Katharina

Katharina berichtet über ihre freiwillige Arbeit im Nikolaushaus

Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun. Mit dem Beschluss in das Nikolaushaus zu gehen, war der erste Schritt getan. Nach der Kontaktaufnahme mit Steffi, einigen Mails und der Bewerbung ging das Organisieren des Auslandaufenthaltes los. Es war ein wenig sehr  aufwendig, alle Impfungen zu bekommen, sich um die Auslandsversicherung zu kümmern, etc. aber es hat sich gelohnt. Seit dem 30.08.2013 leben wir nun im Nikolaushaus in dem schönen Kemondo. Wir sind Teil dieser kleinen Familie geworden und haben viele schöne Momente erlebt.

Die Zeit vergeht, aber ein schöner Moment leuchtet und bleibt ein Lebenlang.
Ich kann mich noch gut an den aller ersten Tag erinnern, als wir hier ankamen, Steffi uns eine Führung gab und im Wohnzimmer alle Kinder gleich auf uns zu liefen, uns umarmten, „beba“ riefen – auf den Arm genommen werden wollten und uns gleich herzlich aufgenommen haben. Auch alle Mitarbeiter haben sich riesig gefreut uns bei sich haben zu können. Das war der Punkt an dem wir drei (Kathi, Anni und ich) uns angekommen gefühlt haben. Die ersten Tage haben wir versucht uns die Namen der zu Beginn 16 Kinder und Mitarbeiter zu merken, und haben mit den Kindern und Steffi Ausflüge gemacht, z.b zu dem Strand in Bukoba.
Gleich am zweiten Wochenende haben wir Anthonys Geburtstag gefeiert. Die Geburtstage laufen hier richtig schön ab. Die Mitarbeiter backen Kuchen. Das Geburtstagskind wartet am Essenstisch, die anderen Kinder stellen sich draußen schön geordnet auf und bringen mit Gesang dem Geburtstagskind die Kuchen und Geschenke rein. Es ist eine super Laune in dem Raum, es wird gesungen und das Geburtstagskind darf den Kuchen anschneiden und die Geschenke auspacken. Nach dem Essen wird dann draußen im Hof „Topfschlagen“ und „Reise nach Jerusalem“ gespielt. Insgesamt hatten hier bevor 6 Kinder und eine Mitarbeiterin Geburtstag. Anitas Geburtstag haben wir mit der kompletten Rasselbande am Strand gefeiert. Es war zwar schwierig alle ins Auto zu bekommen aber letztendlich hat das doch funktioniert. Insgesamt waren wir zu 13 in einem normalen 5 Sitzerauto und auf der Ladefläche saßen nochmal 11 Personen. Am Strand gab es dann Soda und Kuchen für jeden und natürlich ganz viele Geschenke für Anita.

Zwillinge Nikolaushaus TansaniaIm Oktober hat das Nikolaushaus ganz schön Zuwachs bekommen. Neben der vierten Praktikantin Hannah, haben wir auch zwei neue Kinder bekommen, Edina und Editha. Die Zwillinge waren mit ihren vier Jahren ziemlich weit zurückentwickelt. Die Mutter kann sich aufgrund einer geistiger Behinderung nicht um die Zwei Kleinen kümmern. Editha konnte zu Beginn weder Laufen noch Sprechen. Mittlerweile hat sie beides gelernt.
Erfahrungsbericht_albinos
Dank Steffi können wir verschiedene Orte hier besuchen und oft Ausflüge machen. So waren wir beispielsweise an zwei verschiedenen Wasserfällen, an den verschiedenen Stränden des Victoriasees, oder haben andere Einrichtungen besucht, beispielsweise die Schule für Gehörlose oder das Internat für körperlich behinderte Kinder und Albinos. Kurz vor Weihnachten sind wir dann mit den Sisters aus Kemondo in dieses Internat gefahren und haben mit den Kindern eine Vorweihnachtsfeier gestartet. Es gab Biskutis, Mandasis und Saft für alle. Die Kinder wurden mit Kuscheltieren und selbstgestrickten Pullis aus einem Mutterhaus aus Deutschland beschenkt.

Im November hatte Asimwe Kommunion. Ähnlich wie in Deutschland hatten alle Kinder weiße Kleider oder einen kleinen Anzug an. Um halb 9 ging es in die Kirche. Die Kommunionskinder saßen in der ersten Reihe, Mädchen auf der linken Seite und Jungs auf der Rechten. Zeitgleich wurden auch  noch 12 Kinder getauft, darunter auch 3 Kommunionskinder. Bei der Taufe wurden alle Kinder mit ihren Eltern in einer Reihe vor dem Altar aufgestellt, der Pfarrer ging dann von Kind zu Kind und taufte es. Ansonsten verlief der Gottesdienst wie jeder anderer Gottesdienst, mit der Ausnahme, dass dieErfahrungsbericht_KommunionKommunionskinder zum ersten Mal in ihrem Leben die Eucharestie entgegen nehmen durften. Nach dem Gottesdienst stand erstmal ein großes Fotoshooting an. Danach gings ins Nikolaushaus, wo  Asimwe mit Gesang und Tanz empfangen wurde. Am Nachmittag haben wir dann mit Kuchen, Soda und Gitarrenbegleitung im Garten gepicknickt.

Adventszeit im Nikolaushaus
Am ersten Dezember haben wir uns Praktikantinnen mit Steffi in ihrem Büro zusammengesessen und kleine mit Datum bestickte Säckchen mit Süßigkeiten gefüllt. In jedes Säckchen 17 Stück, da Daniel, unser kleiner Autist keine feste Nahrung und somit auch keine Süßigkeiten isst. Während wir fleißig am einpacken waren, hangen alle Kinder mit der Nase am Fenster um einen Blick auf den Inhalt zu erhaschen. Nachdem alle Päckchen verpackt und aufgehängt waren, war der Adventskranz an der Reihe. Dazu sind wir in den Wald geganngen und haben weihnachtliche Nadelzweige gesammelt, die wir dann zu einem Kranz geformt haben. Beim Abendessen wurde der Adventskranz mit einem Gebet und dem Anzünden des ersten Lichtleins eröffnet.

Das Nikolaushaus ist wie der Name schon sagt nach dem St. Nikolaus benannt worden. St. Nikolaus ist der Schutzpatron für Kinder. Aus diesem Grund wird der 6. Dezember bei uns auch groß gefeiert. Am Tag davor haben wir mit allen Kindern Nikolausmalvorlagen ausgemalt und alle Kinder mussten ihre Schuhe putzen und vor dem Schlafengehen vor die geschlossene Zimmertür stellen.
In der Nacht zum 6. Dezember kam dann der Nikolaus und hat jedem Kind eine Süßigkeitentüte in den Schuh gelegt. Am Morgen danach ist jedes Kind überglücklich herumgesprungen. Am 7. Dezember fand dann unser Patronatsfest statt. Wir bekamen von den Sisters aus Kemondo und zwei Priestern sowie Freunde vom  Nikolaushaus Besuch und haben in unserem Wohnzimmer einen Gottesdienst gefeiert. Im Anschluss gab es Plätzchen, die wir davor mit den Kindern gebacken haben. Unsere zwei kleinsten haben dieses Jahr die Nikoläuse gespielt und haben die Rolle ziemlich gut vertreten.

Kurz vor Weihnachten haben wir nocheinmal eine große Plätzchenbackaktion mit den Kindern gestartet. Auch Weihnachten ist eins der  unvergesslichen Momente. Um 17 Uhr gab es mit der gesamten Nikolaushaustruppe Spaghetti zum Abendessen. Anschließend folgten Gesänge, Gebete und die Bescherung. Vor allem für unsere zwei neuen Mädchen Edina und Editha war das ganze sehr spannend. Jedes Kind, aber auch die Mitarbeiter und wir haben sich über die Geschenke gefreut. Um 20 Uhr gingen die meisten Mitarbeiter in die Kirche und wir haben uns mit den Kindern noch einen Weihnachtsfilm angesehen.

Glaube spielt hier im Nikolaushaus, aber auch in der Umgebung eine wichtige Rolle. Vor jedem Essen wird ein gemeinsames Tischgebet gebetet und vor dem schlafen gehen wird auch nochmal zusammen gebetet. Jeden Sonntag geht es dann mit der ganzen Truppe in die Kirche. Eins der schönsten Kirchenerlebnisse, war die Kirchenfeier in Kaazi, zu der uns die Schwestern aus Kemondo mitgenommen haben. Wir saßen alle in einem Art Zelt aus Palmblättern und Bambusstangen. Das ganze wurde mit Blumen und Stoffen geschmückt. Die Afrikaner haben für uns getanzt, Lieder gesungen und Bibeltexte vorgespielt. Als Begrüßungsgeschenk haben wir einen Blumenstrauß bekommen und zum Abschied Bananen, Ananas, Papaya und Eier in Bananenblätter verpackt. Außerdem haben wir dort Essen bekommen, wir saßen auf Stühlen und hatten einen Tische, die Kinder saßen am Boden und aßen mit den Händen. Leider ist das hier so dass Weiße höhergestellt sind. Erfahrungsbericht_kinder
Ein Engel ist jemand, den Gott dir ins Leben schickt, unerwartet und unverdient, damit er dir, wenn es ganz dunkel ist, ein paar Sterne anzündet. Und Engel, ja das sind alle unsere Kinder. Schon am Morgen, wenn man um 6 in der früh aufstehen muss, müde und verschlafen in die Küche trottet, zaubert unsere kleine Elliot einem ein Lächeln ins Gesciht sobald sie nur mit ihrer ständigen guten Laune den Raum betritt. „Chapati Chapati“ wird dann gerufen oder ein Lied wird von ihr gleich gesungen und man kann nicht anders als sich von diesem kleinen Strahlekind anstecken zu lassen.
Christoph ist ebenfalls ein Strahlekind, der gute Laune verbreitet, schon durch sein „Good morning Kathi“, wenn er auf dem Töpfchen im Zimmer neben an sitzt, kann man nicht anders als lächeln und fröhlich antworten. Mtagwaba, sein  Töpfchennachbar, verständigt sich auf seine eigene Sprache mit uns, was oft auch sehr lustig ist. Sterne zünden auch die 4 kleinen Mädchen an, wenn sie mit ihren kurzen Beinchen durch die Gegend hüpfen und dir jedes Mal in den Arm laufen, wenn du nur zur Zimmertür hereinspazierst. Will man sich mal unterhalten, schnappt man sich einfach ein großes Kind und findet da seine kleine Abwechslung. Braucht man mal Ruhe kann man sich mit Maria zusammen auf das Sofa setzen und schweigen. Aber Maria kann auch anders, oft spielt sie auch die Entertainerin des Hauses. Jeden Tag nach dem Mittagsessen warte ich nur darauf bis Anita an unserem Zimmer klopft und ruft „Kathi machen wir jetzt Schule!“,ich hab noch nie so ein motiviertes Kind gesehen, dass sich jeden Tag nach der Schule noch freut Deutschunterricht zu bekommen.

So sind unsere Kinder, wer keine üblen Gewohnheiten hat, hat auch keine Persöhnlichkeit. Die Kinder hier haben alle eine ausgeprägte Persönlichkeit und sind auf ihre Art und Weise einmalig und wenn es mal leise im Nikolaushaus ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die komplette Rasselbande unterwegs ist.

Ich muss sagen, das Nikolaushaus ist mein zweites Zuhause geworden, ich bereue keine einzige Sekunde hier verbracht zu haben, im Gegenteil, wenn es möglich wäre würde ich gerne länger ein aktiver Teil dieser Familie sein. Wir haben nur noch 4 Wochen hier, die wahrscheinlich wie auch die letzten 5 Monate wie im Flug vergehen werden, aber ich werde jeden Moment geniesen hier zu sein. Hier her zu kommen, war definitiv eine richtige Entscheidung.Das Glück wohnt nicht im Besitze und nicht im Golde. Das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause. (Demokrit)

Nikolaushaus Tansania

„Hapana marefu yasiyo na ncha“

Es gibt keinen Weg, der kein Ende hat!
Kemondo, Februar 2014

Hallo ihr Lieben,
hiermit sende ich Euch ganz liebe Grüße aus dem sonnigen Tansania! In den letzten Tagen und Wochen durfte ich viele unvergessliche Momente erleben, durch die ich meine neue Heimat noch einmal mehr zu schätzen gelernt habe.

Mitte Januar haben meine drei Mädels und ich unsere Rucksäcke gepackt und haben uns auf den Weg in die Serengeti gemacht. Die Serengeti ist der größte Nationalpark Tansanias und liegt östlich des Viktoriasees. Allein unsere Anreise war schon sehr spektakulär. Mit der Nachtfähre ging es rund acht Stunden quer über den See. Kleine gemütliche Kabinen, das Surren des Schiffmotors und eine unbeschreibliche Aussicht am nächsten Morgen. Den ersten Tag haben wir dann Mwanza verbracht. Mwanza ist, im Vergleich zu Bukoba, eine richtige Großstadt und verfügt sogar über einen europäischen Supermarkt. Der Schock war hier jedoch leider deutlich größer, als die Freude über die heimischen Produkte und die riesige Auswahl. Beim ersten Betreten waren wir also einfach nur sprachlos und haben den Laden, ohne etwas zu kaufen, relativ schnell wieder verlassen.
Allgemein hatten wir jedoch einen richtig schönen Tag in Mwanza, den uns nicht zuletzt die tansanische Pizzeria, der verwinkelte Markt und der Blick auf die Felsenlandschaften und den Viktoriasee versüßt haben.
Am nächsten Tag ging es dann endlich mit unserem Fahrer Molokos in die Serengeti. Hier durften wir dann zwei wunderschöne Tage verleben und haben richtig viele wilde Tiere gesehen. Elefanten, Hyänen, Giraffen, Jackale, Zebras, Büffel, Krokodile, Affen, Nilpferde, Antilopen und Gnus.. es war also wirklich für Jeden was dabei. An unserem zweiten Tag im Nationalpark hatte ich dann auch noch Geburtstag und meine Mädels haben mir wirklich einen unvergesslichen Tag bereitet. Das schönste Geburtstagsgeschenk waren dann wohl doch die vier Löwen, die sich gegen Ende unserer Safari noch hinter den Bäumen gezeigt haben. Ein Tag, der sich ganz tief in meine Erinnerungen eingebrannt hat. In diesen Tagen hat sich Tansania wirklich von seiner schönsten Seite gezeigt und wir durften das Afrika erleben, was man normalerweise nur aus Filmen kennt.

Aber auch unsere Rückkehr ins Nikolaushaus fiel unbeschreiblich herzlich aus und ich mal wieder gemerkt, dass ich hier ein zweites Zuhause gefunden habe und auch nicht mehr so schnell hier weg möchte. Den Nachmittag haben wir dann also mit allen Kindern im Sandkasten verbracht, bevor wir dann abends todmüde ins Bett gefallen sind. Am nächsten Abend wollten die Mitarbeiterinnen und die Kids natürlich direkt alle Fotos sehen und wir haben viel zusammen gelacht.Der Alltag hatte uns dann wirklich ziemlich schnell wieder eingeholt.

Zu meinem Alltag im Nikolaushaus gehört ebenfalls die Outpatient Clinic, über die ich in den nächsten Zeilen noch etwas genauer berichten möchte, weil sie für unsere behinderten Kinder wirklich eine große Rolle spielt. Die Outpatient Clinic ist ein kleines Therapiezentrum auf unserem Gelände und wird momentan von Mama Tito geleitet. Jeden Morgen werden sechs unserer Kinder (von 9-12 Uhr) in der Outpatient Clinic betreut. Verschiedene Spielsachen und Musikinstrumente sollen die Kreativität der Kinder anregen. Außerdem gibt es mehrere Stehständer, einen Walker und ein Therapiefahrrad, die die motorischen Fähigkeiten unserer körperlich behinderten Kinder fördern sollen.

Outpatient clinic Tansania

Einmal in der Woche kommt Barbara, eine Heilpädagogin aus der Schweiz, in die Outpatient Clinic und gibt uns viele Anleitungen zum Umgang mit den Kindern. So hat sie uns beispielsweise schon mehrere Massagetechniken gezeigt, mit denen man Spastiken für einen kurzen Zeitraum lösen und die Muskeln des Kindes lockern kann. Die Arbeit dort macht mir sehr viel Spaß und mittlerweile kann ich mit den einzelnen Kindern und ihren Krankheitsbildern sehr gut umgehen. Natürlich gehören auch Vormittage im Sandkasten, Singspiele und lange Spaziergänge zu unserem Alltag in der Outpatient Clinic.

Outpatient Clinic Nikolaushaus Tansania Spielzeug

Ntoma Beach!

Letzten Sonntag haben wir mit unseren großen Kindern einen Ausflug nach Ntoma gemacht. Der Strand in Ntoma gilt als bilharziosefrei und ist außerdem wunderschön. Wir haben uns es auf mehreren Decken gemütlich gemacht und die Kids haben im Sand gespielt. Irgendwann haben Aisha und ich uns dann ins Wasser gewagt und der Rest ist uns ganz schnell gefolgt. Folge daraus war eine riesige Wasserschlacht, bei der wirklich KEINER trocken geblieben ist. Den restlichen Nachmittag haben wir dann im See geplantscht, erste Schwimmübungen unternommen und das schöne Wetter genossen. Unsere Kids waren glücklich und ich war es auch. Selten haben wir so viel gelacht und so viel rumgealbert.
Wenn ich nun also einen der schönsten Momente hier in Tansania nennen sollte, wäre es definitiv dieser Tag. Die Stimmung und das, was ich an diesem Tag wirklich gefühlt habe, kann ich gar nicht richtig in Worte fassen.

Aber manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte!

BADEN MIT DEN NIKOLAUSHAUSKINDERN

Noch einmal Kind sein..

Mittlerweile habe ich fast die Halbzeit erreicht und durfte hier schon so viel erleben. Während ich mich auf die zweite Hälfte meines MaZ-Jahres freue, heißt es für Kathi, Anni und Hannah schon so langsam Abschied nehmen. In nicht mal zwei Wochen geht es für die Drei wieder zurück nach Hause und dadurch spielt Deutschland bei uns im Moment natürlich eine große Rolle.

Praktikanten Nikolaushaus Tasania

Wie ist es, nach einer so langen Zeit wieder zurück zu kommen?
Wie sehr werden einem die Kinder und das Nikolaushaus fehlen? In welche Richtung möchte man sich zu Hause weiterentwickeln? Ich habe für meinen Teil gemerkt, dass ich unter keinen Umständen jetzt schon nach Hause möchte. Hier gibt es einfach noch so viele Dinge zu entdecken.
Trotzdem wird natürlich auch für mich jetzt ein neues Kapitel beginnen und mir graut es schon jetzt ein bisschen vor dem Abschied, weil mir die Drei wirklich sehr ans Herz gewachsen sind. Aber wahre Freundschaften halten ja schließlich jede Entfernung aus!
Liebe Grüße aus der Ferne und bis Bald!
Eure Kathi 🙂

6. Rundmail aus Tansania! Kemondo, März 2014
“Dass du nie verlernst, die Welt durch die staunenden Augen eines Kindes zu sehen, das wünsch ich dir von Herzen!“

Hallo ihr Lieben,
in den letzten Wochen hat sich in meinem tansanischen Leben ziemlich viel verändert. Ende Februar hieß es für uns alle Abschied nehmen.
Kathi und Anni haben sich als erstes auf den Heimweg gemacht und nur kurze Zeit später musste auch Hannah sich von Kemondo, dem Nikolaushaus, den Mitarbeiterinnen und den Kindern trennen. Unsere Nikolaushaus-Familie hat den Dreien einen sehr emotionalen, aber auch ausgelassen, Abschied bereitet. Bei einem kleinem Fest am See wurde noch einmal viel gesungen, gelacht und getanzt, wir durften den selbstgebackenen Kuchen von Sister Grace und Sister Devotha genießen, die Kinder und Mitarbeiterinnen haben rührende Abschiedsreden gehalten und einige unserer Kids haben sich in wilde Tiere verwandelt.
Wir haben die letzte gemeinsame Zeit hier sehr genossen und vom einen auf den anderen Tag war ich dann “alleine“. Auch eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Und wie heißt es so schön: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!“ Nur wenige Tage später hat sich dann auch schon meine neue Mitfreiwillige angekündigt. Sie heißt Lea, ist 22 Jahre alt und studiert Musik- und Bewegungsorientierte Soziale Arbeit in Regensburg.
2011-2012 war sie bereits ein Jahr als MaZ im Kongo und wir verstehen uns echt super.
Unterschiedliche Dienstpläne, verschiedene Aufgaben und Einzelzimmer ermöglichen uns Beiden viele Freiräume und dadurch ist die gemeinsame Zeit umso schöner. Meine verbleibende Zeit (mittlerweile sind es nur noch knapp 4 ½ Monate :O) werden wir also zu zweit hier im Nikolaushaus verbringen und ich bin schon sehr gespannt. In den letzten Wochen hat sich auch meine Beziehung zu den Kids noch mal ziemlich verändert. Sie ist irgendwie viel viel enger geworden und ich genieße jede Sekunde mit meinen Kleinen.

Und auch so haben wir noch mal ganz schön Zuwachs bekommen. Drei neue Kinder mischen das Nikolaushaus auf und halten alle ganz schön auf trapp. Innocent ist drei Jahre alt und leidet an einer cerebralen Bewegungsstörung. Durch seine Behinderung ist er leider sehr stark eingeschränkt und kann weder laufen, noch sprechen. Trotzdem ist er ein ganz lebensfroher kleiner Kerl und man kann wirklich sehr viel Spaß mit ihm haben.
Kalokola und Mwesiga sind Geschwister. Die beiden Jungs sind 3 und 5 Jahre alt. Ihre Mutter leidet ebenfalls an einer starken Behinderung und kann sich aus diesem Grund nicht um ihre Kinder kümmern.
Ihr Vater ist schon sehr früh verstorben und so sind die beiden Jungs bei ihrer Großtante und ihrem Großonkel unterkommen. Sie lebten sehr abgelegen in einer kleinen Lehmhütte. Die Großtante und der Großonkel sahen sich jedoch nicht in der Lage die Kinder großzuziehen und somit hat Steffi ziemlich schnell den Entschluss gefasst, Kalokola und Mwesiga im Nikolaushaus aufzunehmen. Vor knapp zwei Wochen haben wir uns dann also auf den Weg gemacht, um die Beiden abzuholen. Die Fahrt hat ungefähr eine Stunde gedauert und das Dorf, in dem die Kinder gelebt haben, ist nur über eine sehr schlechte und ungeteerte Straße zu erreichen. Nach einem kurzen Besuch haben wir uns dann relativ schnell wieder auf den Heimweg gemacht und ich fand es sehr schön, dass der Großonkel und ein weiterer Mann aus dem Dorf die Kinder nach Kemondo begleitet haben.
Nach ersten Erkundungstouren im Haus haben sich die zwei Jungs sehr schnell bei uns eingelebt und auch unsere kleinen Mädels sind von dem männlichen Zuwachs sichtlich begeistert.

Vor einigen Wochen stand ebenfalls ein weiteres großes Ereignis an. Drei unserer Kinder wurden getauft. Der offizielle Termin wurde, typisch tansanisch, erst einen Tag vorher bekannt gegeben und wir konnten uns glücklich schätzen, dass die Taufkleidchen und der kleine Anzug schon lange im Schrank lagen und nur auf ihren Einsatz gewartet haben. Der Gottesdienst begann um 8 Uhr und insgesamt wurden rund 60 Kinder aus Kemondo getauft. Father Justus hat eine sehr feierliche Messe gehalten und via Plastikkaraffe haben die Kinder dann ihr erstes heiliges Sakrament empfangen.
Anschließend hat jedes Kind noch eine kleine Taufkerze bekommen und ganz viele Erinnerungsfotos sollten diesen wichtigen Moment festhalten.
Die Stimmung in der Kirche war sehr ruhig und andächtig. Ich persönlich habe das sehr genossen und fand es ganz besonders schön, dass Mtagwaba’s Papa extra gekommen ist und seinen Sohn während der ganzen Messe in den Armen gehalten hat. Beide haben gestrahlt und auch Edina und Editha (unsere beiden Zwillinge) haben sich in ihren Kleidchen sichtlich wohl gefühlt und waren ganz stolz. Nachmittags gab es dann noch eine kleine Feier bei uns im Nikolaushaus. Auch die Mama von Edina und Editha ist gekommen und bei Musik und Kuchen hatten wir einen richtig schönen Mittag.

Taufe Nikolaushaus Tansania

Seit letzter Woche haben unsere großen Kinder Schulferien. Das erste Halbjahr ist rum und im Moment genießen wir die freien Tage.
Einige unserer Kinder kommen sonst erst zwischen 3 und halb 6 aus der Schule und so können wir jetzt, auch in der Woche, mal größere Unternehmungen starten. Radtouren, Ausflüge zum See, gemeinsam Gitarre und Flöte üben, Gesellschaftsspiele spielen, Nachmittage im Sandkasten verbringen und abends zusammen kochen. Unser Fernschulprogramm läuft natürlich trotzdem weiter und nachmittags wird ganz fleißig im Klassenzimmer gelesen, geschrieben und gebastelt. Seit Kathi‘s Abreise habe ich ebenfalls einen zweiten Fernschulkurs übernommen und so mache ich jetzt jeden Mittag mit Aisha das Vorschulprogramm und mit Anita den Kurs für die erste Klasse. Beide sind sehr motiviert und machen gute Fortschritte. Seit einigen Wochen gebe ich ebenfalls unserem Nachbarn Emma Deutschunterricht. Mit alten Schulbüchern von Steffi, deutschen Kindergeschichten und ganz viel Geduld kämpfen wir uns also wöchentlich durch die deutsche Grammatik, üben die Aussprache und lernen Vokabeln. In dieser Zeit ist Emma für mich auch zu einem Freund geworden und durch ihn bekomme ich noch einmal eine andere Sichtweise auf das Leben in Tansania.

Außerdem hat das Nikolaushaus eine kleine Kapelle bekommen. Ein Raum in der Outpatient Clinic wurde komplett leer geräumt und bietet nun Platz für einen kleinen Altar, viele Kerzen und Gebetsbücher auf Englisch, Kiswahili und Deutsch. Da mittlerweile drei Ordensschwestern bei uns im Haus leben wird die Kapelle oft genutzt und auch ich habe hier einen Ort der Ruhe gefunden. Natürlich hört man draußen die Kids spielen, aber man hat trotzdem genug Raum und Ruhe zum Nachdenken und zum Beten. Sonst gehen wir jeden Sonntag mit fast allen Kindern und Mitarbeiterinnen in die Kirche. Der Gottesdienst dauert knapp zwei Stunden und ähnelt unseren Messen in Deutschland. Natürlich ist alles viel lauter und bunter. Die Lieder werden von einem Chor aus dem Dorf begleitet, es werden getrommelt und getanzt. Die Messe wird auf Kiswahili gehalten und vor allem von der Predigt verstehe ich immer noch nur sehr wenig. Trotzdem sind die Gottesdienste total schön und ich genieße es sehr in die Gemeinde integriert zu werden. Und auch nach der Messe wird der Vorplatz der Kirche immer noch als Treffpunkt genutzt und bietet Raum für einen Austausch über die vergangene Woche.

Sonst geht es und allen im Nikolaushaus sehr gut. Ich fühle mich wohl und finde es schon fast ein bisschen beängstigend, dass die letzten Monate so schnell verflogen sind. Aber bevor ich auch nur einen Gedanken an den Abschied oder gar an Deutschland verschwende, werde ich erst mal die kommende Zeit hier genießen und hoffe, dass ich hier noch viele verschiedene Erfahrungen machen darf und mich vielleicht auch in anderen Bereichen noch einmal neu ausprobieren kann. Es ist und bleibt also spannend. Natürlich freue ich mich auch schon riesig auf nächste Woche,
denn in nur knapp 6 Tagen kündigt sich Besuch aus der Heimat an. Meine Mama und eine gute Freundin von ihr werden uns für zwei Wochen in Kemondo besuchen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es ist sich nach so einer langen Zeit wieder zusehen und die Vorfreude auf die gemeinsame Zeit steigt gerade ins Unermessliche. Ich hoffe sehr, dass es euch allen in Deutschland, oder wo auch immer ihr gerade seid, gut geht und sende euch ganz liebe Grüße aus dem schönen Tansania!

Macht’s gut und bis bald!

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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