3 Jahre Nikolaushaus September 2014

„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vor dem Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.“ Psalm 118, 22-23

 Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses!

Dieses Zitat steht auf Englisch an unserem Hauseingang und ist unser Leitmotiv.

Abschied von Katharina und Anna-Lena

Am Mittwoch, den 17.9.2014 haben wir unseren 3. Jahrestag seit Einzug ins Nikolaushaus gefeiert. Damals zogen wir mit 10 Kindern und zwei Mitarbeiterinnen ein. Heute zählt unsere Familie 22 Kinder und viele Mamas. Unsere Schulkinder hatten gerade eine Woche Schulferien und so konnten wir an dem Tag einen gemeinsamen Tagesausflug mit unserem neuen Bus unternehmen. Wir fuhren zu den Franziskanerschwestern nach Biharamulo, die uns mit kleinen Geschenken, leckerem Essen, Bonbons und Limonade verwöhnten. Es war ein wunderschöner Tag.

David

Am 12. August kam der kleine David zur Welt. Die Umstände sind allerdings weniger schön. Seine Mutter Agatha hat eine Halbseitenlähmung und lebt mit ihrer Mutter in einer Lehmhütte im Dorf. Agatha hat bereits einen 10-jährigen Sohn. Mwolokozi hat ebenfalls eine Halbseitenlähmung. Außerdem hat er Epilepsie und eine geistige Behinderung. Agatha und Mwolokozi kommen seit drei Jahren jeden Samstag zu unserer Outpatient Clinic, wo Mwolokozi Krankengymnastik bekommt sowie seine Epilepsie-Medikamente. Für Mutter und Sohn ist der Samstagvormittag bei uns im Nikolaushaus wahrscheinlich der Höhepunkt der Woche, denn dann kommen die beiden raus, treffen andere Mütter und Kinder, es gibt Tee und Kekse und Spielzeug und Gesellschaft.

Agatha mit Mwolokozi und Baby David

Agatha mit Mwolokozi und Baby David

Anfang des Jahres teilte uns Agatha mit, dass ein Nachbar sie vergewaltigt hätte und sie schwanger sei. Während ihrer Schwangerschaft hatte Agatha mehrfach vorzeitige Wehen und musste deswegen dreimal stationär ins Krankenhaus. Aufgrund ihrer Behinderung und schlechten Ernährung ging es ihr nicht gut. Die gesamte Zeit der Schwangerschaft hatten wir sie mit Nahrungsmitteln unterstützt, sie ins Krankenhaus gebracht und dort versorgt, denn außer uns kümmerte sich niemand um sie. Als sie Anfang August wieder ins Krankenhaus kam, nahmen wir vorübergehend Mwolokozi bei uns im Nikolaushaus auf. Wir waren erleichtert, als dann endlich David – zwar nur 2,6 kg leicht – aber gesund (!) zur Welt kam. Drei Tage nach der Geburt sollten Mutter und Kind dann aus dem Krankenhaus entlassen werden. Spontan bauten wir ein Matratzenlager im Kinderzimmer unserer kleinen Jungen auf und nahmen Agatha und ihre beiden Kinder bei uns auf. Wir haben eigentlich kein freies Zimmer mehr, doch irgendwie findet sich immer eine Lösung.

Das improvisierte Bettenlager im Nikolaushaus

Das improvisierte Bettenlager im Nikolaushaus

Wir wollten einfach sicher sein, dass es Mutter und Kind nach der Geburt gut geht. Noch immer sterben in Tansania Säuglinge an Nabelentzündungen und Mütter an nachgeburtlichen Komplikationen. Nach einer Woche brachten wir dann Mutter und beide Kinder zurück ins Dorf. Seitdem schauen wir wie gewohnt jeden Samstag nach der Familie. David entwickelt sich gut und nimmt kräftig zu.

Zeitgleich habe ich in den Wochen nach der Geburt den Vergewaltiger angezeigt. Mir war es wichtig zu zeigen, dass eine behinderte Frau nicht missbraucht und vergewaltigt werden darf. Inzwischen haben wir bereits fünf Kinder bei uns im Nikolaushaus, deren Mütter behindert sind und nicht in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern. Missbrauch und Vergewaltigung einer Frau mit Behinderung ist also kein Einzelfall, wird aber in der Bevölkerung hingenommen und nicht als Unrecht empfunden. Die Anzeige des Vergewaltigers hat die Leute in dem Dorf wach gerüttelt. Der Mann ist Ehemann und Vater von 6 Kindern. Seit die Sache Dorfgespräch ist, hat er viel Ärger mit seiner Ehefrau. Am Montag den 14.9. war er vors Gericht geladen. Zwei Tage vorher kam er zu mir ins Nikolaushaus und bat mich, die Anzeige zurückzuziehen. Er zahlt nun umgerechnet 5 Euro monatlichen Unterhalt (was auch in Tansania nicht viel Geld ist). Wir werden sehen, ob er sich an die Vereinbarungen halten wird, ansonsten geht die Sache wirklich vors Gericht.

Safura

Safura mit Gehhilfe

Weiterhin kann ich von unserem neuen Kind berichten. Safura ist 8 Jahre alt. Sie hat eine zerebrale Bewegungsstörung und kann nur mit einer Gehhilfe laufen. Sie ist geistig behindert, wie auch ihre Mutter. Ich war erstaunt zu sehen, wie ähnlich sich Mutter und Tochter im Aussehen und im Verhalten sind. Auch Safuras Mutter wurde missbraucht und ist nicht in der Lage, sich um sich selbst, geschweige denn um ihre behinderte Tochter zu kümmern.

Diese Schicksale machen mich sehr betroffen. Bisher kann ich den Müttern nur sehr wenig helfen und nur ihre Kinder ins Nikolaushaus aufnehmen. Gerne würde ich auf unserem Gelände ein einfaches Gebäude errichten, in dem ich bis zu drei behinderte Frauen mit ihren Kindern aufnehmen kann. Es würde sich um ein unterstütztes Wohnen handeln. Eine behinderte Frau könnte dort in einer Krisensituation – wie bei Agatha – vorübergehend wohnen und von uns unterstützt und betreut werden, wir könnten sie auch dauerhaft bei uns aufnehmen. Ich habe einen Kostenvoranschlag erstellen lassen und komme auf 15 000 Euro für den Bau von drei Schlafzimmern, Sanitäranlagen und einer einfachen überdachten Kochstelle.

Zum Schluss kann ich noch berichten, dass im August Katharina und Anna-Lea abgereist sind. Die beiden Praktikantinnen waren ein Jahr bzw. 5 Monate bei uns.

Unsere Praktikantinnen

Doch haben wir mit Hannah, Lea und Kathrin und bald noch einer weiteren Lea wieder vier neue Praktikantinnen. Unsere laute Familie ist oft erstmal ein Schock, aber später ist der Abschied dann umso schwerer …

 Ebola hat uns noch nicht erreicht und wir beten, dass das auch so bleibt….

Viele Grüße von uns allen,

Stefanie Köster mit allen Kindern und Mitarbeiterinnen

P.S.: Bitte beachten Sie meine neue E-Mailadresse: SEKoester(at)t-online.de

Meine alte E-Mailadresse bei Yahoo funktioniert noch, doch da ich bereits zwei Hackerangriffe hatte, möchte ich diese E-Mailadresse auf Dauer schließen.

  • NIKOLAUSHAUS e.V. St. Nicholaus Children´s Center, Kemonodo
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