Hannah Heine

Hannah Heine berichtet über ihre freiwillige Arbeit im Nikolaushaus

1.Bericht: Kemondo, Oktober 2013

Hallo ihr Lieben,
ich bin jetzt seit drei Wochen in Tansania und habe mein Praxissemester im Nikolaushaus gestartet. Ich wurde herzlich empfangen und fühle mich schon sehr wohl!
Anreise: Meine Anreise war ein kleines Abenteuer für sich. Am 30.09.13 ging es los, mein erster Flug von Frankfurt nach Doha qa Doha, dann umsteigen nach Nairobi. Bis dahin lief alles gut, doch dann habe ich meinen Anschlussflug in Nairobi verpasst – es war 5 Uhr morgens und schnell war klar: Der nächste Flug nach Mwanza in Tansania würde erst am nächsten Tag gehen. Zum Glück kann man sich in Nairobi super auf Englisch verständigen und so habe ich es irgendwie geschafft ein Visum für Kenia zu bekommen und ein Hotel zu buchen. Der nette Taxifahrer hat mir dann erst mal eine kleine Stadtrundfahrt spendiert – weil wir Katholiken ja zusammenhalten müssen 😉 Im Hotel konnte ich mich gut ausruhen und dann bin ich noch ein bisschen durch Nairobi gelaufen – wer weiß, ob ich sonst jemals in Nairobi gewesen wäre! Am nächsten Morgen ging es dann wieder zum Flughafen, ab nach Mwanza. Von Mwanza aus hatte ich meinen Anschlussflug nach Bukoba ja leider verpasst, aber ich hatte Glück und habe sofort einen anderen Flug bekommen.

Mit einem mini Flugzeug (12 Sitze) ging es dann weiter, endlich nach Bukoba, meinem Zielflughafen! Ein Pilot, ein Afrikaner und ich – Ja, tatsächlich waren wir nur 2 Passagiere! Wir sind direkt über den Viktoriasee mit seinen vielen Inseln geflogen — die Aussicht war wunderschön!! Tansania ist sehr grün (momentan ist Regenzeit), rote Straßen, kleine Lehm – oder Blechhütten, Bananenstauden, Ziegen, Fahrräder, viele Kinder.

In Bukoba am Flughafen konnte ich schon aus dem Flugzeug 4 winkende Mzungu (Weiße) erkennen: Stefanie Köster(die Projektleiterin) und Katharina, Annika und Katharina – die 3 Praktikantinnen sind bereits 5 Wochen vor mir im Projekt angekommen und hatten sich schon gut eingelebt, sodass ich sie alles fragen konnte und sie mir am Anfang viel geholfen haben. Sie haben alle 3 gerade ihr Abitur gemacht, Katharina macht ein MAZ-Jahr im Nikolaushaus und Annika und Katarina sind für ein halbes Jahr hier. Mit Katharina (rechts auf dem Foto) teile ich mir ein Zimmer.

Aber jetzt erst einmal zu Kemondo und meinem Projekt:
Kemondo ist ein kleines Dorf am Viktoriasee in Tansania. Die nächste Stadt heißt Bukoba und ist mit dem Auto in etwa einer halben Stunde gut zu erreichen. In etwa 10 Minuten kann man zum See laufen. Die Landschaft ist wunderschön!
Das Nikolaushaus: Ich lebe und arbeite für die nächsten 5 Monate im Nikolaushaus, einem Heim für behinderte, vernachlässigte und verwaiste Kinder. Momentan leben hier 19 afrikanische Kinder im Alter zwischen 2 und 16 Jahren. 9 davon haben eine Behinderung, 2 sind Waisenkinder, 2 Kinder haben Aids. Die Projektleiterin Stefanie Köster (Sozialpädagogin aus Deutschland) nimmt nur Kinder auf, die von ihren Familien nicht ausreichend versorgt werden können, oder keine Familie haben. Zu dem Projekt gehört außerdem noch die sogenannte „outpatient clinic“, ein kleines Therapiezentrum für behinderte Kinder aus den umliegenden Dörfern. Jeden Samstag bringen ungefähr 10 Mütter ihre behinderten Kinder in die outpatient clinic. Dort wird zusammen gespielt, gesungen und geredet. Ein afrikanischer Physiotherapeut behandelt die Kinder, manche Kinder bekommen Tabletten, zum Beispiel gegen Epilepsie.

Neben Stefanie ist Barbara, eine schweizer Heilpädagogin, eine weitere Ansprechperson für mich. Sie lebt in Tansania und kommt ein – bis zweimal die Woche in das Nikolaushaus, um sich morgens mit den kleinen und mittags mit den großen Kindern zu beschäftigen. Sie hat 30 Jahre Berufserfahrung und viel Fachwissen. Wir werden zusammen Förderpläne für jedes Kind erstellen und sie erklärt mir die Besonderheiten der Kinder und deren Behinderungen. Ich freue mich sehr darauf von ihr zu lernen.
Meine Aufgaben /Tagesablauf:Mein Tag startet um 8 Uhr morgens, die Schulkinder sind schon weg und es ist Zeit zum Spielen mit den behinderten und kleineren Kindern.Um 9 Uhr gehen wir mit den behinderten Kindern in die outpatient clinic. Dort gibt es viele Materialien zum Spielen und Lernen, außerdem Matten und Musikinstrumente.Um 12 Uhr gibt es für die kleinen Kinder essen und etwa um 13 Uhr esse ich gemeinsam mit den 3 Praktikantinnen. Danach haben wir eine kleine Mittagspause bis etwa 2 Uhr.
Mittags beschäftige ich mich wieder mit den behinderten Kindern, manchmal schnappe ich mir eins, oder zwei und gehe mit ihnen in die outpatient clinic. Manchmal machen wir Ausflüge, basteln, oder spielen Ballspiele. Um 17 Uhr ist das Mittagsprogramm für die Kinder vorbei, sie essen, duschen und werden gegen halb 8 Uhr ins Bett gebracht. Also habe ich abends Zeit für die größeren Kinder, die dann gerade aus der Schule kommen. Ich unterrichte mehreren Kindern Gitarre, wir spielen Uno oder toben noch ein bisschen. Um 9 Uhr sind dann alle Kinder im Bett und wir Praktikantinnen auf unserem Zimmer. Dort sitzen wir dann noch zusammen, quatschen, singen, oder schauen Serien zusammen, das ist immer ein schöner Ausklang.  

Anitas Geburtstag: Letzten Sonntag haben wir Anitas Geburtstag gefeiert und sind mit allen Kindern und Mitarbeitern an den See gefahren. Alle haben Partyhüte aufgesetzt, es gab leckeren Kuchen, Fanta für die Kinder und Geschenke für Anita. Ich habe Gitarre gespielt und mit den Kindern gesungen, es war sehr lustig und ein schöner Tag.

Geburtstagskind im Nikolaushaus Tansania

Neue Kinder: Letzte Woche hat das Nikolaushaus Zuwachs bekommen. Zwei kleine Mädchen – Zwillinge – wurden im Nikolaushaus aufgenommen. Ihre Mutter ist geistig behindert und kann sich daher nicht gut um die Beiden kümmern. Die zwei haben sich sehr schnell eingelebt und machen uns viel Freude.
Zwillinge Nikolaushaus Tansania

Soviel erst mal, ich melde mich wieder und halte euch auf dem Laufenden 😉
Ich schicke viele herzliche Grüße nach Deutschland und freue mich über Rückmeldungen und Post aller Art 😉
Eure Hannah

2.Bericht: Kemondo, November 2013
Ein herzliches Hallo aus Afrika!

Nun bin ich schon wieder seit 7 Wochen hier. Die Zeit rast vorbei und gleichzeitig habe ich das Gefühl die Menschen hier schon ewig zu kennen. Die Nikolaushauskinder, die 2 Schwestern, die Mitarbeiterinnen, Steffi und die Praktikantinnen, alle sind mir schon richtig ans Herz gewachsen und es fühlt sich an, als würde ich in einer großen Familie mit kleinen und großen Geschwistern leben. Ich möchte euch gern mehr von meinem Alltag hier erzählen.
Mit Christoph, einem 5- jährigen Jungen mit ICP gehe ich nun zweimal die Woche morgens in den Kindergarten. Hier lernen die Kinder im Kindergarten schon Buchstaben, Farben und Zahlen, außerdem wird viel gesungen – auf Kisuaheli und auf Englisch. Christoph sitzt im Rollstuhl und kann aufgrund seiner Spastik auch seine Hände nicht gut kontrollieren. Ich unterstütze ihn beim Schreiben und Malen, melde mich für ihn, füttere ihm den Ugi (Maisbrei). Er ist immer ganz stolz, dass ich ihn begleite. Die Pause ist immer am lustigsten. Dann bildet sich um Christoph und mich ein Kreis aus neugierigen Kindern, die erzählen, singen, von mir gekitzelt werden, oder meine Haare anfassen wollen. Christoph mag die Schule sehr, auf dem ganzen Weg (etwa 20 Min zu Fuß) singt er „Schule, Schu- Schu- le“.

An den restlichen Tagen bin ich morgens bei der Arbeit mit den behinderten Kindern dabei. Wir singen und tanzen viel zusammen, machen Spaziergänge, malen und lernen mit den Kindern. Samstags ist immer ein besonders spannender Tag für mich. Die Kinder aus den umliegenden Dörfern kommen in die outpatient clinic! Da die Wege für die Mütter und Geschwister sehr weit sind, machen wir Samstagmorgen mit dem Projektauto eine Abholfahrt – das ist immer sehr schön. Nach uns nach füllt sich die Rückbank und die Ladefläche des Projektautos mit quatschenden Mütter und ihren Kindern auf dem Arm. Wir haben momentan vor allem schwerbehinderte, kleine Kinder in der outp. Cl. Dann wird den ganzen Morgen lang zusammen gesungen, therapiert und gespielt. Es kommen jedes Mal 10- 15 Mütter mit ihren behinderten Kindern. Sie haben viele Fragen und freuen sich über alle Tipps, die wir ihnen für den Alltag mit ihren Kindern geben können.

Momentan ist hier Regenzeit, allerdings ist es meist trotzdem heiß und regnet wenig. Die durchschnittliche Temperatur würde ich so auf 25 Grad schätzen. Gestern mussten wir schon Wasser vom Viktoriasee holen, weil sich unsere Wassertanks aufgrund der Hitze immer mehr leeren. Der Vorteil ist, dass mit dem Regen auch die Mückenschwärme ausbleiben, bisher habe ich jedenfalls noch sehr wenige Stiche. Trotzdem hoffen wir alle auf Regen, denn Wasser ist hier etwas sehr kostbares. 

Morgens essen wir Toast mit Erdnussbutter und Marmelade. Mittags und abends gibt es meist Reis mit Bohnen. Einmal die Woche Kartoffelbrei, einmal die Woche Chapati (schmeckt ein bisschen wie Pfannkuchen) lecker! Außerdem gehen wir ab und zu Essen in Bukoba. Dort gibt es Pommes, Chickenburger, Pizza – was will man mehr? Außerdem können wir uns in einer kleinen Küche selbst Etwas kochen. Wir haben einen kleinen Vorrat an Tütensuppen und Nudeln. Es gibt oft leckeres Obst, wie Bananen, Papaya, Maracuja.

Mit den Sprachen ist es hier wirklich lustig. Die meisten Mitarbeiterinnen sprechen nur Kisuaheli, der Großteil der Kinder kann fließend Englisch sprechen und 4 Kinder können sogar Deutsch! Am Anfang habe ich eine Weile gebraucht, um rauszufinden mit wem ich auf welcher Sprache sprechen kann… Mittlerweile klappt es aber auch mit Kisuaheli immer besser, es macht mir sogar ziemlich Spaß noch eine Sprache zu lernen. Die Kinder sind mir eine große Hilfe, weil sie Spaß daran haben alles so lange zu wiederholen, bis ich es verstanden habe.

Einmal die Woche fahren wir Freiwilligen nach Bukoba. Dort gibt es einen tollen afrikanischen Markt, auf dem wir Obst und Gemüse einkaufen. Außerdem kann man dort wunderschöne Stoffe kaufen, aus denen wir uns dann Röcke und Hosen schneidern lassen. Da wir im Projekt keinen Internetempfang haben, setzten wir uns dann immer noch für ein bis zwei Stunden mit unseren Laptops in ein Cafe, um Mails zu verschicken, oder mit unseren Familien zu skypen. Meist können wir mit dem Projektauto mitfahren, wenn Steffi Einkäufe zu erledigen hat. Wenn nicht, fahren wir mit einem „DallaDalla“. Das sind kleine Buse, mit etwa 10 Sitzplätzen. Es ist unglaublich wie viele Afrikaner sich in diese Buse quetschen können! Einmal sind wir mit 25 Leuten gefahren. Man braucht dementsprechend immer ein bisschen Glück und manche Fahrten steht man dann eben, oder 4 Leute sitzen dir auf dem Schoß…Karibu Tansania! (Willkommen in Tansania!)
Asimwes Kommunion
Ein Nikolaushauskind – Asimwe – hat ihre Erstkommunion gefeiert. Es gab einen feierlichen Gottesdienst mit schönem Gesang. Außerdem wurden noch etwa 10 kleine Kinder getauft. Mittags saßen wir im Garten, haben gesungen, gefeiert und Kuchen gegessen. Asimwe hat es genossen im Mittelpunkt zu stehen und war überglücklich.
Heuschreckenzeit!
Momentan kann man hier überall Heuschrecken kaufen, also lebend. Sie werden dann in stundenlanger Arbeit von den Mitarbeiterinnen und Kindern zerrupft (Beine ab, Flügel ab, ja die Tiere leben dabei noch!) und dann in kochendem Öl angebraten. Es hat mich Überwindung gekostet, aber schließlich habe ich dann doch eine Heuschrecke probiert – schmeckt nach purem Eiweiß.
Rosenkranzgebet:
Die Schwestern haben uns zu einem Rosenkranzgebet mit in ein Dorf genommen. Die Gesänge und Tänze waren wunderschön, außerdem wurde noch ein Theaterstück über Franziskus vorgespielt. Nach dem Beten wurde zusammen gegessen. Es hat uns sehr gut gefallen.
Babywaisenhaus
In einem Dorf in der Nähe gibt es ein Babywaisenhaus, welches wir uns angesehen haben. Die Kinder bleiben dort bis sie 2 Jahre alt sind, dann werden sie an andere Waisenhäuser weitergegeben. Leider gibt es viele Aidswaisenkinder und oftmals sind auch die Kinder HIV infiziert. Wir wurden gleich in die Arbeit miteinbezogen und haben den ganzen Morgen Kinder gefüttert und gewickelt.

Danke für alle Post aus Deutschland und alle Rückmeldungen auf meine erste Rundmail! Es ist immer schön von Zuhause zu hören und es gibt mir Kraft zu wissen, dass Menschen an mich denken!

Ich wünsche euch alles Gute!
Eure Hannah

3.Bericht: Kemondo, Januar 2014
Ein herzliches Hallo aus Afrika!
Schon 3 Monate ist es her, dass ich in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen bin, um mich auf die spannende Reise nach Afrika zu machen. Vieles, was am Anfang neu und ungewohnt für mich war, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Am Wochenende gibt es tagsüber keinen Strom, der Viktoriasee vor meiner Haustür, unter einem Moskitonetz schlafen, nur für Internet die halbe Stunde nach Bukoba fahren, Röcke tragen, Hochzeitsanträge von wildfremden Männern, die warme Abendsonne, Wäsche mit der Hand waschen, „wazungu“(Weiße!) – Rufe, wenn ich durch das Dorf/ die Stadt laufe. Die Hälfte meiner Zeit hier ist schon wieder um, in 2 Monaten mache ich mich wieder auf den Heimweg, doch bis dahin werde ich hier jeden Moment genießen.
Nikolaus:
Der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Kinder und ist daher der Namensgeber von meiner Einsatzstelle. Am Nikolaustag gab es hier natürlich ein großes Fest mit Gottesdienst und einer Feier. Die Kinder haben am Abend vorher brav ihre Schuhe geputzt und waren alle ganz aufgeregt. Pünktlich in der Nacht zum 6. Dezember kam dann tatsächlich der Nikolaus zu seinen Kindern in Kemondo und hat für jeden eine kleine Tüte, gefüllt mit Süßigkeiten, in den Schuhen versteckt. Die Freude, am nächsten Morgen, war unbeschreiblich groß und es hat eine Weile gedauert, bis sich alle wieder beruhigt hatten.6.12

Gleichzeitig haben an diesem Tag für unsere 9 großen Kinder die Schulferien begonnen. Bis zum 13. Januar haben nun alle frei und am Nachmittag wurde der letzte Schultag mit einem großen Fest gefeiert. Die Kinder haben kleine Theaterstücke aufgeführt und es wurde viel gesungen, gelacht und getanzt. Alle Neun sind problemlos versetzt worden und Annajoyce wurde sogar mit einem kleinen Geschenk für ihre guten Schulleistungen geehrt.

Unsere eigentliche Patronatsfeier wurde also, aufgrund des Schulfestes, auf den 7. Dezember verschoben. Gemeinsam mit Freunden und Unterstützern aus unserer Gemeinde, haben wir in unserem Wohnzimmer eine heilige Messe gefeiert und anschließend haben wir den Tag mit tansanischem Gebäck und Soda ausklingen lassen. Während der Messe war es ganz still, ein seltenes Bild bei uns im Nikolaushaus! Diese Stille war jedoch nach dem Gottesdienst ganz schnell wieder vorbei: Die Kinder haben den Garten unsicher gemacht und es wurde ganz viel geschaukelt und im Sand gespielt. Allgemein hatten wir einen superschönen Nachmittag und es war einfach nur toll, die glücklichen Kindergesichter zu sehen.

Weihnachtsvorbereitungen:
Auch im Nikolaushaus haben wir uns eifrig auf das Fest der Geburt Jesu vorbereitet: Die Kinder hatten einen Adventskalender, jedes Säckchen gefüllt mit 18 Bonbons. Zum Essen wurde der Adventskranz angezündet und in der Woche vor dem Fest wurde eine Krippe aufgebaut und drei Plastik- Weihnachtsbäume geschmückt. Außerdem haben wir mit den Kindern Weihnachtssterne gebastelt und eine große Weihnachtsbäckerei veranstaltet.

Bäckerei im Nikolaushaus, TansaniaWeihnachtsfeier in Mugeza:
Am 22.12.13 sind wir mit den Schwestern aus Kemondo (eine Amerikanerin und 3 Inderinnen) und deren Praktikantinnen Johanna und Marie nach Mugeza gefahren. Dort gibt es ein Kinderheim / Internat für Albinos. In Tansania werden Albinos von Hexendoktoren gejagt, da ihre Haut als wertvolle Medizin gilt und daher müssen die Kinder geschützt werden. Die Kinder leben sehr isoliert und dürfen das Projektgelände nicht verlassen. Daher war unser Besuch eine schöne Abwechslung für sie. Wir haben den ganzen Mittag mit den Kindern zu Weihnachtsmusik getanzt und Geschenke verteilt. Alle haben sich sehr gefreut.
Krippenspiel:
Für die Weihnachtsfeier im Nikolaushaus haben wir Praktikantinnen mit den Kindern ein Krippenspiel eingeübt – jedes Kind hatte eine Rolle (auch alle behinderten Kinder!) und sie waren alle ganz aufgeregt, als es dann vor Publikum losging. Die Proben waren etwas chaotisch, aber alle Mühe hat sich gelohnt. Die Kinder haben es toll gemacht und waren alle richtig stolz. Weihnachten:
An Heiligabend haben wir alle zusammen Spagetti mit selbstgemachter Tomatensoße (Lecker!) gegessen. Danach haben sich alle ins Wohnzimmer gesetzt und einer der großen Jungs durfte die Weihnachtsgeschichte vorlesen. Dann war Bescherung – einfach nur Wahnsinn! 18 Kinder packen gleichzeitig ihre Geschenke aus… riesen Chaos, aber auch unendliche Freude! Vor allem die Zwillinge Edina und Editha sind aus dem Staunen gar nicht mehr rausgekommen…ich glaube es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Geschenke bekommen haben.

Weihnachten im Nikolaushaus, TansaniaAm 25.ten sind wir nach der feierlichen Messe mit allen (!) Kindern an den See gefahren und haben dort gepicknickt, gesungen, gespielt und getobt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir 4 Praktikantinnen bei Anna eingeladen. Sie arbeitet im Babywaisenhaus. Wir haben uns einen schönen Tag in ihrem Haus gemacht, Pizza gebacken, Lebkuchen gegessen (!!!) und Tee getrunken, richtig schön weihnachtlich. Außerdem hat sie uns noch eine Fledermaushöhle gezeigt, die bei ihr in der Nähe ist. Das war abgefahren – ein bisschen grusselig, aber auch sehr beeindruckend. So viele flatternde und fiepende Fledermäuse an der Höhlendecke. Die Heimfahrt war auch noch ein kleines Highlight – mit dem Pikipiki (Motorradtaxi) den Berg runter fahren mit einer tollen Sicht auf Bukoba und den Viktoriasee. Traumhaft!
Silvester:
Silvester haben wir zusammen mit anderen, deutschen Freiwilligen in einem Haus in Bukoba verbracht. Es war wie ein Tag Urlaub – wir haben zusammen gekocht, gebacken, Spiele gespielt, gequatscht. Es gab Ofenkartoffeln, Pfannkuchen, gefüllte Teigtaschen und Schokokuchen – lecker! Auf das neue Jahr angestoßen haben wir dann zweimal… erst nach tansanischer Zeit und zwei Stunden später nach deutscher Zeit. Abschließend wurde „Dinner for one“ geschaut und am nächsten Morgen haben wir bis um 10 Uhr (!) ausgeschlafen. Es war also ein ganz entspannter Start ins neue Jahr.
Abschließen möchte ich mit einem tansanischen Sprichwort: „Hojo sio ambapo wewe ni lakini unafanya nini, wapi!“ – „Wichtig ist nicht, wo du bist, sondern was du tust wo du bist.“

Ich wünsche euch Alles Gute für das neue Jahr!
Liebe Grüße aus Tansania,
eure Hannah

4.Bericht: Kemondo, Februar 2014

„Den Weg zu verlieren ist der Weg zu lernen“ – Sprichwort aus Tansania

Nikolaushaus Tansania


Hallo ihr Lieben,

es ist schon wieder so viel passiert seit dem letzten Bericht. Wir 4 Praktikantinnen des Nikolaushauses haben uns auf Safari in die Serengeti gemacht, Geburtstage gefeiert, Ausflüge auf eine Insel und an den Viktoriasee genossen und die ersten Abschiede standen an.
Therapie:
Da uns eine Mitarbeiterin leider plötzlich verlassen musste, habe ich eine Zeit lang zusammen mit meinen Mitfreiwilligen die Therapie der behinderten Kinder aus dem Nikolaushaus übernommen. Es war eine große Herausforderung für mich, aber ich habe daraus viel gelernt. Mittlerweile kenne ich jedes Kind mit seinen Besonderheiten ganz gut und kann auch mal Wutanfälle auffangen, oder 5 Kinder gleichzeitig beschäftigen. Für unsere körperbehinderten Kinder haben wir Therapiegeräte wie „Walker“ (Eine Art Rollator zum reinsitzen), Stehbretter, ein Therapiefahrrad (mit Stützrädern), außerdem Rollen und Bälle, um Lockerungsübungen mit ihnen zu machen. Die geistig behinderten Kinder lernen mit Alltagssituationen umzugehen, einer unserer Jungs wäscht beispielsweise für sein Leben gern Wäsche. Wenn er mich morgens sieht, sagt er gleich: „Twende darasani, kufua!“ (Lass uns gehen, Wäsche waschen!). Wir singen viel und die Kinder tanzen dazu.
Außerdem habe ich in dieser Zeit mittags den Unterricht für 3 ältere, lernbehinderte Kinder übernommen. Mittlerweile steht mir wieder eine Mitarbeiterin zur Seite. Sie heißt „Mama Tito“ (in Afrika nennt man die Mamas nach ihrem ältesten Kind) und wir verstehen uns sehr gut und lachen viel zusammen.

Für mein Sudium muss ich eine Prozessanalyse über eines der Kinder schreiben. Ich habe mir dafür den autistischen Daniel ausgesucht und beschäftige mich daher momentan viel mit ihm. Das ist sehr spannend und macht mir großen Spaß, ich habe ihn schon sehr liebgewonnen. Wir machen viele Spaziergänge im Wald, spielen Ball, schaukeln, ich singe ihm vor usw. Er hat eine schwere Form von frühkindlichem Autismus und lebt sehr in seiner eigenen Welt. Er ist schwer zu erreichen, doch wenn er lacht, strahlt sein ganzes Gesicht und für diese kostbaren Momente ist es die ganze Mühe wert.

Kultur
Ich möchte euch noch ein bisschen über die Besonderheiten der tansanischen Kultur erzählen. Als erstes lernt man die Begrüßungsformeln. Da ich noch nicht verheiratet bin, gelte ich hier als junges Mädchen und grüße daher alle Erwachsenen mit „Shikamoo“, was so viel heißt wie: „Ich werfe mich dir zu Füßen“, die ältere Person antwortet dann darauf „Marahaba“ („Ich sehe in dein Herz“). Die Kinder begrüßen uns morgens und wenn sie aus der Schule kommen mit „Shikamoo“.
Außerdem gibt es Begrüßungsformeln, die man sich gegenseitig abfragt. „Habari za asubuhi?“(Wie geht es dir heute Morgen?) – „Nzuri“ (gut), „Umeamkaje?“ (Wie bist du augestanden?), „Salama“ (friedlich), usw.
Die Hautfarbe macht hier einen großen Unterschied – zu groß, wie ich manchmal finde. Als Weiße werden wir oft besser behandelt, beispielswiese bringt man uns auf Festen einen Stuhl, anstatt dass wir wie die Afrikaner auf dem mit Stroh ausgelegtem Boden sitzen. Wenn wir durch das Dorf laufen, winken uns viele Menschen zu, vor allem die Kinder rufen laut „Wazungu!“ (Weiße). Der Vorteil ist, dass man durch zurückwinken, oder ein paar Worte auf Swahili den Menschen ein Strahlen auf das Gesicht zaubern kann.
In Tansania wäre ich in meinem Alter wohl schon längst verheiratet und hätte mindestens 2 Kinder. Immer wieder staune ich darüber, wie jung manche Mütter noch sind und wie sich ihr Leben von meinem unterscheidet. Leider ist die Schulbildung der meisten Tansanier sehr schlecht. Einige können nicht lesen und schreiben, oder haben nur die Grundschule besucht. Es ist unglaublich, was die Afrikaner für Lasten auf ihrem Kopf tragen können. Wassereimer, Bananenstauden, Sandsäcke, Einkaufskörbe, Sessel (!), 10 Matratzen.

Die Frauen achten sehr auf ihr Aussehen. Sie flechten ihre Haare, oder binden kunstvoll Tücher um ihren Kopf. Außerdem tragen sie die bunten, afrikanischen Stoffe oft übereinander. Die „Kangas“ – ein Tuch, was man sich über die Schulter wirft, oder um die Hüften bindet – werden für alles benutzt, was so ansteht. Als Rock, als Decke, als Babytragetuch, als Windel, zum Naseputzen.

Safari
Anfang Februar war es soweit – wir haben uns auf die Reise in die Serengeti gemacht – dem bekanntesten Nationalpark der Welt. Schon die Nachtfahrt mit der Fähre von Kemondo nach Mwanza war ein kleines Abenteuer für sich.
In Mwanza angekommen haben wir erst einmal den Luxus genossen – Pizza essen, im Hotel heiß (!) duschen, Internet auf dem Zimmer (!!!). Nachdem man darauf so lange verzichtet hat, lernt man den Wert dieser „einfachen“ Dinge neu zu schätzen. Mwanza ist bunt und groß -überall Menschen, Motorräder, Autos, hohe Häuser, Straßengeschäfte. Wir haben den afrikanischen Markt besucht und in einem europäischen Geschäft eingekauft (mit so viel Auswahl, dass wir erstmal überfordert waren).

Am nächsten Morgen wurden wir dann von einem Fahrer abgeholt. Von Mwanza in die Serengeti sind es etwa 2 Stunden Fahrt. Unser Auto war so, wie man es sich vorstellt – bequeme Sitze, riesengroß und das Dach kann man öffnen und dann im Stehen nach draußen schauen. Als wir dann „drin“ waren gab es kein Halten mehr. Wir standen, den Fahrtwind in den Haaren, die wunderschöne, weite Landschaft vor uns, bewaffnet mit Fotoapparat und Fernglas. Wir haben so viele Tiere gesehen! Zebras, Giraffen, Antilopen, Elefanten, Gnus, Büffel, Hyänen, Warzenschweine, Nilpferde, Krokodile, Löwen, Leoparden, Affen. Wir sind durch riesige Herden durchgefahren, links und recht hunderte von Tieren – das ist ein unbeschreibliches Gefühl!
Einmal durften wir aussteigen und über eine große, wackelige Hängebrücke über den Fluss laufen. Auf der anderen Seite haben wir fleißig Fotos geschossen, bis wir plötzlich bemerkt haben, dass unser Fahrer (war beim Auto geblieben) uns hektisch zurück winkt. Im Auto meinte er dann, dass das Gebiet auf der anderen Seite des Flusses sehr gefährlich ist und sich dort Löwen und Leoparden rumtreiben…WAS? Schön sowas.
Abends wurden wir dann in eine Lodge gebracht – wir waren alle 4 überwältigt von unserem Hotel. Zu zweit hatten wir ein kleines Häusschen aus Holz für uns, liebevoll eingerichtet, ein großes Bett ein Bad mit Badewanne (!!!), super Essen, Frühstücksbuffet – traumhaft!
Am nächsten Tag haben wir eine Elefantenherde mit etwa 80 Elefanten gesehen, darunter ganz viele kleine Elefanten – sehr goldig! Außerdem haben wir die Löwen gesucht, denn unser Fahrer meinte: „Wer in die Serengeti kommt, muss Löwen sehen!“ Als wir es schon fast aufgegeben hatten, lagen sie plötzlich am Straßenrand: 4 ausgewachsene Löwen. Unsere Freude war groß!

Löwe

Von Mwanza zurück ins Nikolaushaus haben wir einen Bus genommen. Es waren 8 Stunden fahrt, aber wir hatten Glück – keine Pannen auf dem Weg und der Fahrer hat uns direkt am Nikolaushaus rausgelassen, obwohl dort keine Haltestelle ist.

Ausflug Ntoma Beach
Eigentlich sollte man im Viktoriasee nicht baden, da der See von Bilharziose befallen ist und man davon krank werden kann. Es gibt jedoch einige Strände, die Bilharziose frei sind, wie der Ntoma beach. Wir haben mit Steffi und den Kindern einen Ausflug zum Strand gemacht. Eigentlich wollten wir nur mit den Füßen ins Wasser, niemand hatte Wechselkleidung dabei – aber wie das so ist mit Wasser und Kindern. Erst wurde ein bisschen gespritzt, dann ist das erste Kind „reingefallen“ und schwupps waren auch wir 4 Praktikantinnen mit unserer Kleidung im Wasser und haben mit den Kindern geplantscht und gespielt. Es war wundervoll! Nur die Heimfahrt war ein bisschen nass…


Hannah und Asimwe Nikolaushaus Tansania, freiwilliges soziales Jahr im Waisenhaus Afrika

Outpatient clinic
Kathi und ich haben ein Spielzeug für die Kinder aus der Outpatient Clinic ein Mobile aus Holzstöcken gebaut. Es war eine ganz spontane Aktion, aber alle haben sich gefreut. Die Samstage gehören zu meinen Lieblingstagen, ich freue mich immer die kleinen, behinderten Kinder zu sehen und mit ihnen zu spielen und zu arbeiten. Je mehr Swahili ich spreche, desto besser kann ich mich auch mit den Müttern unterhalten, das ist immer sehr spannend. Sie erzählen von ihrem Alltag mit einem behinderten Kind in Afrika, fragen wie sie ihr Kind zuhause fördern können und freuen sich über Tipps.
Spielzeug

Ausflug zur Insel
Zusammen mit Steffi und Johanna und Marie (Praktikantinnen der Schwestern in Kemondo) haben wir einen Ausflug auf eine der Inseln im Viktoriasee gemacht. Mit einem kleinen Motorboot wurden wir von 2 Afrikanern die 20 Minuten über den See gefahren. Natürlich durften die knallorangen Rettungswesten dabei nicht fehlen! Die Insel war so klein, dass wir sie einmal mit dem Boot umfahren haben, bevor wir sie betreten haben. Steile Klippen, grüne Landschaft und hunderte von Vögeln, die in den Bäumen ihre Nester hatten und über unseren Köpfen flogen. Es war traumhaft! Als wir an Land waren, kamen gleich kichernde Kinder angelaufen, die uns zugewunken haben. Auf der Insel leben die Menschen noch sehr traditionell in kleinen Holz- und Lehmhütten. Sie baden und waschen im See, fangen Fische. Es kam uns vor wie eine Reise in die Vergangenheit, ein unvergessliches Erlebnis!

Abschied Anni und Kati
Genau 10 Tage, bevor ich nach Hause fliege, haben sich meine Mitpraktikantinnen Anni und Kati verabschiedet. Es gab ein großes Abschiedspicknick am See mit Kuchen und Geschenken, Reden und Liedern. Dann haben wir ein großes Kinderschminken gestartet. Die Kinder waren begeistert und wir waren die Attraktion, lauter Afrikaner aus der Umgebung kamen angelaufen, um die Verrückten zu sehen 😉 Es war ein toller Tag! Am Abend gab es dann noch einige Tränen, aber das zeigt nur wie sehr uns die Kinder ans Herz gewachsen sind und was wir den Menschen hier bedeuten.
In ein paar Tagen muss auch ich mich auf den Heimweg machen. Es wird schwer hier loszulassen. Die Nikolaushausfamilie, die Kinder aus der Outpatient Clinic,, die Lebensfreude, das Tanzen, die weite Landschaft – all das werde ich vermissen. Trotzdem ist es an der Zeit wieder nach Hause zu kommen und ich freue mich auf die neue Zeit, die dann beginnt! Ich habe viel gelernt – für mein Studium ja, aber vor allem fürs Leben.

Kinder vom Nikolaushaus in Tansania


Ich grüße euch herzlich! Bis bald, eure Hannah

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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