklich in Afrika bin und das nicht alles nur vortäusche, hab ich mir (obwohl ich regelmäßig den Artemisia-Tee trinke) schon in meinem 2. Monat hier Malaria eingefangen. Zum Glück war es nur der schwächste Typ (Typ 1) und ich habe es bereits (liebe Grüße an Janina :P) auskuriert und mir geht es wieder gut.

Ich muss sagen, dass ich in manchen Momenten mein Zuhause, meine Familie, meine Freunde und einfach die Vertrautheit der Heimat sehr vermisse. Es gibt Tage, die mich sehr herausfordern, an denen ich mich als ungeduldiger Mensch in Geduld üben muss und manchmal bei den Kindern mit meinem Latein am Ende bin. Doch kleine Momente und Erlebnisse, wie ein Skypegespräch, eine liebe Nachricht, eine kleine abendliche Dance-Party mit den Kindern, die Fröhlichkeit der Kinder, ein Spaziergang zum See oder ein Filmeabend mit den anderen Freiwilligen (Miriam und Katrina) erinnern mich dann wieder daran, wie froh ich bin hier zu sein!

MaZ ist eben das, was man daraus macht! (#shoutout an alle Mit-MaZler: ich bin stolz auf euch!)

Am Schluss möchte ich mich bei EUCH ALLEN fürs Lesen, eurer Interesse, die Gebete, die lieben Nachrichten und einfach fürs An-Mich-Denken bedanken!

In diesem Sinne sende ich euch ganz viel von der Fröhlichkeit und der Lebensfreude, die ich hier erleben darf und hoffe, dass es euch allen so gut geht wie mir!

Viele Grüße aus Tansania wünscht euch eure Maria!

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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