Katharina Grümmer

Katharina berichtet über ihre freiwillige Arbeit im Nikolaushaus

Erste Rundmail – Ich bin angekommen!
Jetzt ist mein großer Traum endlich wahr geworden!

Am Donnerstag, den 29.08.2013 durfte ich mich endlich auf den Weg nach Tansania machen. Papa und ich sind schon ganz früh morgens mit dem Zug nach Frankfurt gefahren. Dort habe ich dann eingecheckt und ein letztes Mal deutsches Essen genossen 😀 Um zwei Uhr musste Papa leider schon wieder nach Hause und ich durfte auf Grund von Verspätungen noch 2 ½ Stunden alleine am Flughafen sitzen, wobei ich die Zeit am Gate schon fast entspannend fand. Nach mehreren Verzögerungen durften wir dann endlich in den Flieger.
Die Maschine nach Kairo war wirklich riesig und die Hälfte der Sitzplätze einfach mal leer. Ich hatte einen schönen Sitzplatz am Fenster und neben mir saß ein Junge aus Kairo. Um 17:30 Uhr sind wir dann nach weiteren Verspätungen gestartet. Da ich wirklich nicht schlafen konnte, war ich ganz froh, dass Ezzeldin (mein Sitznachbar), durchweg versucht hat, mich mit irgendwelchen Kartentricks zu Belustigen 😀 Danach habe ich eine kleine Unterrichteinheit in Arabisch bekommen und wir haben viel zusammen gelacht. Trotzdem machte mir die Verspätung unseres Fluges ganz schöne Sorgen, da meine Umsteigezeit mittlerweile auf eine halbe Stunde geschrumpft war. Und dass einer der Flugbegleiter letztendlich sagte, dass ich sonst notfalls eine Nacht in Kairo (natürlich auf die Kosten von Egyptair) verbringen müsste, machte es wirklich nicht besser!


Um halb Zehn sind wir gelandet und um viertel vor Zehn ging mein Anschlussflug Richtung Entebbe. Ich bin wirklich noch nie in meinem Leben so schnell gerannt und war unwahrscheinlich froh, dass Ezzeldin dabei war und genau wusste wo ich hin muss. Um 21:44 Uhr saß ich dann völlig abgekämpft im Flieger und habe dort Annika und Katharina kennengelernt. Anni und Kathi bleiben ein halbes Jahr in Tansania und werden mit mir zusammen im St. Nikolaushaus leben und arbeiten. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und so ging der Flug ziemlich schnell um. Um drei Uhr nachts sind wir dann in Uganda gelandet und durften das erste Mal ostafrikanische Luft schnuppern. Schon hier waren wir alle drei von der Situation ziemlich geplättet. Im Flughafengebäude haben wir uns dann ein Touristenvisum für Uganda beantragt und ich durfte zu meinem Entsetzten feststellen, dass mein ganzes Gepäck in Kairo liegen geblieben ist. Ziemlich genau eine Stunde habe ich dann am Flughafen gesessen und irgendwelche Papiere ausgefüllt, von denen ich über die Hälfte nicht verstanden habe! Währenddessen stand unser Taxifahrer schon am Ausgangsbereich und hat wie wild mit einem Zettel rumgewedelt. „ANNIKA, KATHALINA & FRIENDS“, stand drauf.

Und dann startete unsere spektakuläre Taxifahrt, die uns 200 Kilometer durch Uganda führte. George (der Taxifahrer) hatte nur ein Ziel: Ganz ganz schnell zur tansanischen kommen! An den Fahrstil musste man sich wirklich erst mal gewöhnen, denn mit über 100 Km/h über die übelste Buckelpiste zu rasen, ist echt nicht angenehm 😀 Trotzdem war Uganda bei Nacht einfach nur beeindruckend. Es waren noch sehr viele Menschen auf den Straßen unterwegs und vor uns lagen Berge, die von tausenden kleinen Lichtpunkten hell erleuchtet wurden. Zugegeben, die Hälfte der Fahrt haben wir trotzdem verschlafen 😀 Als ich wieder wach wurde, war es schon hell. Kulturschock lässt grüßen! 😀 Es kam mir wirklich vor wie im Film: Ochsenherden, die ganz plötzlich die Straße überqueren. Frauen, welche einen Wasserkanister auf dem Kopf tragen uns zusätzlich drei Kinder an der Hand haben. Selbstgebaute Hütten aus Palmzweigen und vieles mehr. An diesen Anblick musste ich mich erst mal gewöhnen!

Nach 5 Stunden Autofahrt sind wir dann endlich an der tansanischen Grenze angekommen. Hier durften wir ein erstes Mal live mit erleben, wie ein Ochse mitten auf dem „Marktplatz“ geschlachtet wird.. echt kein schöner Anblick! George hat über unsere entsetzten Blicke einfach nur gelacht und hat uns dann zu Stefanie gebracht, die schon auf tansanischer Seite auf uns gewartet hat. In einem kleinen Amt mussten wir nun ein Ausreiseformular für Uganda und ein Einreiseformular für Tansania ausfüllen. Das ging jedoch ohne Probleme. Mit Stefanie haben wir uns dann auf den Weg nach Kemondo gemacht. Die Fahrt dauerte ca. zwei Stunden. Mit tansanischen Keksen und einem super Ausblick vergingen diese jedoch wie im Flug!

Auf den ersten Blick besteht der Nord-Westen Tansanias aus einer einzigen Landstraße, welche von einer atemberaubenden Landschaft umgeben ist. Alle 10 Kilometer ist rechts und links von dieser Landstraße ein Dorf angelegt. Bilder folgen noch, weil man sich das so einfach gar nicht vorstellen kann! So leben und spielen also Kinder an dieser Straße, Händler verkaufen in kleinen Hütten oder einfach auf dem Boden ihre Waren und viele Menschen haben hier ihr zu Hause. Nach einiger Zeit durften wir dann auch „unser“ Dorf kennenlernen: Kemondo! Das Nikolaushaus liegt jedoch etwas außerhalb. Bei unserer Ankunft hatte ich schon direkt ein kleines Mädchen am Bein kleben. Elliot!:) Dann hat Stefanie uns das Haus und unsere Zimmer gezeigt. Das ganze Haus ist wirklich wunderschön. Ich habe mich hier direkt wohlgefühlt! An unseren Zimmerfenstern hingen selbstgemalte Bilder und Willkommen Schilder.. richtig süß!


Die Kinder haben sich sofort mit uns beschäftigt und auch die afrikanischen Mitarbeiterinnen haben uns sehr herzlich aufgenommen! Viele Kinder sprechen Englisch und einige sogar Deutsch.. mit der Sprache haben wir es also bis jetzt noch nicht ganz so schwer. Da die tansanischen Mitarbeiterinnen jedoch nur Suaheli sprechen, werden wir um das Erlernen der Sprache wohl nicht drum herum kommen. Einen kleinen „Streichelzoo“ gibt es hier auch. Zum Nikolaushaus gehören zwei Hunde, drei Ziegen, Kaninchen, Enten und Hühner.. die Tiere kommen mir hier also nicht ab 🙂 Mittags ist Stefanie mit uns ins Dorf gefahren und ich habe meine ersten afrikanische Latschen von ihr bekommen … sonst habe ich ja schließlich im Moment gar nichts 😀 Aber zum Glück sind Anni und Kathi super nett und teilen einfach alles mit mir! Im Dorf kommt man sich als Weiße schon etwas komisch vor, weil einfach alle Leute einen anschauen. Und dann direkt vier auf einmal! Aber daran werden wir uns wohl gewöhnen 😀

Abends hieß es dann Tanzen! Im Wohnzimmer wurde afrikanische Musik angemacht und dann ging hier die Post ab! Die Kinder haben durchgetanzt, aber wir drei sind schon relativ früh ins Bett gegangen, da die letzten zwei Tage doch sehr anstrengend waren! Die erste Nacht habe ich echt super geschlafen! Heute werden wir in der Outpatientklinik des Hauses mitarbeiten 🙂 Jeden Samstag kommen Kinder aus den umliegenden Dörfern hier her.
Sie haben ganz verschiedene Behinderungen und können im Nikolaushaus an einer Art Physiotherapie teilnehmen. Es war wirklich sehr interessant und man hat ebenfalls einen ersten Eindruck von den Menschen hier in Kemondo bekommen. Highlight des Tages: Der Regen! Hier in Tansania ist im Moment Regenzeit und es hat einfach den ganzen Nachmittag richtig geschüttet! Sooo..jetzt habe ich wieder ziemlich weit ausgeholt.

Aber soweit meine ersten Eindrücke aus Tansania! Ich melde mich in den nächsten Wochen wieder. Dann habe ich mich bestimmt auch richtig  eingelebt! Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt, ist die Mail schon etwas älter. Bin aber froh, dass ich mich überhaupt melden konnte. Ich habe hier im Moment nämlich noch ziemliche Probleme mit der Internetverbindung. Bilder kommen noch, denn das wäre für heute zu viel 🙂
Es ist wirklich wunderschön hier und ihr braucht euch keine Sorgen zu machen!

Wir hören voneinander!
Eure Kathi 🙂

Soziales jahr Katharina Grümmer
Zweite Rundmail
Hallo ihr Lieben,
jetzt bin ich schon fast zwei Monate in Tansania und lebe, zusammen mit 19 kleinen und ganz vielen großen Engeln, im Sankt Nikolaushaus. Das Nikolaushaus ist eine Einrichtung für verwaiste, verwahrloste, körperlich und geistig behinderte Kinder. Die Kinder hier leiden beispielsweise an Spastiken, Epilepsie, den Spätfolgen der celebralen Malaria, Spena Bifida (offener Rücken), haben Autismus, Aids, oder sind lernbehindert. Sie werden rund um die Uhr betreut und gepflegt. Insgesamt leben zwei Ordensschwestern (Sister Grace und Sister Devotha) und drei festangestellte  Mitarbeiterinnen (Helswida, Agnes und Mama Ndogo) mit bei uns im Haus. Zusätzlich sind noch vier tansanische Frauen halbtags angestellt und wir haben zwei Köchinnen, die für unser leibliches Wohl sorgen.

Meine Aufgabenbereiche hier sind sehr vielfältig. Allgemein ist der Tag in zwei verschiedene Schichten unterteilt. Unsere Frühschicht beginnt um 6 Uhr. Dann heißt es erst mal raus aus den Federn, die großen Kinder für die Schule fertig machen, Brote schmieren und unsere vier kleinen Mädels bespaßen. Sechs Kinder sind so schwer behindert, dass sie unter keinen Umständen die Schule in Kemondo besuchen können. Für diese Sechs und unsere vier Kleinsten (im Alter von 2-4 Jahren), wird am Vormittag ein sehr abwechslungsreiches Programm angeboten. Es wird gemalt, gesungen, im Sand gespielt und auch kleine Spaziergänge gehören zu unserem alltäglichen Leben.

Die behinderten Kinder werden zusätzlich in der hauseigenen “Outpatientclinic“ betreut. Hier werden Physiotherapie, heilpädagogische Betreuung und eine Art Kindergarten miteinander vereint. Um zwölf Uhr geht es dann zum gemeinsamen Mittagessen und auch hier müssen einige Kinder unterstützt werden. Gegen halb Eins kommen die Großen aus der Schule und wir haben wieder ein volles Haus! Der Nachmittag wird dann mit allen ganz  spontan gestaltet und mit 19 Kindern ist definitiv immer etwas los. Schaukeln, kleine Fahrradtouren, Hausaufgaben machen, auf dem Klettergerüst toben, oder einfach mit allen am See sitzen. Der Viktoriasee ist nur zehn Minuten Fußweg von unserem Haus entfernt und es ist einfach wunderschön, seine freie Zeit hier zu verbringen!

Zusätzlich gebe ich jeden Nachmittag Deutschunterricht. Aisha (Steffi’s Tochter) nimmt an einem Programm der deutschen Fernschule teil und ich werde sie in den nächsten 12 Monaten dabei unterstützen. Auch wenn es mit der kleinen Maus teilweise echt anstrengend ist, haben wir viel Spaß zusammen. Um 17 Uhr beginnt dann die Spätschicht. Zuerst werden alle Kinder gebadet und anschließend gibt es Abendessen. Nach dem Abendessen werden die Kleinen dann schon gewickelt und fürs Bett fertig gemacht, denn um ca. 19 Uhr heißt es für die ersten Kinder schon „Gute Nacht“! Die großen und auch fitteren Kinder dürfen bis 21 Uhr aufbleiben und am Abend werden dann oft Gesellschaftsspiele gespielt, es wird gesungen und die letzten Hausaufgaben für den nächsten Tag werden noch schnell erledigt. Soweit erst mal zu unserem groben Tagesablauf.

Am Wochenende stehen oft kleinere Unternehmungen an. So waren wir schon mit einigen Kindern in Bukoba am Strand, haben den ein oder anderen Berg erklimmt und haben uns zwei wunderschöne Wasserfälle angeschaut. So lernt man nicht nur das Land und die Leute näher kennen, sondern erlebt auch unvergessliche Dinge mit den Kleinen!

In den letzten zwei Wochen haben wir außerdem ordentlich Zuwachs bekommen! Eine vierte Praktikantin wird für die nächsten 5 Monate mit uns im Nikolaushaus leben und arbeiten. Hannah ist 22 Jahre alt, studiert in Freiburg Heilpädagogik und wird hier in Tansania ihr Praxissemester absolvieren.
Sie war bereits ein Jahr als MaZ (2011/2012) in Indonesien und wir verstehen uns echt super!

Zusätzlich sind auch zwei neue Kinder dazu gekommen: Edina und Editha!
Zwillinge Nikolaushaus Tansania

Die beiden sind Zwillinge und mussten aus der Familie geholt werden. Ihre Mutter ist geistig behindert und nicht in der Lage, sich um die vierjährigen Mädels zu kümmern. Beide waren total verwahrlost, unterernährt und sind ebenfalls leicht unterentwickelt. Mittlerweile leben sie schon fast zwei Wochen hier und gehen hier richtig auf! Editha hat bereits angefangen Laufen zu lernen und der Kontakt zu den anderen Kindern tut ihnen sichtlich gut!

Bei uns im Dorf leben ebenfalls vier weitere  Ordensschwestern. Sister Ann kommt aus Amerika und lebt bereits seit 14 Jahren mit Steffi in Tansania und die anderen drei kommen aus Indien. In dem Bezug ist Lena also doch irgendwie gar nicht sooo weit von mir entfernt 😀 Zum Nikolaushaus gehört nämlich auch noch ein indisches Bajaj (eine Art Motorrad mit drei Rädern). Die indischen Schwestern sind auf jeden Fall super nett und 1x die Woche arbeiten Kathi und ich im “Social Service“, welcher von Sister Preeti geleitet wird. Im “Social Service“ werden Essen und Kleidung an die bedürftigen Menschen des Dorfes verteilt. Der Kontakt zu den Menschen spielt hier eine ganz wichtige Rolle, da viele einfach keinen Ansprechpartner in ihrer Umgebung haben. Die Arbeit macht mir richtig Spaß und ich werde bestimmt in den nächsten Mails noch genauer darüber berichten.

Zum Thema “Mit beten“, durfte ich letzte Woche Freitag eine unvergessliche Erfahrung machen. Sister Preeti und Sister Ann sind mit uns Praktikantinnen in ein kleines Dorf zu einem Gottesdienst gefahren. Das Dorf liegt in den Bergen und ist mit dem Auto nur sehr schwer erreichbar.
Als wir dort ankamen, war ich von der Situation erst mal total überwältigt. Der Gottesdienst wurde nicht in einer Kirche, sondern in einem kleinen Zelt aus Palmenzweigen gefeiert. Die Menschen saßen auf dem Boden im Stroh und alles war total schön mit verschiedenen Tüchern und Blumen geschmückt. Insgesamt waren bestimmt 60 Personen dort. Egal ob groß oder klein, jung oder alt.. es wurde zusammen gesungen, getanzt,  getrommelt, gebetet und Bibelstellen wurden als kleine Rollenspiele vorgetragen. Im Anschluss wurde der Altar zum Tisch umfunktioniert und es gab für alle eine Kleinigkeit zu Essen. Die Kinder saßen auf dem Boden, haben mit den Fingern gegessen und es war für eine halbe Stunde einfach nur still.Erfahrungsbericht_kinder Danach wurde mit verschiedenen Liedern und Tänzen weiter gefeiert. Es war tausendmal schöner als in all meinen Vorstellungen und der Abschied von den Menschen dort fiel mir schon etwas schwer. So einen tollen Nachmittag hatte ich schon lange nicht mehr!

Tansania ist für mich einfach ein Land der Gegensätze! Trotz der großen Armut, sind die Menschen hier unglaublich lebensfroh und gastfreundlich! Und vor allem die Kinder zeigen mir immer wieder, dass man jeden Tag hier genießen muss! Die Landschaft, die Kultur und das Zusammenleben.

Das alles ist einfach unbeschreiblich schön! Ich habe hier in Tansania ein zweites zu Hause gefunden und fühle mich, auch nach zwei Monaten, immer noch richtig wohl! Trotzdem denke ich natürlich auch viel an Euch und an mein zu Hause am Tomp! Ich werde mich in den nächsten Wochen wieder bei Euch melden! Ganz liebe Grüße aus Kemondo!

Eure Kathi!

Adventszeit im Nikolaushaus!
100 Tage Tansania! Hundert Tage voller Kinderlachen, einer atemberaubenden Landschaft, guten Gesprächen und tollen Begegnungen!

Hallo ihr Lieben,
mittlerweile haben wir Mitte Dezember und wir bereiten uns so langsam, bei 30 Grad und Sonnenschein, auf Weihnachten vor. Ein Adventskranz schmückt unseren Küchentisch und die Kinder haben einen selbstgebastelten Adventskalender. Jedes Säckchen ist mit 18 Bonbons gefüllt und sorgt nach dem Abendessen für strahlende Kinderaugen. In den nächsten Tagen werden wir Weihnachtssterne basteln, unsere ersten Plätzchen backen und ein kleines Krippenspiel einstudieren.

Die letzte Woche war für unsere Kleinen bereits sehr aufregend: Nikolaus! Katharina Gümmer_1Der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Kinder und ist aus diesem Grund der Namensgeber für meine Einsatzstelle. Am Nikolausabend wurden also ganz fleißig die Schuhe geputzt und viele Bilder ausgemalt. Pünktlich in der Nacht zum 6. Dezember kam dann tatsächlich der Nikolaus zu seinen Kindern in Kemondo und hat für jeden eine kleine Tüte, gefüllt mit Süßigkeiten, in den Schuhen versteckt. Die Freude, am nächsten Morgen, war einfach unbeschreiblich groß und es hat echt eine Weile gedauert, bis sich alle wieder beruhigt hatten. Gleichzeitig haben an diesem Tag für unsere 9 großen Kinder die Schulferien begonnen. Bis zum 13. Januar haben nun alle frei und am Nachmittag wurde der letzte Schultag mit einem großen Fest gefeiert. Die Kinder haben kleine Theaterstücke aufgeführt und es wurde viel gesungen, gelacht und getanzt. Alle Neun sind problemlos versetzt worden und Annajoyce wurde sogar mit einem kleinen Geschenk für ihre guten Schulleistungen geehrt.

Unsere eigentliche Patronatsfeier wurde also, aufgrund des Schulfestes, auf den 7. Dezember verschoben. Gemeinsam mit Freunden und Unterstützern aus unserer Gemeinde, haben wir in unserem Wohnzimmer eine heilige Messe gefeiert und anschließend haben wir den Tag mit tansanischem Gebäck und Soda ausklingen lassen. Während der Messe war es ganz still, ein seltenes Bild bei uns im Nikolaushaus! Diese Stille war jedoch nach dem Gottesdienst ganz schnell wieder vorbei: Die Kinder haben den Garten unsicher gemacht und es wurde ganz viel geschaukelt und im Sand gespielt. Allgemein hatten wir einen superschönen Nachmittag und es war einfach nur toll, die glücklichen Kindergesichter zu sehen.

Was sonst noch so gelaufen ist: Heuschreckenzeit! Vor ziemlich genau 3 Wochen hat die Heuschreckenzeit begonnen. Einfach überall werden lebendige Heuschrecken verkauft. Und auch bei uns im Nikolaushaus ist die totale Euphorie ausgebrochen! Den Heuschrecken werden (lebendig!!) die Beinchen und Flügel rausgezogen und anschließend werden sie in heißem Öl frittiert.
KAtharina3Unsere Kinder und Mitarbeiterinnen haben also Tage damit verbracht, die kleinen Tierchen zuzubereiten und anschließend zu verspeisen. Mir ist schon beim Anblick schlecht geworden, aber letztendlich habe ich doch eine probiert. Hmmmmm lecker!!

Rosenkränze! Jeden Mittwoch besuchen Kathi und ich eine Jugendgruppe bei uns im Dorf. Hier basteln wir mit 6 Mädels aus unserer Gemeinde Rosenkränze. Diese werden anschließend nach der Messe verkauft und das Geld kommt der Jugend in Kemondo zu Gute. Die Jugendgruppe wird von Sister Preeti geleitet und wir haben immer eine Menge Spaß. Im Anschluss bleibt sogar immer noch ein wenig Zeit zum quatschen und zum singen!

Ein Nachmittag mit den Kindern aus der Nachbarschaft! Letzte Woche Freitag haben Hannah und ich einen kleinen Spaziergang gemacht. Auf dem Weg zum See haben wir die Kinder aus unserer Nachbarschaft getroffen. Wir wohnen in einer recht armen Gegend und aus diesem Grund gehen die meisten Kinder hier nicht zur Schule. Es ist spannend zu sehen, wie die Kinder sich hier beschäftigen. Sie haben selbstgebaute Spielsachen, wie zum Beispiel einen alten Reifen und eine Holzgabel, oder einen alten Wasserkanister, der als Transportmittel genutzt wird. KAtharina-4
Natürlich musste ich all diese Sachen auch gleich mal ausprobieren und wir haben den ganzen Nachmittag mit den Kindern im nahe gelegenen Wald verbracht! Außerdem waren die Kleinen total von unserer Kamera begeistert, wir haben ganz viele Fotos gemacht und sind in den Bäumen rumgeklettert.

Pizza-Party! Am Samstagabend haben wir, zusammen mit unseren großen Kindern, Pizza gebacken. Draußen wurde das Gemüse geschnibbelt und der Käse gerieben und in der Küche haben Hannah und Magdalena derweil den Teig geknetet. Nach ca. 30 Minuten im Gasofen konnten wir dann endlich unsere Pizza verspeisen! Sie fast wie zu Hause geschmeckt und der Abend war ein echtes Highlight für unsere Kinder!

Für mich geht es diesen Samstag zum Zwischenseminar nach Bagamoyo. Dort werde ich knapp 8 Tage mit meinen Mit-MaZlern aus Tansania und dem Kongo verbringen. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf die Zeit! Euch zu Hause wünsche ich noch eine schöne Adventszeit und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Liebe Grüße aus Kemondo! 🙂
Eure Kathi

4. Rundmail
Meine letzte Rundmail ist zwar noch nicht allzu lange her, aber in den vergangenen Wochen ist hier echt verdammt viel passiert. Mitte Dezember habe ich mich auf den Weg nach Bagamoyo, zu meinem Zwischenseminar, gemacht. Zwischen Kemondo und Bagamoyo liegen ungefähr 1300 Kilometer Entfernung und so musste ich fast zwei ganze Tage für die Anreise einplanen. Zuerst bin ich 8 Stunden mit dem Bus bis Mwanza gefahren und von dort aus bin ich nach Dar es Salaam geflogen. Für afrikanische Verhältnisse hat alles sehr gut geklappt und so bin ich am 15.12.2013 in der tansanischen Hauptstadt angekommen. Hier habe ich mich mit anderen Freiwilligen, die ich bereits vom Ost-Afrika-Seminar aus Deutschland kannte, getroffen und wir haben uns in den nächsten zwei Tage Dar es Salaam angeschaut. Die Stadt ist einfach der Wahnsinn und ich persönlich könnte sie mit keiner deutschen Großstadt vergleichen! Die riesigen Gebäude und der indische Ozean waren einfach nur beeindruckend und ich durfte einmal eine ganz andere Seite von Tansania kennenlernen.

Aus Kemondo bin ich ja schließlich ehr Lehmhütten und ungeteerte Straßen gewohnt. Außerdem musste ich mich erst mal an das andere Klima gewöhnen. An der tansanischen Küste ist es nämlich richtig heiß und 41 Grad sind hier ganz normal. Die beiden Tage in Dar es Salaam haben mir bereits sehr gut gefallen. Am Montag haben wir uns dann mit allen MaZlern aus Ost-Afrika am Busbahnhof getroffen und sind zusammen mit einem Kleinbus nach Bagamoyo gefahren. Bagamoyo ist ungefähr 2 ½ von Dar es Salaam entfernt und so sind wir gegen 22 Uhr am Bildungszentrum der Spiritaner angekommen. Die Anreise war für die meisten sehr anstrengend und so wurde der Abend mit einem gemeinsamen Abendessen beendet.

Die nächsten 6 Tage standen im Zeichen des Austausches. Wir haben viel über kulturelle Unterschiede und unsere Erfahrungen an den einzelnen Einsatzstellen geredet. Außerdem musste ich feststellen, dass viele der anderen MaZler größere Probleme in ihren Projekten haben. So haben schon Einige die Einsatzstelle gewechselt und zwei Jungs, die ebenfalls in Tansania gelebt haben, haben abgebrochen und sind zurück nach Deutschland gegangen. Ein weiteres Zeichen dafür, dass das Nikolaushaus ein echter Glücksgriff ist! Neben den thematischen Einheiten und den vielen guten Gesprächen, durften wir ebenfalls die wunderschöne Landschaft in Bagamoyo genießen und haben unsere freien Nachmittage oft am Strand verbracht. Bagamoyo ist auch historisch ein sehr bedeutender Ort, da hier die ersten Missionare in Tansania angekommen sind und gegen die Sklaverei gekämpft haben. Bei einer Stadtführung, am vorletzten Tag, haben wir dann also viel über die Kolonialzeit Tansanias gehört und haben einen der bedeutesten Kunstmärkte besucht.

Wenn ich so an mein Zwischenseminar zurück denke, kommen mir eigentlich nur positive Dinge in den Sinn. Die Woche in Bagamoyo war sehr entspannend und die Gespräche mit den anderen Freiwilligen haben mir sehr gut getan. Abends haben wir oft bei einem kleinen Lagerfeuer zusammengesessen und auch wenn ich leider keinen aus meiner Vorbeireitungsgruppe wiedergetroffen habe, war das Gruppengefühl einfach perfekt. MaZ verbindet!! Außerdem habe ich noch einmal einen anderen Blick auf meinen Einsatz im Nikolaushaus bekommen, da man wirklich viel Zeit zum Nachdenken hatte.
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Die buntgemischte Gruppe hat das Seminar letztendlich perfekt gemacht. Wir haben alle ganz unterschiedliche Einsatzstellen und leben in ganz unterschiedlichen Ländern! Simbabwe, Kongo, Kenia und Tansania. Aber im Endeffekt hat man gemerkt, dass wir doch alle ganz ähnliche Erfahrungen in Afrika gemacht haben!

Den letzten Abend an der tansanischen Küste haben uns unsere Teamer dann noch mit einem Schokofondue versüßt und am 22.12.2013 habe ich mich dann wieder auf den Weg nach Kemondo gemacht. Mit dem Rucksack einmal quer durch Tansania! Ganz entspannt und mit tausend neuen Gedanken und Plänen. Die Busfahrt von Mwanza nach Kemondo verlief leider nicht ganz so problemlos. Für die knapp 400 Kilometer haben wir insgesamt 17 Stunden gebraucht. Nach mehreren Buspannen, Polizeikontrollen und 5 Stunden ohne Sitzplatz bin ich dann letztendlich am 23.12. kurz vor Mitternacht im Nikolaushaus angekommen:

Weihnachten in Kemondo!
Pünktlich an Heiligabend war ich dann also wieder zu Hause im Nikolaushaus und wurde am Morgen von allen Kindern ganz herzlich begrüßt. Und auch wenn ich nur ein paar Tage weg war, habe ich meine Kleinen schon ziemlich vermisst! Die Weihnachtsvorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren. Unter unserem Kunsttannenbaum wurde eine kleine Krippe aufgebaut, das ganze Haus wurde fleißig geputzt und geschmückt und ein Nachbar hat eine unserer Ziegen geschlachtet!

Gegen 17 Uhr wurden dann alle Kinder gebadet und schick angezogen. Anschließend gab es dann schon unser Weihnachtsessen. Steffi hat Spagetti Bolognese gekocht. Sooooo lecker! Wir saßen alle zusammen am Tisch und haben das Essen genossen. In diesem Moment habe ich mal wieder gemerkt, dass die Mitarbeiterinnen, die anderen drei Praktikantinnen, Steffi und die Kinder meine zweite Familie geworden sind. Nach dem Essen sind wir dann mit allen Kindern ins Wohnzimmer gegangen, haben deutsche Weihnachtslieder angehört und Magdalena hat die Weihnachtsgeschichte auf Suaheli vorgelesen.

Dann war Bescherung – einfach nur Wahnsinn! 18 Kinder packen gleichzeitig ihre Geschenke aus. Riesen Chaos, aber auch unendliche Freude! Vor allem die Zwillinge Edina und Editha sind aus dem Staunen gar nicht mehr rausgekommen. Ich glaube es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Geschenke bekommen haben. Den restlichen Abend haben wir dann zu viert auf unserem Zimmer verbracht. Wichteln und die Weihnachtspost aus Deutschland öffnen.. was kann es Schöneres geben?

Der erste Weihnachtstag begann mit einer Weihnachtsmesse in Kemondo. Die ganze Kirche war festlich geschmückt. Zwar ein bisschen kitschig alles, aber das ist ja irgendwie typisch tansanisch! Am Nachmittag sind wir dann mit allen Kindern zum See gegangen und haben dort gepicknickt.
Die Sonne hat geschienen, Hannah hat fleißig Gitarre gespielt und die Kids haben gesungen und gespielt. Außerdem haben wir noch Besuch von einer deutschen Familie, die ebenfalls in Kemondo lebt, bekommen. Das weiße Baby war natürlich für unsere Kids eine echte Attraktion!
Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir bei Anna eingeladen. Sie arbeitet im Babywaisenhaus in Ntoma und bleibt ebenfalls für ein Jahr in Tansania. Wir haben uns einen schönen Tag in ihrem Haus gemacht, Pizza gebacken, Lebkuchen gegessen und Tee getrunken. Richtig schön weihnachtlich!

In Ntoma gibt es ebenfalls eine Fledermaushöhle, die wir am Nachmittag besucht haben. Einfach hunderte flatternde und fiepende Fledermäuse an der Höhlendecke! Richtig beeindruckend! Gegen Abend haben wir uns dann wieder auf den Weg nach Kemondo gemacht. Die Rückfahrt war ebenfalls ein kleines Highlight. Mit dem Pikipiki (Motorradtaxi) durch die Berge fahren und eine traumhafte Aussicht auf Bukoba und den Viktoriasee genießen!
So habe ich die Weihnachtstage in Tansania in vollen Zügen genossen, auch wenn ich natürlich viel an Zuhause denken musste und gerne bei meiner Familie in Kaldenkirchen gewesen wäre. „ Hojo sio ambapo wewe ni lakini unafanya nini, wapi!“ „Wichtig ist nicht, wo du bist, sondern was du tust, wo du bist!“ Sprichwort aus Tansania

In diesem Sinne wünsche ich Euch ganz viel Glück, Vertrauen, Freundschaft, Liebe, Mut, Zuversicht und Gesundheit für das neue Jahr!
Eure Kathi

“Wenn du gekommen bist, um mir zu helfen, dann vergeudest du deine Zeit, doch wenn du gekommen bist, weil deine Befreiung unauflösbar mit meiner zusammenhängt, dann lass uns gemeinsam an die Arbeit gehen!“ (aus Afrika)

Kemondo, Juli 2014

Hallo ihr Lieben,
hiermit sende ich euch ganz liebe Grüße aus dem schönen Tansania. Bei uns im Nikolaushaus hat sich in den letzen Wochen mal wieder viel getan.
Anfang Juni hat sich meine Projektleiterin Steffi mit ihren beiden Mädels auf den Weg nach Deutschland gemacht. Die Drei machen knapp zwei Monate Heimaturlaub und dadurch hat sich bei uns im Haus natürlich einiges verändert. Eine brasilianische Ordensschwester hat so vorrübergehend die Leitung übernommen und auch für Lea und mich haben sich viele neue Aufgaben aufgetan. Mittags beschäftige ich mich nun momentan viel mit Annajoyce. Sie ist acht Jahre alt und besucht die Primary School in Kemondo. Annajoyce leidet an Spina Bifida, sie hat also einen offenen Rücken.
Das Laufen macht ihr Probleme, aber schulisch gesehen ist sie total fit.
So üben wir jetzt täglich das ABC, machen kleine Rechenaufgaben, malen, üben Lesen oder sitzen einfach nur draußen und Spielen. Nachmittags bringen wir zwei unserer Kinder zum Kommunionunterricht, kaufen gelegentlich ein paar Sachen in Kemondo ein oder helfen den Sisters an der Kirche. Und auch meine Beziehung zu den Mitarbeiterinnen und den Schwestern hat sich noch mal sehr gefestigt, weil wir jetzt schließlich alle noch mal ein bisschen mehr Hand in Hand arbeiten. Wie ihr seht genieße ich gerade den Sommer in Tansania, obwohl ich sagen muss, dass mir Steffi, Aisha und Anita hier schon sehr fehlen

Außerdem haben wir mal wieder Zuwachs bekommen. Diesmal jedoch keine Kinder. Zum Nikolaushaus gehört jetzt ein kleiner Bus!! Schon lange hat Steffi sich mit der Anschaffung eines Busses beschäftigt und jetzt hat es endlich geklappt. Die Kids waren natürlich völlig außer sich, als der Bus an einem Sonntagnachmittag bei uns in Kemondo ankam. Jetzt können wir endlich wieder alle zusammen wohin fahren (das Auto vom Nikolaushaus ist schließlich schon lange zu klein für alle Kinder und Mitarbeiterinnen) und haben sogar noch Platz für Gäste.
Im Moment haben unsere Kinder Schulferien. Zum Halbjahreswechsel gibt es hier in Tansania ca. 5 Wochen Ferien und so ist jetzt auch vormittags im Nikolaushaus ordentlich was los. Trotzdem wird versucht, dass jedes Kind seine Familie besucht, falls es noch Angehörige gibt. Natürlich wird dieser kleine Urlaub individuell auf jedes einzelne Kind angepasst, da die Familien in verschiedenen Umständen leben und nicht alle die gleichen Möglichkeiten haben. Aber auch unsere Waisenkinder kommen nicht zu kurz. So waren unsere großen Jungs für eine Woche bei Freunden in Muleba und Magdalena besucht im Moment Franziskanerinnen in Biharamulo.

Seit einigen Wochen haben wir eine kleine Pfadfindergruppe. Die Idee kam uns an einem Freitagnachmittag beim Spielen im Wald. Mittlerweile haben wir 1-2 x in der Woche Teamsitzungen im Haus und machen am Wochenende verschiedene Exkursionen. Kemondo bietet uns dazu aber auch die perfekten Möglichkeiten, weil wir direkt am Wald wohnen und zusätzlich die Berge und den See quasi vor der Haustür haben. Stöcke schnitzen, Tücher nähen, ein Bandenbuch basteln, Regeln aufstellen, ein eigenes Gebet schreiben, eine Flagge malen, lange Radtouren, sich Begrüßungen und Geheimnamen ausdenken und, und, und! Wir haben also viel zu tun und es ist noch viel mehr in Planung, schließlich gibt es hier noch so viele Orte zu erkunden. Die Kinder sind Feuer und Flamme für unsere Pfadfindergruppe und auch Lea und mir macht das Ganze riesig Spaß. „Strong, brave and united Scouts!“

Hochzeit in Kemondo!
Letzte Woche hat der Sohn einer Mitarbeiterin geheiratet. Schon vormittags gab es in unserer Kirche eine kleine Messe, die unseren Trauungen in Deutschland irgendwie doch sehr geähnelt hat. Danach haben mir die Tansanier aber mal wieder gezeigt, dass sie einfach so viel mehr Lebensfreude haben. Mit einem kleinen Umzug wurde das Brautpaar zum Festsaal (zu dem unsere Dorfdisco umfunktioniert wurde) begleitet. Die Familien und die Freunde sind um die Beiden rumgetanzt, es wurde laut gesungen und getrommelt. Derweil haben sich hunderte Menschen aus Kemondo an der Straße versammelt und dem Brautpaar zugejubelt.
Im „White Club“ gab es dann anschließend leckeres Essen (was natürlich mit den Fingern gegessen wurde) und ein Moderator hat uns durch den restlichen Nachmittag geführt. Da Lea und ich durch unsere Hautfarbe natürlich immer und überall auffallen wurden wir direkt mal wieder in die erste Reihe verfrachtet. Ich bewundere die Menschen hier wirklich sehr für ihre Gastfreundschaft, wobei ich mir oft echt wünsche einfach wie alle anderen behandelt zu werden. Trotzdem hatten wir einen wunderschönen Nachmittag. Es wurden verschiedene Tänze und Rollenspiele aufgeführt, der Kirchenchor hat gesungen und natürlich wurden mal wieder tausende Reden geschwungen. Die Freunde der Braut hatten traditionell alle Kleider aus dem gleichen Stoff und die Familie des Bräutigams hat tanzend die Hochzeitsgeschenke überreicht. Ein Tag, der mich einfach nur begeistert hat und mich mal wieder so richtig die tansanische Kultur spüren gelassen hat.

Kurztrip nach Ruanda!
Da meine Mitfreiwillige ihr Touristenvisum verlängern musste, haben wir uns vor knapp einem Monat auf den Weg nach Ruanda gemacht. Zu Recht trägt Ruanda den Namen „Land der tausend Hügel“! Die Landschaft war einfach nur beeindruckend und mich hat es echt fasziniert, dass sich die einzelnen Länder in Ostafrika doch so sehr unterscheiden.
In den folgenden vier Tagen haben wir mit Kleinbussen und dem Motorrad quasi einmal das ganze Land durchquert (Ruanda ist ja auch wirklich nicht groß) und haben uns an der kongolesischen Grenze mit zwei Salvatorianerinnen getroffen, mit denen Lea in ihrem MaZ-Jahr zusammengelabt hat. Wir hatten gute Begegnungen und haben die freie Zeit richtig genossen. Das bedeutendste an dieser Reise war für mich jedoch der Rückweg nach Kemondo. Da wir viel zu spät an der tansanischen Grenze ankamen, haben wir den letzten Bus nach Hause verpasst und mussten deshalb noch eine Nacht in Biharamulo übernachten.
Zum Glück gibt es hier eine Kommunität der Franziskanerinnen, in der auch eine Schwester lebt, die früher bei uns im Nikolaushaus gearbeitet hat.
Das Wiedersehen fiel so unbeschreiblich herzlich aus und auch die anderen Schwestern haben sich riesig über unseren ungeplanten Besuch gefreut.
Wir haben gemeinsam zu Abend gegessen, uns Bilder von den Kindern angeschaut, ganz viel gequatscht und nebenbei haben wir noch die Generaloberin der Franziskanerinnen aus Rom kennengelernt, die zu dem Zeitpunkt gerade in Tansania zu Besuch war. Es ist einfach ein gutes Gefühl, dass man sich dort nicht zwingend ankündigen muss, immer willkommen ist und dass sich wirklich alle für einen interessieren und sich ebenfalls die Zeit nehmen ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Ich bin so unendlich dankbar, dass mich die Schwestern so in ihre Herzen geschlossen haben und ich weiß, dass ich dort immer hinkommen kann, obwohl ich ja eigentlich über die Steyler entsendet wurde und wir uns nur so selten sehen.

Kinderzimmer!
In den Ferien haben Lea und ich uns zur Aufgabe genommen, die Kinderzimmer ein wenig zu verschönern. Unsere kleinen Jungs haben, passend zur WM, eine Fußballbordüre bekommen, Marias Zimmer schmückt ein neues Wandbild und Türschilder und eine Tierlandschaft im Zimmer von den kleinen Mädels sollen noch folgen.
Da kommt natürlich noch ein bisschen Arbeit auf uns zu, aber das Ganze macht ja dafür auch richtig Spaß. Und vor allem die positiven Reaktionen von den Kids treiben einen doch immer weiter an. Wenn Christopher abends im Bett liegt und die Fußballspieler an der Wand anstrahlt, kann man einfach nur mit grinsen.
In knapp 6 Wochen heißt es für mich schon Abschied nehmen. An diesen Moment mag ich wirklich noch gar nicht denken, weil ich am liebsten noch länger hier bleiben würde. Die Menschen in meiner Umgebung, vor allem die Kinder, geben mit einfach so unglaublich viel und machen mich unendlich glücklich. Aber schließlich bleiben mir ja auch noch 1 ½ Monate mit meinen Schätzen, auf die ich mich sehr freue. In dieser Zeit werde ich wohl noch 1000 kleine Pläne weiter verfolgen und den Alltag hier in Kemondo genießen.
Wir hören voneinander!
Eure Kathi

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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